in dichten Haufen durch die Straßen oder lagerten sich in Gruppen in den Vorhallen und Säulengängen der Basiliken . Auf den Stufen von Sankt Apollinaris drängte sich viel Volk zusammen . Und es ward , obwohl erst Sonnenuntergangszeit , doch völlig dunkle Nacht . * * * Auf dem Ruhebett in ihrem Schlafgemach lag Mataswintha , die Königin , mit todesbleichen Wangen , in schwerer Betäubung . Aber ohne Schlaf . Die weitgeöffneten Augen starrten in die Dunkelheit . Nicht eine Silbe hatte sie auf Aspas ängstliche Fragen gesprochen und zuletzt die Weinende mit einer Handbewegung entlassen . Unwillkürlich kehrten in ihrem eintönigen Denken die Worte wieder : Witichis - Rauthgundis - Mataswintha ! Mataswintha - Rauthgundis - Witichis ! Lange , lange lag sie so und nichts schien den unaufhörlichen Kreislauf dieser Worte unterbrechen zu können . Da plötzlich fuhr ein roter Strahl grell und blendend durch das Gemach , und im selben Augenblick schmetterte ein furchtbarer Donnerschlag , ein Donner , wie sie ihn nie vernommen , grollend , knatternd , prasselnd , krachend über die bebende Stadt . Der Angstschrei ihrer Frauen schlug an ihr Ohr : sie fuhr empor . Sie setzte sich aufrecht auf dem Ruhebett . Aspa hatte ihr das Obergewand abgenommen . Sie trug nur noch das weißseidne Unterkleid : sie warf die wallenden Wogen ihres Haares über die Schultern und lauschte . Es war eine bange Stille . Und noch ein Blitz und noch ein Donnerschlag . Ein Windstoß riß heulend das Fenster von Milchglas auf , das nach dem Hofe führte . Mataswintha starrte in die Finsternis hinaus , die jetzt jeden Augenblick von grellen Blitzen unterbrochen wurde . Unaufhörlich rollte der Donner , selbst das furchtbare Geheul des Sturmes überdröhnend . Der Kampf der Elemente tat ihr wohl . Sie lauschte begierig , auf die Linke gestützt und mit der Rechten langsam über die Stirne streichend . Da eilte Aspa herein mit Licht . Es war eine Fackel , deren Flamme in einer geschlossenen Glaskugel brannte . » Königin , du ... - Aber , bei allen Göttern , wie siehst du aus ! Wie eine Lemure . Wie die Rachegöttin ! « » Ich wollte , ich wäre es , « sagte Mataswintha - es war das erste Wort seit langen Stunden , - ohne den Blick vom Fenster zu wenden . Und Blitz auf Blitz und Schlag auf Schlag . Aspa schloß das Fenster . » O Königin , die Frommen unter deinen Mägden sagen : das sei das Ende der Welt , das da komme , und der Sohn Gottes steige nieder auf feurigen Wolken , zu richten die Lebendigen und die Toten . Huh , welch ' ein Blitz ! Und noch kein Tropfen Regen . Nie hab ' ich solch ein Unwetter gesehen . Die Götter zürnen schwer . « » Wehe , wem sie zürnen . O , ich beneide sie , die Götter . Sie können hassen und lieben , wie ' s ihnen gefällt . Und zermalmen den , der sie nicht wieder liebt . « » Ach , Herrin , ich war auf der Straße : ich komme gerade zurück . Alles Volk strömt in die Kirchen mit Beten und Singen , den Himmel zu versöhnen . Ich bete zu Kairu und Astarte - Herrin , betest du nicht auch ? « » Ich fluche ! Das ist auch gebetet . « » Oh , welch ein Donnerschlag ! « schrie die Sklavin und stürzte zitternd in die Kniee . Der dunkelblaue Mantel , den sie trug , glitt von ihren Schultern . Der Blitz und Donner war so stark gewesen , daß Mataswintha aus den Kissen gesprungen und ans Fenster geeilt war . » Gnade , Gnade , ihr großen Götter ! erbarmt euch der Menschen ! « flehte die Afrikanern . » Nein , keine Gnade ! Fluch und Verderben über die elende Menschheit ! Ha das war schön ! Hörst du , wie sie unten heulen vor Angst auf der Straße ? Noch einer , und noch ein Strahl ! Ha , ihr Götter , wenn ein Himmelsgott oder Himmelsgötter sind - nur um eins beneid ' ich euch - : um die Macht eures Hasses , um euren raschen , geflügelten , tödlichen Blitz ! Ihr schwingt ihn mit der ganzen Wut und Lust eures Herzens und eure Feinde vergehn : und ihr lacht dazu : - der Donner ist euer Gelächter ! Ha , was war das ? « Ein Blitz und ein Donner , der alle frühern übertraf , zuckte und krachte . Aspa fuhr vom Boden auf . » Was ist das für ein großes Haus , Aspa ? die dunkle Masse uns gegenüber ? Der Blitz hat wohl gezündet : - brennt es ? « » Nein , Dank den Göttern ! es brennt nicht ! Der Blitz hat sie nur beleuchtet . Es sind die Kornspeicher des Königs . « » Ha , habt ihr fehlgeblitzt , ihr Götter ? « So schrie die Königin . » Auch die Sterblichen führen den Blitz der Rache . « Und sie sprang vom Fenster hinweg , - und das Gemach war plötzlich dunkel . » Königin - Herrin - wo bist - wohin bist du verschwunden ? « rief Aspa . Und sie tastete an den Wänden . Aber das Gemach war leer : und Aspa rief umsonst nach ihrer Herrin . * * * Unten auf der Straße wogte nach der Basilika von Sankt Apollinaris hin ein frommer Zug . Ravennaten und Goten , Kinder und Greise , sehr viele Frauen : Knaben mit Fackeln schritten voran , hinter ihnen Priester mit Kreuzstangen und Fahnen . Und durch das Brüllen des Donners und durch das Pfeifen des Sturmes scholl die alte , feierlich ergreifende Weise : dulce mihi cruciari , parva vis doloris est : malo mori quam foedari : major vis amoris est . Die Antwort aber des zweiten Halbchors lautete :