schließen werde ! Geht nur hinaus ! « erwiderte der Küster . » Ich kann nicht gehen « , sagte ich , » laßt mich hier sitzen , nur einige Stunden , die Mutter Gottes wird es Euch nicht übelnehmen ! « » Geht jetzt sogleich ! « rief er , » Ihr könnet durchaus nicht hierbleiben ! « Ich schlich also trübselig aus der Kirche , und der wachsame Seilzieher machte sich daran , die Türen zu verschließen . Ich stand jetzt auf dem Kirchhofe , welcher einem wohlgepflegten Garten glich ; jedes Grab war für sich oder mit andern zusammen ein Blumenbeet , in freier Anordnung ; besonders die Kindergräblein waren anmutig verteilt , bald als eine kleine Versammlung auf einer Raseninsel , bald einsam in einem lieblichen Schmollwinkel unter einem Baume , bald zwischen Gräbern der Alten , gleich Kindern , die den Müttern an der Schürze hangen . Die Wege waren mit Kies bedeckt und sorgfältig gerechet und führten ohne Scheidemauer unter die dunklen Bäume eines Lustwaldes , Ahorne , Ulmen und Eschen . Der Regen hatte nachgelassen ; doch fielen noch zahlreiche Tropfen , indes im Westen ein Streifen feurigen Abendrotes lag und einen schwachen Schein auf die Leichensteine warf . Ich ließ mich unwillkürlich auf eine Gartenbank nieder , die mitten in den Gräbern stand . Da kam ein schlankes weibliches Wesen aus dem tiefen Schatten der Bäume hervor , mit raschen Schritten , welches reiche dunkle Locken im Winde schüttelte und mit der einen Hand eine Mantille über der Brust zusammenhielt , während die andere einen leichten Regenschirm trug , der aber nicht aufgespannt war . Diese sehr anmutige Gestalt eilte gar wohlgemut zwischen den Gräbern herum und schien dieselben aufmerksam zu besichtigen , ob die Gewächse von Sturm und Regen nicht gelitten hätten . Hie und da kauerte sie nieder , warf den leichten Schirm auf den Kiesweg und band eine flatternde Spätrose frisch auf oder schnitt mit einem glänzenden Scherchen eine Aster oder dergleichen ab , worauf sie weitereilte . Erschöpft wie ich war , sah ich die schöne Erscheinung vor mir hinschweben und dachte nicht viel dabei , als der Küster wieder zum Vorschein kam . » Hier könnt Ihr auch nicht bleiben , guter Freund ! « redete er mich abermals an ; » dieser Gottesacker gehört gewissermaßen zu den herrschaftlichen Gärten , und kein Fremder darf sich da zur Nachtzeit herumtreiben . « Ich antwortete gar nichts , sondern sah ratlos vor mich hin ; denn ich konnte mich beinah nicht entschließen aufzustehen . » Nun , hört Ihr nicht ? Auf ! Steht in Gottes Namen auf ! « rief er etwas lauter und rüttelte mich an der Schulter , wie man einen auf der Wirtsbank Eingeschlafenen aufmuntert . In diesem Augenblicke kam die Dame in die Nähe und hielt ihren sorglosen Gang an , um dem Handel zuzuschauen . Ihre Neugierde war von so kindlich anmutiger Gebärde und die Person so schönäugig , soviel in der Dämmerung zu sehen , von so unverhohlener natürlicher Freundlichkeit , daß ich für den Augenblick neu belebt mich erhob und mit dem Hut in der Hand vor ihr stand . Ich schlug jedoch verlegen die Augen nieder , als sie mich in meinem durchnäßten und beschmutzten Aufzuge aufmerksam betrachtete . Inzwischen sagte sie zu dem Kirchendiener : » Was gibt es hier mit diesem Manne ? « » Ei , gnädiges Fräulein ! « antwortete der Küster , » Gott weiß , was das für ein Mensch mag sein ! Er will durchaus hier einschlafen ; das kann doch nicht geschehen , und wenn er ein armer Vagabund ist , so schläft er gewiß besser im Dorf in irgendeiner Scheuer ! « Die junge Dame sagte freundlich , zu mir gewendet : » Warum wollen Sie denn hier schlafen ? Lieben Sie die Toten so sehr ? « » Ach , mein Fräulein « , erwiderte ich aufblickend , » ich hielt sie für die eigentlichen Inhaber und Gastwirte der Erde , die keinen Müden abweisen ; aber wie ich sehe , sind sie nicht viel vermögend und wird ihre Intention ausgelegt , wie es denen gefällt , die über ihren Köpfen einhergehen ! « » Das sollen Sie nicht sagen « , versetzte lächelnd das Fräulein , » daß wir hierzulande schlimmer gesinnt seien als die Toten ! Wenn Sie sich nur erst ein bißchen ausweisen wollen und sagen , wie es Ihnen geht , so werden Sie uns Lebendige hier schon als leidliche Leute finden ! « » Darf ich Ihnen zum Anfang meine Schriften vorweisen ? « » Die können falsch sein ! Verfahren Sie lieber mündlich ! « » Nun , ich bin guter Leute Kind und eben im Begriff , sosehr ich kann , zu laufen , woher ich gekommen bin ! Leider geht es nicht unaufgehalten , wie es scheint ! « » Und woher kamen Sie denn ? « » Aus der Schweiz . Seit einigen Jahren lebte ich als Künstler in Ihrer Hauptstadt , um zu entdecken , daß ich keiner sei . So bin ich nun ohne bequeme Reisemittel auf dem Heimwege und glaubte , ohne jemandem lästig zu fallen , nur so durchlaufen zu können . Das hat der Regen verhindert ; darum hoffte ich ungesehen die Nacht in dieser Kirche zuzubringen und in aller Frühe still weiterzuziehen . Wenn hier ganz in der Nähe ein Vordach oder ein offener Schuppen ist , denn weiter kann ich nicht mehr , so befehlen Sie großmütig , daß man mich dort ruhen läßt und tut , als ob ich gar nicht da wäre , und am Morgen werde ich dankbar wieder verschwunden sein ! « » Sie sollen ein besseres Quartier haben , kommen Sie jetzt mit mir , ich will es vorläufig über mich nehmen , bis mein Vater erscheint , der bald von seiner Jagdpartie zurückkehren wird . « Obschon ich vor kalter Nässe schlotterte , seit ich dastand ,