Kabinete , doch blieb er unter der Thüre desselben hinter dem Vorhange einen Augenblick stehen . Kaum waren die Herrschaften vom Spieltische aufgestanden , so erschien alsbald der Kammerdiener und packte die vier Marken seines Herrn zusammen , warf einen schnellen Blick auf jede einzelne , dann einen andern durch das Zimmer , um sich zu überzeugen , ob Niemand die Hast bemerkt habe , mit welcher er die Marken in Sicherheit gebracht . Doch hatte ihn der Graf wohl beobachtet , und nachdem dieser das Zimmer verlassen und nothgedrungen mit einigen Herren und Damen , die ihm gerade in den Weg traten , ein paar gleichgiltige Worte gewechselt hatte , zog er sich hinter eine große Epheuwand zurück und ließ sich dort auf ein Sopha nieder . » Vor allen Dingen muß ich mir klar machen , « dachte er , » für wen der Zettel bestimmt ist . - Ohne Zweifel für den Herzog . - Aber warum alsdann diese Heimlichkeiten mit den Marken ? Hätte ihm der Kammerdiener nicht ebenso gut dieses Papier in die Hand geben können ? - Halt ! da gibt ' s was zu überlegen . Dieser Zettel kam vielleicht während der Tafel und wurde an den bewußten Ort gelegt , damit ihn Seine Durchlaucht ohne Aufsehen an sich nehmen könne . - Der Herzog will es wahrscheinlich vermeiden , daß man ihn geheimnißvolle Worte mit dem Kammerdiener seiner Mutter wechseln sieht . - Oder - nein , nein ! - So muß es sein ! - Der Kammerdiener selbst ist nicht eingeweiht , wie man diese Marken öffnet , er weiß nur , daß sie für den Herzog kostbar sind , deßhalb wollte er sie zu sich nehmen . - Ein Anderer aber , ja ein Anderer , der nicht in diesen Kreis kommt , kennt das Geheimniß der Marke und legte den Zettel hinein , um Seine Durchlaucht zu benachrichtigen . - - Bericht wie gewöhnlich , « murmelte er vor sich hin , » um elf Uhr . - Das ist sehr unbestimmt , wird aber um elf Uhr heute Abend heißen sollen , denn sonst hätte jener Andere ja Zeit gehabt , dem Herzog zu schreiben . - Die vierte Thüre neben der blauen Gallerie . - Das klingt schon begreiflicher : die blaue Gallerie kenne ich sehr genau , und die vierte Thüre wird nicht schwer zu finden sein . - Aber was an dieser vierten Thüre thun ? - Soll der , welcher hinkommt , einen Bericht erhalten oder einen geben ? - Das Letztere wäre für mich sehr unangenehm . - Bah ! wie kann ich da zweifeln ? Man kann einen Herzog nicht nur so zum Bericht auffordern . - - Nein , nein ! man will ihm irgend etwas Interessantes anvertrauen . - Und da das Ganze auf hundert Meilen nach einer Liebesgeschichte riecht , und da Seine Durchlaucht der Herr Herzog die außerordentliche Gnade haben , Seine leichtfertige Cour einer jungen Dame zu machen , die ich unbeschreiblich und aufrichtig liebe , - da er ferner heute Abend meinen Platz eingenommen , so werde ich mir auch wahrhaftig kein Gewissen daraus machen , als Revanche ein wenig für ihn zu gelten . - Ja , ich werde hingehen , denn es ist mir gerade , als müßte dort etwas verhandelt werden , was für mich am Ende noch von größerem Interesse ist als für ihn . « Damit war sein Enschluß gefaßt ; er erhob sich beruhigt aus seiner Ecke und mischte sich wieder unter die Gesellschaft . Die kleine Soirée nahm übrigens recht langweilig ihren Fortgang , wie es wohl meistens bei einer höchsten Spielpartie der Fall ist , wo nicht gespielt wird . Die Herrschaften hatten sich am Kamine niedergelassen und zogen nur hie und da eine der alten Excellenzen in den Bereich ihrer Unterhaltung , wobei übrigens Ihre Majestät häufig auf die Uhr blickte und sich entweder nach dem Fortgehen oder dem Souper zu sehnen schienen . Das Letztere kam nun gegen halb Elf , und brachte wieder einiges Leben in die Gesellschaft . Die Damen und Herren in den Ecken des Zimmers hörten auf , verstohlener Weise gähnen , die Fächer wurden nicht mehr unaufhörlich auf- und zugeklappt , die Hüte nicht mehr in den weißen Handschuhen hin und her gedreht . Es war , als fliege ein allgemeines Ah ! durch das Zimmer , und nicht blos die Bedienten rannten geschäftig hin und her , um die gedeckten Tische im Spielzimmer mit einer Menge Platten voll kalter Küche , mit Früchten und allerlei Weinen zu bedecken , auch die Herren bewiesen sich liebenswürdig gegen die Damen . Die Hüte wurden in einem Winkel plazirt , die Damen setzten sich nieder , und ließen sich mit dem , was gerade nach ihrem Geschmacke war , bedienen , worauf man dann bald nichts mehr hörte , als das Klappern der Teller , Messer und Gabeln , oder das leise Klingen eines Glases . Aber in der Art , wie die Leute ihr Souper einnahmen , lag eigentlich so gar nichts Behagliches . Die Herren verzehrten ihr Bischen meistens stehend , die Damen , indem sie abwechselnd einen Blick auf den Teller und dann wieder einen auf die allerhöchsten Herrschaften warfen . Es war keine Ruhe bei diesem Essen : man konnte sich doch nicht am Ende der Gefahr aussetzen , einen gnädigen Wink oder ein freundliches Lächeln zu übersehen ; deßhalb die ewige Aufmerksamkeit auf den allerhöchsten Teller und den allerhöchsten Mund , und erst als man sicher war , daß Letzterer gerade selbst beschäftigt war , zwang man heftig und unnachsichtlich schluckend irgend einen tüchtigen Bissen hinab , um gleich darauf wieder kampfgerüstet zu sein . Den Herren erging es zuweilen noch schlimmer , und eine unzeitige Frage Ihrer Majestät konnte im Stande sein , sie in die furchtbarste Verlegenheit zu setzen . - Antworte einmal Einer korrekt und deutlich , wenn er vom Viertel eines ziemlich großen Kapauns