den Schabernack , den ihm der blinde Halunke angetan hat . « - Hierauf setzte er sich wieder , wo er gesessen hatte , als ob nichts vorgefallen wäre ; entschlossen , um keinen Preis etwas von dem geheimen Besuche des Patriotenkaspars im Oberhofe zu verlautbaren . Zweites Kapitel Wie der Sammler und der Hofschulze sich abermals entzweiten Der Hochzeitzug umging indessen die Snaat des Schwiegersohnes . Die Menschen schrien und jauchzten , von häufig genossenen geistigen Getränken erregt , dazwischen knallten die Gewehre , womit die jungen Burschen nach dem Tuche der Fahne zielten , und sooft ein Schuß traf , erhob sich ein noch lauterer Jubel , denn es ist ein Ehrenpunkt bei diesem Brauche , daß die Fahne ganz zerschossen in das Haus der jungen Eheleute gelangt , weil der Umstand für ein günstiges Vorzeichen gilt . Alles war heute wilder und stürmischer als gestern , denn die Bauern lieben es , die letzten Augenblicke einer Festesfreude besonders gierig auszukosten . Das Firmament spielte bei dieser heftigen und lärmenden Szene mit . Der Zug um das weitläuftige Gelände dauerte , da er nur im langsamen Schritt vorrückte , mehrere Stunden , und schon hatte sich der Haarrauch herbeigemacht , der bald alles in seine Nebel hüllte . Die Bauern waren über den alten Bekannten durchaus nicht verdrießlich , vielmehr steigerte der Schwaden , Qualm und Geruch ihre Lust . Wie nun so die Gestalten grau durch den Nebel zogen , das Jauchzen aus dem Schwaden hervorbrach und die Blitze von den Schüssen gelbrötlich in dem Qualme zuckten , bekam das Ganze etwas Schattenhaftes , und es war , als ob Götze Krodo mit seinem Koboldsgefolge emporgestiegen sei und unter Knall und Geprassel von seiner alten Domäne Besitz nehme . Auf diese Weise wurde der jungen Frau ihr Eigentum gezeigt . Die Fahne kam , kaum noch aus Fetzen bestehend , in das Haus des Schwiegersohnes und alles hatte sonach einen guten Anschein . Es war über dem Zuge zwei Uhr nachmittags geworden und die ganze Hochzeitgenossenschaft setzte sich nun im Hause der neuen Gatten abermals zu einem derben Schmause nieder , man kann denken , mit welcher Eßlust . Diesmal wurde das Essen durch keine vornehmen und sonstigen fremdartigen Einwirkungen gestört ; die Bauern waren rein unter sich und taten nichts als essen und trinken . Nach dem Schlusse des Mahles erfolgte die letzte Handlung in diesem Festdrama . Die junge Frau hatte nämlich jetzt noch die Gaben einzunehmen . Sie erhob sich mit feierlicher Miene von der Speisetafel , setzte sich an einen Tisch zur Seite , ließ Spinnrad und Haspel neben sich stellen , schlug zwei ihrer Röcke , deren sie mehrere trug , über den Schoß zurück und erwartete so , die Augen niedergeschlagen , die Spenden der Gäste . Diese standen einer nach dem anderen ebenso feierlich auf , gingen zu ihr , und legten ein jeder schweigend einige Groschen ihr unter die zurückgeschlagenen Röcke . Einige legten auch Naturalien auf den Tisch vor ihr ; ein Huhn , einen Kuchen , ein Mandel Eier oder sonst dergleichen . Nachdem jeder seine Gabe dargebracht hatte , ging die Beschenkte Reihe herum bei den Gästen und dankte einem jeden derselben mit den nämlichen Worten . Nun war sie erst wirkliche Hausfrau im Jürgenserbe ( so hieß der Hof des Schwiegersohnes ) geworden . Sie legte ihre Brautkrone ab und tanzte als Frau in dem Reigen mit , der nun zum Schlusse der Hochzeit im Baumgarten begann . Während des Tanzes sprach der Hofschulze leise und eifrig mit einigen Bauern . Es waren die Besitzer der reichsten Nachbarhöfe . Sie nickten und sagten : » Es bleibt dabei , wir kommen alle . « - Hierauf nahm er den Schwiegersohn beiseite und flüsterte ihm zu : » Vergiß nicht ... zu morgen ... die Losung ... « - » Ich werde es wahrhaftig nicht vergessen , denn ich trage das größte Begehren danach ; der Haarrauch kommt wie gerufen , so bleibt alles in der Heimlichkeit « , versetzte der Schwiegersohn . Der alte Schmitz hatte ungeduldig in der Nähe gewartet . Sobald der Hofschulze von seinem Eidam zurücktrat , ging der Sammler auf ihn zu und sagte ihm mit einer zugleich mürrischen und verlegenen Miene , daß es nun wohl endlich an der Zeit sei , ihr Geschäft abzumachen . » Allerdings kann nun das Geschäft vor sich gehen , denn der Tanz ist nur noch ein Pläsier für die jungen Leute « , erwiderte der Hofschulze . » Was ist es denn , Herr Schmitz ? « » Nicht hier « , versetzte der Sammler . » Zwar möchte ich gern von hier abgehen , denn ich muß doch wieder durch , wenn ich nach der Stadt will und deshalb hätte ich gewünscht , heute morgen auf dem Oberhofe die Sache richtig zu machen . - Dort aber muß sie vorgenommen werden , weil ich das Meinige gleich mit mir nehmen will . « - Er sagte die letzten Worten mit sichtlicher Überwindung . » Auch dieses « , antwortete der Hofschulze . - Die beiden alten Leute gingen nebeneinander nach dem Oberhofe . Der Sammler sprach fast gar nicht und der Hofschulze nur weniges . - Dazu gehörte , daß er sagte , er sei von Herzen froh , daß das Pläsier seine Endschaft erreicht habe , denn nach den ersten Konfusionen und Tumulten , die sich zugetragen , habe ihm immer ein Druck am Herzen gesessen , als müsse ein großes Malheur bevorstehen . » Es ist bekannt , daß Ihr an Ahnungen glaubt , Hofschulze « , sagte der alte Schmitz . » Von Ahnungen weiß ich nichts Sonderliches « , erwiderte der Hofschulze kalt . - » Aber Vorgeschichten gibt es « , fuhr er sehr ernsthaft fort . - » So habe ich damals Anno zwölf die ganze russische Armee über den Hellweg ziehen sehen , als ich auswärts gewesen war und nach Hause ging . « »