es ihm in die Hand : » Dieses , ich weiß keinen Bessern , der es nach mir aufhebt . - Es ist freilich nur vom zweiten Abdruck . Ja , wenn es mir gelungen wäre , eines mit dem Todtenkopf zu erhalten ! Was habe ich nicht korrespondirt , nach England , Schweden , was habe ich geboten ! Der Herr Legationsrath von Wandel , was hat der sich nicht für Mühe gegeben - er hofft noch immer , aber - es war vielleicht ein zu großer Wunsch , und kein Mensch scheidet von dieser Welt , der sagen kann , daß Alles in Erfüllung ging , was er wünschte . « Den Geheimrath befiel hier ein heftiges Hüsteln . Die Sprache versagte ihm und der kalte Schweiß stand auf seinem blassen Gesicht . Als Walter ihn nach seinem Stuhl führen wollte , stand die Geheimräthin plötzlich da - man konnte glauben , daß sie hinter einer Bücherwand Zeuge des Gesprächs gewesen . » Verzeihen Sie , Herr van Asten , man muß einen so langen Umgang mit einem theuren Kranken gehabt haben , um seine Wünsche zu verstehen . « Ihr Blick hatte ihn fortgewiesen , und er gehorchte . Fast machte er sich einen Vorwurf . Hatte ihm der Geheimrath nicht noch etwas sagen wollen ? Vielleicht war es das letzte Mal , daß er ihn sah . Aber er hatte schon die Weisung der Geheimräthin überschritten , die aus Vorsorge für den Kranken den Befehl gegeben , Niemand ohne ihr Vorwissen in das Zimmer zu lassen . Er zauderte im Vorzimmer . Der Kranke musste sich wieder erholt haben , er hörte ihn die vorhin angefangene Ode : Integer vitae , scelerisque purus recitiren . War es sein Sterbesang ? Die Geheimräthin schien betroffen , als sie zurückkehrend Walter noch fand . Der Blick , den sie ihm zuwarf , hatte etwas Befremdendes , es war ihm auffällig , daß sie ein Tuch vor dem Munde hielt , welches sie im Augenblick , wo sie ihn sah , fallen ließ . Er glaubte sich zu entsinnen , daß sie schon im Krankenzimmer es an die Lippen gehalten . Doch es war nur ein Moment gegenseitiger Befangenheit . Sie setzte sich auf ein Sopha , oder ließ sich fallen , und drückte das Tuch an das Gesicht . Ein Schluchzen hörte er nicht . Er sprach einige Worte der Theilnahme , daß die Gefahr wohl nicht so groß sein werde , als man annehme , daß die Natur des Geheimraths auch schwerere Krankheiten zu überwinden im Stande sei , daß er unter einer solchen Pflege genesen müsse . Den starren , höhnischen Blick , als sie das Tuch wieder sinken ließ , konnte er nie vergessen . » Meinen Sie , Herr Doktor ? - Er wird sterben . - Wenn auch nur darum , damit die Leute sagen können , ich hätte ihn schlecht gepflegt . « » Gnädige Frau , es ist nur eine Stimme , mit welcher Aufopferung Sie für das Schicksal Ihrer Angehörigen sorgen . « » Sind Sie wirklich noch so jung und harmlos , Herr van Asten ? - Sie haben doch auch schon Erfahrungen hinter sich , « setzte sie hinzu , » und sollten wissen , was auf diese Stimme zu bauen ist . Oder hörten Sie immer nur den lächelnden Anfang und und schlossen vergnügt Ihr Ohr , wenn die herzlich Theilnehmenden von ihrem Lobe sich erholten , zuerst in kühler Betrachtung , die sie unparteiische Wirkung nennen , dann in leisen Bemerkungen , daß bei dem vielen Guten doch auch Schattenseiten sind ; endlich wenn die liebreichen Seelen erkannt , daß sie unter sich sind , öffnen sich die Schleußen und die ätzende Bitterkeit schießt heraus , bis von dem Lobe nichts bleibt , als einen tödtende Wunde . « - » Das Thier im Menschen zu bekämpfen , sind wir auf dieser Erde . « - » Meinen Sie , Herr Doktor ! Ich meinte nur die Klauen und die Stachel unter einer glatten Haut zu verbergen . - Wer leben will , athmen , genießen , « rief sie mit einer heiseren Stimme , die nur aus einer zerrissenen Brust kommt , » dem rathe ich nicht , die Waffen fortzuwerfen , die ihm die Natur gab . « - » Sie gab uns auch andere - einen Schild , durch welchen die Stacheln nicht dringen . « - » Der Schild , den Sie meinen , heißt Resignation . Sind Sie in der That noch so unschuldig , Herr van Asten , oder , ich glaube doch nicht , daß Sie zu den koncilianten Gemüthern sich geschlagen haben , die jeden Riß mit einer weißen Salbe heilen möchten . Nein , ich weiß es , auch Sie stemmen den Kopf gegen eine Mauer . - Machen Sie sich doch nicht kleiner , als Sie sein wollen , vor - Denen , welche Sie von einer besseren Seite kennen gelernt ! « sprach sie plötzlich aufstehend . Sie war in einer Aufregung , die Walter an ihr neu war . Sie wollte das Zimmer verlassen , aber es war ein Dämon in ihr , der sie sprechen ließ , was sie nicht sprechen wollte . » Das Leben ist ein fortdauernder Krieg Aller gegen Alle . Einfaltspinsel oder Betrüger , die von der Humanität faseln . Die stillen , friedlichen Pflanzen haben kein ander Naturgesetz , als eine die andere niederzudrücken . Nur die entfernt stehen auf zwei Gipfeln , die den Saft der Erde , Thau und Licht des Himmels nicht zu theilen haben , mögen mit Liebe koquettiren . Das kann der Mensch nicht . Zwei , die auf zwei Gipfelhöhen stehen , beneiden sich auch in der Entfernung ; so fein hat die Natur es gefügt . - Unterbrechen Sie mich nicht , mein Herr , ich statuire gar keine Ausnahmen . Mann und Frau sind doch wenigstens eins , wollten Sie