die unter Napoleon mit ihm in Spanien gedient hatten . Zu ihnen gesellten sich mehrere Spanier , die damals die Partei der Franzosen ergriffen und dem König Joseph gedient hatten , und die nun nach der Rückkehr des Königs Ferdinand sich den Verfolgungen im Vaterlande entziehen und unter Frankreichs Himmel Schutz für ihr Leben suchen mußten . Die gegenseitige Wiedererkennung war von manchem Ausrufe der Ueberraschung und der Freude begleitet . Erinnerungen an mit einander bestandene Gefahren und kleine Abentheuer , wie ein solcher Krieg sie bietet , folgten diesen , und einige Spanier erinnerten ihn daran , daß sie ihn im Hause der Wittwe Don Fernandos kennen gelernt hätten , und in dem so fortgeführten Gespräch erfuhr Evremont , daß diese schöne Wittwe sich mit einer Verwandten gegenwärtig in Paris befinde und daß ihr Haus wieder , wie früher in Madrid , der Versammlungspunkt einer glänzenden Gesellschaft sei . Er ließ sich ihre Wohnung sagen und entfernte sich , so bald es sich thun ließ , aus diesem lauten Kreise , weil er bemerkte , daß er seinerseits ein Gegenstand der Aufmerksamkeit der beobachtenden Mitglieder geworden war . Ein gemischtes Gefühl von Theilnahme und Neugierde trieb ihn an , noch denselben Morgen einen Besuch bei Don Fernandos Wittwe zu machen . Er hörte , als er gemeldet wurde , einen Ausruf der Freude , und als er eintrat , kam ihm die schöne Wittwe mit allen Zeichen freudiger Ueberraschung entgegen und begrüßte ihn herzlich als einen Verwandten , worauf sie ihn ihrer Freundin vorstellte , die ebenfalls Wittwe geworden war und noch die Trauer für ihren verstorbenen Gatten trug , und als Evremont auch diese begrüßt hatte und sich nun im Saale umsah , bemerkte er den General Clairmont , der ihm herzlich die Hand drückte , und ihm zum Genusse der Freiheit und wiedergewonnenen Lebensfreude Glück wünschte . Doch was führt Sie hieher ? fragte der General im Laufe des Gesprächs . Ich dächte , Paris könnte Ihnen jetzt nichts bieten , was Sie aus den Armen Ihrer Freunde , worunter wunderschöne Arme sind , über den Rhein zu uns hinüber locken könnte . Evremont theilte ihm die Ursache seines Hierseins mit , und der General sagte : Sie haben Recht sich völlig zurückzuziehen , auch ich habe es gethan . Als unser Stern noch ein Mal aufleuchtete , hoffte ich , er würde von Neuem seine kühne Bahn durchlaufen , und schloß mich ihm mit vielen tausend braven Herzen an ; seit er aber bei Waterloo sich neigte und alsdann auf St. Helena sank , halt ich ihn für völlig untergegangen , und wenn selbst durch ein Wunder Napoleon noch ein Mal erschiene , würde ich mein Schicksal nicht mehr an das seinige schließen . Seine ersten Erfolge waren so glänzend , daß er die Mitwelt in Erstaunen versetzte und sie blendete , seine zweiten gränzten an ' s Wunderbare und rissen alle Herzen mit ihm fort , günstige Erfolge eines dritten Erscheinens aber halte ich für unmöglich , und da ich gewiß weiß , daß ich ihm nicht mehr dienen kann , so will ich auch meine Ruhe nie wieder aufgeben , ob ich gleich nicht so philosophisch durch den langen Aufenthalt bei Ihrem Vater , meinem alten Freunde Hohenthal , geworden bin , wie ich glaubte , denn ich habe die Einförmigkeit des Landlebens nicht lange ertragen können , und ich denke , ich werde meine beiden Knaben in Paris noch besser als in der Einsamkeit erziehen können . Da Evremont durch den Grafen das Ende des alten Bertrand und seiner Gattin kannte , für die er lebhafte Theilnahme behalten hatte , weil er sich dankbar erinnerte , wie sehr sie sich bemüht hatten , selbst an Allem Mangel leidend ihm die Beschwerden des Rückzuges zu erleichtern , so äußerte er gegen den General seine Freude darüber , daß der verwaiste Knabe in ihm einen großmüthigen Beschützer gefunden hätte . Lassen wir die Großmuth beiseit , sagte der General . Sie wissen , was mir der alte Bertrand war , aber Sie wissen nicht , daß ich seine Frau früher unter andern Verhältnissen kannte . Doch , sagte Evremont lächelnd , ich erinnere mich der schönen Dame recht wohl , die damals in Ihrer Begleitung war , als Sie siegreich in Schloß Hohenthal einzogen , wo ich in der Zeit ein demüthiger Gefangener war , und ich habe nicht ohne Erstaunen erst später erfahren , daß dieselbe Marketenderin - - Lassen wir dieß alles , sagte der General , ihn ernsthaft unterbrechend ; mir thun alle diese Erinnerungen nicht wohl . Genug , Sie sehen , daß es mir aus vielen Gründen wohlthut , Bertrands Knaben mit dem meinigen zu erziehen , und Sie können beide hier sehen , wenn Sie wollen . Die Verwandte unserer Freundin hat zwei Kinder , und da die Wittwe Don Fernandos oder die Baronin Schlebach Kinder sehr liebt , ohne selbst Mutter zu sein , so werden meine beiden Knaben oft hieher geführt als Spielgesellen der andern , und sie sind jetzt eben hier . Auf Evremonts Aeußerung , daß es ihm Freude machen würde , die Kinder zu sehen , die der General der Baronin , wie sie hier genannt wurde , mittheilte , erschienen die beiden Knaben , und Evremont wurde überrascht durch die kühnen Augen Bertrands , mit denen dessen Sohn ihn anblitzte , und durch die große Aehnlichkeit des übrigen Gesichts mit dem Sohne des alten Lorenz . Ist es nicht ein sonderbares Spiel der Natur , sagte die Baronin , sich an Evremont wendend und den Knaben unter Liebkosungen in ihre Arme schließend , wie sehr dieß Kind Don Fernando ähnlich sieht ? Evremont hätte ihr die Aehnlichkeit leicht erklären können , doch schwieg er darüber , und lobte nur die Schönheit und den klugen Blick des Knaben , und verrieth auch später dem General nicht , in welchem Zusammenhange dieß Kind mit dem Gemahle der Dame stehe , die sich für Evremonts Verwandte