Armand . Das Wiedersehen seiner Besitzungen , der Grabstätte seiner Mutter hat ihn erschüttert . Er kam schon krank nach Hause zurück . Wo ihn vielleicht noch , ergänzte Siegbert , die Nachricht von dem Eintreffen einer schönen Frau beunruhigte , der Gräfin d ' Azimont . Woher wissen Sie - fragte Armand erstaunt . Hab ' ich nicht Recht ? Er hat mit ihr in Paris gebrochen und dennoch reist sie ihm nach und wird seinen krankhaften Zustand nur noch gesteigert haben . Ich erfuhr soeben diese Verhältnisse . Allerdings ! So ist es ! Aber ich erstaune , wie Sie Dies erfahren konnten ? Lieber Freund , sagte Siegbert , das liegt in der Natur solcher Liaisons . Diese Verbindungen haben für manche Seelen , wenn sie verborgen bleiben sollen , nur den halben Reiz . Die Frauen sind es oft selbst , die ihrer natürlichen Scheu ungeachtet diese Verhältnisse mit Gewalt an das Tageslicht drängen . Wenn ich mich nur einigermaßen in dieser Dame orientire , so wird sie , wenn das Verhältniß nicht aus gegenseitigem Überdruß sich löste , ihren ehemaligen Freund jetzt so beunruhigen , daß Sie ihn vor ihr schützen müssen ... Ich erstaune , rief Armand , Sie sagen Alles , was ich selbst denke . Und deshalb muß ich eilen , zu meinem Kranken zurückzukehren . Ja ! ja ! Es thut Noth , daß ich ihn schütze , vor Allen ! Allen ! Dutzende von Menschen , die ihn bedienen wollen und nicht ein Herz , das ihn mit Entsagung liebt ! Armand erzählte hierauf in flüchtigen Umrissen Einiges von der äußeren Lage Egon ' s , wie wir sie schon kennen . Als er sein Erscheinen hier im Atelier dadurch entschuldigte , daß er von Siegberten hätte für ein längeres Verschwinden Abschied nehmen wollen , kam er auf Ackermann , durch dessen Anerbietung dem Prinzen eine so große Wohlthat geschähe und schloß mit einer Bemerkung , die Siegberten überraschte . Es ist mir ein so süßer und wohllautender Ton gewesen , sagte Armand , in den Fieberphantasieen meines kranken Egon so oft Ihren Namen zu vernehmen .. Meinen Namen ? fragte Siegbert . Wildungen ! Den Namen Ihres Bruders .. Dankmar ... Dankmar Wildungen .. Der Prinz kennt meinen Bruder ? So hat er ihn in Hohenberg kennen gelernt . Der Gedanke an Ihren Bruder beschäftigt ihn auf ' s lebhafteste . Gestern Abend war er zu ermüdet , mir Alles zu sagen , was er auf dem Herzen hatte ; das entsetzlichste Kopfweh peinigte ihn und in dem Ausbruch aller der Symptome , die auf seine schnell entstandene Krankheit deuteten , konnte von einer Verständigung nicht mehr die Rede sein . Nur einmal , heute vor einigen Stunden , als ich ihm die Anerbietungen jenes Herrn Ackermann vorzuschlagen wagte , trat ein lichter Moment ein , indem er deutlich den Namen Ihres Bruders als den bezeichnete , der ihm Ackermann schon genannt und empfohlen hätte , sonst erwähnt ' er ihn in seinen Phantasieen bald als einen Gefangenen , spricht von einem Kerker , von Eisenstäben , erwähnt ein Bild und ruft : Da ! Da ! Verbergt es ! Mit einem Worte , es foltern ihn die verwickeltsten Erlebnisse . Gern hört ' ich , daß Ihr Herr Bruder beruhigende Aufklärungen gäbe . Wie leicht wär ' es dann , irgend etwas so auszuführen , daß er in seinen schmerzenfreien lichten Augenblicken davon einen lindernden Trost hätte ! Siegbert versprach möglichst darin das Seinige zu thun . Louis Armand schied von ihm , nachdem er noch die Versicherung erhalten hatte , Siegbert würde in der Wallstraße Nr. 14 bei dem Tischler Märtens die Gründe angeben , warum er vielleicht auf lange Zeit von seiner Wohnung keinen Gebrauch machen könne . Aber Ihr Geschäft , Armand ? Märtens soll die Bestellungen annehmen . Ausführen kann ich jetzt nichts . Egon bedarf eines Freundes .. ich verlasse sein Bett nicht .. es ist mir , als müßte ein Cherub niederschweben , um ihn zu beschützen . Sie sind dieser Himmelsbote , Armand ! sagte Siegbert und klopfte dem jungen Handwerker auf die Schulter . Tragen Sie mir alle Ihre Wünsche auf ! Leidenfrost wollte Sie bei den Arbeitern einführen . Man sehnt sich nach Ihren Belehrungen .. O , o ! lehnte der junge Mann mit Bescheidenheit ab . Man ist gespannt auf Sie ! Überall , Armand , wo man Wahrheit und keine Vorspiegelung der Phantasie will . Aber Sie werden nicht zu lange fern bleiben ! Befehlen Sie über mich ! Haben Sie irgend noch einen Wunsch ? Louis Armand stand eine Weile träumerisch und hielt in den Schritten ein , die beide junge Männer während dieser Worte schon an die Thür des Ateliers gerichtet hatten . Endlich sagte er mit einem angenehmen Lächeln und mit halblauter Stimme : Bestellen Sie , ich bitte , ein freundliches Wort einem kleinen guten Mädchen , das bei Märtens , dem Tischler , wohnt . Sie heißt Franchette oder Franziska . Es ist eine bescheidene Blume , die zwischen Felsen auf hartem Stein wächst , eine jener unbeschützten Seelen , die nur durch den Thau des Himmels gedeihen . Vielleicht finden Sie einmal Muße , mir dies kleine Gedicht , das ich auf dies liebe Mädchen entwarf , in deutsche Verse zu übertragen . Ich fühle mich doch nicht stark genug in Ihrer Sprache , mich im Reim zu versuchen und Franziska würde meine französischen Verse selbst dann nicht verstehen , wenn ich sie ihr übersetzte . Siegbert nahm dem bewegten Armand ein Blättchen Papier ab , das er ihm fast zitternd überreichte . Ich will es versuchen , sagte Siegbert . Ein Scherz über diese Mittheilung , eine Neckerei über Armand ' s liebende Galanterie lag ihm ganz fern . Es war ihm etwas Heiliges , da so einfach und still in das Innere eines andern Menschen blicken zu dürfen ... Meine größte Sorge , sagte Armand , indem ihn