zurück schauen zu können . Ich tat es aber nicht , weil ich mich vor mir selber schämte , und ich ging beeiligten Schrittes den Weg hinunter und immer tiefer hinunter . Ich durfte auch nichts verzögern , wenn ich vor Einbruch der Nacht noch zu dem Strome hinunter gelangen wollte , auf dem mich am andern Morgen ein Schiff weiter tragen sollte . Die herbstliche Abendsonne spielte durch die Zweige , manche Kohlmeise ließ einen Ruf erschallen , wie ihn die hatten erschallen lassen , welche jetzt noch in meinen heimatlichen Bergwäldchen verweilten , mancher Fuhrmann , mancher Wanderer begegnete mir , ich ging mit ernstem Herzen weiter , und als die Sonne untergegangen war , hörte ich das Rauschen des Stromes , der mir nun so wichtig geworden war , und sah sein goldenes abendliches Glänzen . Ich vergesse mich « , unterbrach sich hier mein Gastfreund , » und erzähle Euch Dinge , die nicht wichtig sind ; aber es gibt Erinnerungen , die , wie unbedeutende Gegenstände sie auch für andere betreffen , doch für den Eigentümer im höchsten Alter so kräftig dastehen , als ob sie die größte Schönheit der Vergangenheit enthielten . « » Ich bitte Euch , « entgegnete ich , » fahret so fort , und entzieht mir nicht die Bilder , die Euch aus früheren Zeiten übrig sind , sie gehen schöner in das Gemüt und verbinden leichter , was verbunden werden soll , als wenn von dem lebendigen Leben ein flacher Schatten gegeben werden sollte . Auch ist meine Zeit , wenn anders die Eurige nicht strenger zugemessen ist , kein Hindernis , daß Ihr mir irgend etwas vorenthalten solltet . « » Meine Zeit « , antwortete er , » ist entweder so gemessen , daß ich nichts anderes tun sollte , als auf mein Ende sehen , oder daß ich über sie verfügen kann , wie ich will ; denn was sollte ein so alter Mann noch Ausschließliches zu tun haben ? Er mag für die paar Stunden , die ihm übrig sind , noch Blumen zurecht legen , wie er will . Ich tue ja eigentlich hier auf dieser Besitzung nichts anders . Auch dürfte das , was ich Euch sagen will , für Euch nicht ganz unwichtig sein , wie sich wohl in der Folge zeigen wird . Ich fahre daher fort , wie sich eben unter den Worten die Erzählung gibt . Die Nacht verbrachte ich in gutem Schlummer , und der erste Morgen sah mich auf einem jener rohen kleinen Schiffe , wie sie damals mit verschiedenen Gütern beladen unsern Strom abwärts befuhren und auch Menschen mit sich nahmen . Mehrere junge Leute , die entweder ganz gleichen oder ähnlichen Beruf mit mir verfolgten , standen auf dem Verdecke und legten sogar manches Mal Hand an die Ruder , da unser Schiff auf dem breiten , rauchenden Strome sich abwärts bewegte , und die kleine Stadt , die uns Nachtherberge gegeben hatte , sich aus den Morgennebeln ringend unsern Augen immer weiter und weiter zurück trat . Manches Lied , mancher Spruch , der aus der Schar meiner Begleiter hervortrat , machte seine Wirkung auf mich , und ich wurde stärker und entschlossener . Als am Abende des zweiten Tages unserer Wasserfahrt der hohe , schlanke Turm der Stadt , deren Miteinwohner ich nun werden sollte , gleichsam luftig blau unter den Gebüschen der Ufer sichtbar wurde , als man sich rief und das Zeichen sich zeigte , das man nun nach Verlauf von etwas mehr als einer Stunde erreichen werde , wollte mir das Herz im Busen wieder unruhiger pochen . Dieses Merkmal vergangener Menschenalter , dachte ich , welches so viele große und gewaltige Schicksale gesehen hatte , wird nun auch auf dein kleines Geschick herabsehen , es mag sich nun gut oder übel abspinnen , und wird , wenn es längstens abgelaufen ist , wieder auf andere schauen . Wir fuhren rascher zu , weil alles hoffnungsvoll die Ruder führte , die Entschloßneren sangen ein Lied , und ehe noch die Stunde um war , legte unser Schiff an der steinernen Einfassung des Flusses im Angesichte sehr großer Häuser an . Ein älterer Schüler , der schon zwei Jahre in der Stadt zugebracht hatte und jetzt von den bei seinen Eltern verlebten Ferien zurückkehrte , erbot sich , mir einen Gasthof zur Unterkunft zu zeigen und mir morgen zur Auffindung eines Wohnzimmerchens für mich behilflich zu sein . Ich nahm es dankbar an . Unter dem Torwege des Gasthofes , in den er mich geführt hatte , nahm er Abschied von mir und versprach , mich morgen mit Tagesanbruch zu besuchen . Er hielt Wort , ehe ich angekleidet war , stand er schon in meinem Zimmer , und ehe die Sonne den Mittag erreichte , waren meine Sachen schon in einem Mietzimmerchen , das wir für mich gefunden hatten , untergebracht . Er verabschiedete sich , und suchte seine wohlbekannten Kreise auf . Ich habe ihn später selten mehr gesehen da uns nur die Schiffahrt zusammengebracht hatte , und da seine Laufbahn eine ganz andere war als die meine . Als ich von meinem Stübchen ausging , die Stadt zu betrachten , befiel mich wieder eine sehr große Bangigkeit . Diese ungeheure Wildnis von Mauern und Dächern , dieses unermeßliche Gewimmel von Menschen , die sich alle fremd sind und an einander vorübereilen , die Unmöglichkeit , wenn ich einige Gassen weit gegangen war , mich zurecht zu finden , und die Notwendigkeit , wenn ich nach Hause wollte , mich Schritt für Schritt durchfragen zu müssen , wirkte sehr niederdrückend auf mich , der ich bisher immer in einer Familie gelebt hatte und stets an Orten gewesen war , in denen ich alle Häuser und Menschen kannte . Ich ging zu dem Vorstande der Rechtsschule , um mich für die Vorbereitungsjahre zum Staatsdienste einschreiben zu lassen . Er nahm mich meiner trefflichen Zeugnisse willen sehr gut auf und ermahnte