Kopf einen Augenblick zur Seite wandte , sah ich eine Thräne unter seinen geschlossenen Lidern hervorquellen und über seine gebräunte Wange rollen . Mein Herz klopfte laut und heftig . » Jetzt bin ich nichts besseres als der alte vom Blitzstrahl getroffene Nußbaum im Obstpark von Thornfield-Hall , « bemerkte er nach längerem Schweigen , » Und welches Recht hätte jener Baumstumpf , von einer blühenden Waldwinde zu verlangen , daß sie seinen Verfall mit frischem Grün bedecke ? « » Sie sind kein toter Baumstumpf , keine Ruine , Sir – kein vom Blitz zerschmetterter Baum ; Sie sind noch grün und kräftig . An Ihren Wurzeln werden Pflanzen emporschießen , ob Sie sie nun fragen oder nicht , denn sie empfinden Wohlbehagen in Ihrem wohlthätigen Schatten . Und wie sie wachsen , werden sie sich an Sie lehnen und sich um Sie schlingen , weil Ihre Kraft den zarten Schößlingen einen so sicheren Halt gewährt . « Wiederum lächelte er . Ich spendete ihm Trost . » Du sprichst von Freunden , Jane ? « fragte er . » Ja , von Freunden , « entgegnete ich ein wenig zögernd , denn ich war mir wohl bewußt , mehr als Freunde im Sinne zu haben . Aber ich fand das rechte Wort nicht so schnell . Er half mir jedoch . » Ach , Jane ! ich sehne mich ja nach einer Gattin . « » Wirklich , Sir ? « » Ja ! überrascht dich das ? « » Natürlich ! Bis jetzt ließen Sie nichts davon verlauten . « » Ist es eine unwillkommene Nachricht für dich ? « » Das hängt von Umständen ab , Sir – oder eigentlich von Ihrer Wahl . « » Die sollst du für mich treffen , Jane . Von deinem Entschluß will ich alles abhängig machen . « » So wählen Sie die , – welche Sie am meisten liebt , Sir . « » Wenigstens will ich diejenige wählen , – welche ich am meisten liebe . Jane , willst du mich heiraten ? « » Ja , Sir . « » Einen armen , blinden Mann , den du an der Hand führen mußt , Janet ? « » Ja , Sir . « » Einen Krüppel , der zwanzig Jahre älter ist als du , den du warten und pflegen mußt ! « » Ja , Sir . « » Wirklich , Jane ? « » Wirklich und wahrhaftig , Sir , « » O mein Liebling ! mein Liebling ! der allmächtige Gott segne dich und belohne dich ! « » Mr. Rochester , wenn ich je in meinem Leben eine gute That vollbracht habe – wenn ich einen edlen Gedanken gedacht habe – wenn ich ein reines und aufrichtiges Gebet gebetet habe – wenn ich einen gerechten Wunsch gehegt habe – so bin ich jetzt belohnt . Ihre Gattin werden bedeutet für mich , so glücklich zu sein , wie ich es auf dieser Erde überhaupt werden kann . « » Weil du glücklich bist , wenn du Opfer bringen kannst . « » Opfer ! Was opfere ich denn ? Ich gebe die Hungersnot für Nahrung hin , Erwartung für Zufriedenheit . Daß es mir vergönnt ist , mit meinen Armen zu umschlingen , was ich wert halte – meine Lippen auf das zu drücken , was ich liebe – bei dem auszuruhen , welchem ich vertraue : heißt das ein Opfer bringen ? Und wenn dem so ist , dann bin ich allerdings glücklich , Opfer bringen zu können . « » Und meine Gebrechlichkeit zu ertragen , Jane , meine Mängel zu übersehen ? « » Für mich ist es keine Gebrechlichkeit , kein Mangel , Sir . Jetzt , wo ich Ihnen wirklich von Nutzen sein kann , liebe ich Sie inniger als zur Zeit Ihrer stolzen Unabhängigkeit , wo Sie jede andere Rolle als die des Gebers und Beschützers verschmähten . « » Bis jetzt haßte ich es , wenn man mir half , wenn man mich führte . Aber von nun an – das fühle ich – wird es mir nicht mehr verhaßt sein . Es war mir fürchterlich , meine Hand in die eines Mietlings zu legen , aber es ist wohlthuend , sie von Janes zarten Fingern umfassen zu lassen . Ich zog absolute Einsamkeit der beständigen Gegenwart meiner Dienstboten vor ; aber Janes sanfte , geduldige Leitung wird eine immerwährende Freude für mich sein . Jane ist mir angenehm . Bin ich es ihr auch ? « » Sympathisch bis in die zarteste Fiber meines Ichs , Sir . « » Nun , wenn dies der Fall ist , so haben wir auf nichts in der Welt mehr zu warten ; wir müssen uns sofort verheiraten . « Er sah erregt aus und sprach lebhaft ; sein alter Ungestüm erwachte wieder . » Ohne Aufschub müssen wir eins werden , Jane . Wir brauchen nur noch die obrigkeitliche Erlaubnis – dann heiraten wir . « » Mr. Rochester , soeben entdecke ich , daß die Sonne bereits tief unter dem Meridian steht , und Pilot ist wirklich schon zum Mittagessen nach Hause gegangen . Lassen Sie mich Ihre Uhr sehen . « » Befestige sie an deinem Gürtel , Janet , und behalte sie in Zukunft . Ich kann sie ja doch nicht mehr brauchen . « » Es ist beinahe vier Uhr nachmittags , Sir . Sind Sie gar nicht hungrig ? « » In drei Tagen muß unser Hochzeitstag sein , Jane . Laß es gut sein mit schönen Kleidern und Juwelen und dergleichen Dingen : alles das ist doch keinen Pfifferling wert . « » Die Sonne hat jeden Regentropfen aufgesogen , Sir , Der Wind hat sich gelegt – es ist heiß geworden . « » Weißt du , Jane , daß ich in diesem Augenblick dein kleines Perlhalsband an meinem bronzefarbenen Halse unter meiner Krawatte trage ? Ich trug es