« versetzte Diether aufstehend , und des Sohnes Hand schüttelnd : » Laß uns reden , wie es Männern geziemt , ohne viele Worte , die nur weich machen , wo das Herz wieder stark werden soll . Wir wollen wieder Eins seyn , Freunde , gute Freunde , nicht wahr mein Sohn ? « - » Wahrlich , Vater ! « versicherte Dagobert aufrichtig . - » Wir wollen vergessen und hinter uns werfen , was unser Gefühl beleidigt hat , und zerrissen unsre Herzen ! « - » Das wollen wir , Vater ! - Wir wollen nicht zögern , der Welt zu zeigen , daß wir uns wieder vereinigten , und ablassen von jedem Groll , den wir hegen könnten , gegen Feinde und falsche wohldienerische Freunde ! « - » In Gottesnamen , Vater . « - » Nun denn , « setzte Diether hinzu : » So komm mit mir , mein Erstgeborner , mein Wiedergeborner , damit der Gang in unser Haus mir lieblicher werde , als der saure Gang hierher , wo ich den Sohn unter Fremden suchen mußte . « - » So Ihr mir erlaubt , alsdann auf einen Ritt zu gehen , den ich nicht verschieben kann ? « - » Gerne , mein Sohn , Zwang soll Dich nicht drücken . Nur einen Augenblick ruhe wieder aus in meinem Hause , damit der Geist der Zwietracht völlig daraus entweiche . « - Sie gingen , Arm in Arm , durch die Gassen , wo alle Fenster aufgingen , und alle Hausthüren , an welchen sie vorüberkamen . Der Zwist zwischen Vater und Sohn war zum Geschwätze der Stadt geworden ; ihre Versöhnung wurde es nicht minder . Die wahren Freunde winkten ihnen lächelnd zu , die falchen zogen sich beschämt auf die Seite , und der Schultheiß warf klingend die Fensterflügel zu , an welchen er zufälligerweise ein Zeuge dieses rührenden Schauspiels gewesen war . Bei dem Eintritte in das väterliche Haus sah Dagobert den Mann ihm entgegentreten , in welchem er alsobald - nächst Gott - die Wurzel dieser ersöhnten Vereinigung erkannte : den Predigermönch Johannes , seinen würdigen Lehrer . » O , wie lieb ist mir ' s , « rief Dagobert : » daß dieses weiße Friedenskleid mir entgegen kommt , und nicht die schwarze Kutte meines Ohms . Gott segnet meinen Eingang hier durch Euern Empfang , hochwürdiger Herr ! « - » Der Mensch ist nur ein schwaches Gefäß , so lang ihn seine Begierde regiert ; « erwiederte Johannes : » aber herrlich und stark , wenn der Herr ihn besucht , in seiner Gnade . Seht hier einen solchen Herrlichen und Starken « - fügte er bei , indem er auf Diether deutete , der mit seligem Lächeln daneben stand , und die Hand auf Dagoberts Schultern hielt , als ob er befürchte , den Wiedergefundenen auf ' s Neue zu verlieren . - » O mein Lehrer und Freund ! « fragte Diethers Sohn : » Noch Gestern so unglücklich , - Heute so glücklich in den Armen des Vaters ! womit vergelte ich diese unerwartete Gnade ? « - » Mit Versöhnung ; « entgegnete Johannes , nach der Thüre zeigend , durch welche sich langsam und feierlich der Prälat von Cesena herein bewegte . Das Gespreizte und Gezwungene seiner Haltung , die heuchelnde Freundlichkeit , die auf seinen Lippen und Wangen saß , während der finstere Zug auf der Stirne ein still brütendes Mißvergnügen verrieth , hätte den scharfblickenden Neffen sicher wieder von der geforderten Versöhnung zurückgeschreckt , wenn nicht der Mönch seine Linke , der Vater seine Rechte ergriffen hätte , um ihn zu dem Eintretenden zu geleiten . - Die Annäherung indessen , welche , selbst der Liebe entbehrend , durch den Einfluß geliebter Freunde dennoch nur zögernd zu Stande gekommen wäre , machte sich leichter durch die salbungsvolle Anrede des Prälaten , welcher aus vollem Munde seinen Reffen ein Pax cum tibi , mi fili ! entgegenrief . Der Verstoß gegen die römische Sprache , der darinnen lag , half glücklich über das letzte Hinderniß weg , denn Dagobert erinnerte sich , in sich lachend , der Zeit , in welcher er den Ohm über manchen ähnlichen Schnitzer aufgeklärt hatte , und in diesem Angedenken an lustige Tage , gab er denn seine Hand in die feiste des Prälaten , und sagte ; » Gleichfalls , lieber Ohm und würdigster Herr ! Willkommen auf deutschem Grund und Boden . Es wird Euch schwer gefallen seyn , wieder zur Heimath zu kehren , aber besser spät , denn niemals . Gott lasse Euch noch lange deutsche Luft genießen , und uns Freunde seyn . Vergebt mir , was ich vielleicht gegen Euch gesündigt , und ich will Euch herzlich gern jenen Gang zum Cardinal vergeben . « - Verstummend sah der Prälat verlegen auf den Saum seines Gewandes ; aber Johannes erbarmte sich seiner Verlegenheit , und brachte ihn auf einen Text , der angenehmer war , - auf den Unterschied der deutschen und wälschen Lebensweise . Monsignore gerieth in verwickelte Abhandlungen , und Dagobert , nachdem er , guter alter Sitte gemäß , vor dem Altar des Hauses ein kurzes Gebet verrichtet hatte , machte Anstalt , wieder zu scheiden . - » In Kurzem bin ich wieder zurück , « sagte er zu Diether , der ihn schwer wieder von der Seite ließ : » und mir glückt ' s vielleicht , etwas zu gewinnen , das Euch lieb und genehm ist , mein Vater ! « - » Was kann mir lieber seyn , als Deine Nähe , und die des kleinen Hans ? « fragte Diether schmerzlich , sich umschauend : » So weit ich sehe durch das geräumige Haus , so fehlt doch immer die darinnen , welche fleißig hier waltete , ... eine ehrsame Hausfrau , bis mich der Satan beschlich . Nicht minder fehlt die Tochter .... ach ,