großen Teil seiner Zeit mit den Damen seiner Familie ? « » Ja . Das rückwärtsgelegene Wohnzimmer war sowohl sein Studirzimmer wie das unsere . Er saß am Fenster , und wir am Tische . « » Studierte er viel ? « » Sehr viel . « » Was ? « » Hindostanisch . « » Und was thatest du inzwischen ? « » Anfangs lernte ich Deutsch . « » Lehrte er es dich ? « » Er war des Deutschen nicht mächtig . « » Lehrte er dich gar nichts ? « » Ein wenig Hindostanisch . « » Rivers lehrte dich Hindostanisch ? « » Ja , Sir . « » Und seine Schwestern ebenfalls ? « » Nein . « » Nur dich ? « » Nur mich . « » Batest du ihn , es dich zu lehren ? « » Nein . « » So wünschte er , dich zu unterrichten ? » Ja . « Zweite Pause . » Weshalb wünschte er es ? Welchen Nutzen sollte dir Hindostansch bringen ? « » Er wollte , daß ich mit ihm hinaus nach Indien gehe . « » Ah ! jetzt komme ich endlich an die Wurzel des Ganzen . Er wollte , daß du seine Frau werdest ? « » Er bat mich , ihn zu heiraten . « » Das ist eine Lüge – eine freche Erfindung , um mich zu ärgern . « » Ich bitte um Verzeihung , es ist wörtlich die Wahrheit ; er hat mir mehr als einen Heiratsantrag gemacht , und beharrte ebenso hartnäckig bei seinem Willen , wie Sie es gethan haben würden . « » Miß Eyre , ich wiederhole es noch einmal , Sie können mich verlassen . Wie oft soll ich denn noch eine und dieselbe Sache wiederholen ? Weshalb bleiben Sie so eigensinnig auf meinem Schoße sitzen , wenn ich Ihnen sage , daß Sie gehen sollen ? « » Weil ich mich hier sehr wohl fühle . « » Nein , Jane , du fühlst dich hier nicht wohl , denn dein Herz weilt nicht bei mir ; es weilt bei deinem Vetter , St. John Rivers ! O , bis zu diesem Augenblick glaubte ich , daß meine kleine Jane nur mir allein gehöre ! Selbst nachdem sie von mir geflohen , glaubte ich noch , daß sie mich liebe , – das war das einzige Atom von Süßigkeit in meinem bitteren Leidenskelch . Wie lange wir auch getrennt gewesen – wieviel heiße Thränen ich auch über unsere Trennung geweint – niemals glaubte ich doch , daß sie einen anderen liebe , während ich sie so innig betrauerte ! Aber was nützt mein Jammer ! Jane , verlaß mich ! Geh hin und vermähle dich mit Rivers . « » Dann stoßen Sie mich fort , Sir – stoßen Sie mich fort ! Aus eigenem Antriebe verlasse ich Sie nicht . « » O , Jane , wie liebe ich den Laut deiner Stimme noch ! Er erweckt immer wieder Hoffnung in mir , er klingt so ehrlich und treu . Wenn ich ihn höre , trägt er mich ein ganzes Jahr in die Vergangenheit zurück . Ich vergesse , daß du neue Bande geknüpft hast ! – Aber ich bin kein Thor – geh – « » Wohin soll ich gehen , Sir ? « » Geh deinen eigenen Weg mit dem Gatten , den du dir erwählt hast . « » Und wer ist das ? « » Du weißt es , – St. John Rivers . « » Er ist mein Gatte nicht und wird es niemals werden . Er liebt mich nicht – ich liebe ihn nicht . Er liebt ( so wie er lieben kann , und das ist nicht , wie Sie lieben können ) ein schönes , junges Mädchen , Rosamond Olliver . Mich wollte er nur heiraten , weil er glaubte , daß ich mich sehr zur Gattin eines Missionärs eignen würde – und das erwartete er von ihr nicht . Er ist gut und groß , aber strenge , und mir gegenüber kalt wie ein Eisberg . Er ist nicht wie Sie , Sir ; ich bin nicht glücklich an seiner Seite , noch in seiner Nähe , noch in seiner Gesellschaft . Er hat keine Nachsicht mit mir – keine Zärtlichkeit für mich . Er sieht nichts Anziehendes in mir , nicht einmal meine Jugend – nur einige nützliche , geistige Eigenschaften . – Und nun soll ich Sie verlassen , Sir , um zu ihm zu gehen ? « Unwillkürlich überlief mich ein Schauer , und ich klammerte mich instinktiv fester an meinen geliebten , blinden Gebieter . Er lächelte milde . » Was , Jane ! Ist dies wahr ? Stehen die Dinge wirklich so zwischen dir und St. John Rivers ? « » Ganz so , Sir , O , Sie haben keine Ursache , eifersüchtig zu sein ! Ich wollte Sie nur ein wenig wecken , um Sie Ihrer Traurigkeit zu entreißen . Ich glaubte , Ärger sei besser für Sie als Kummer . Wenn Sie aber wollen , daß ich Sie liebe ! ! Ach ! könnten Sie nur sehen , wieviel grenzenlose Liebe zu Ihnen auf dem Grunde meines Herzens ruht , so würden Sie stolz und zufrieden zugleich sein . Mein ganzes Herz , meine ganze Seele gehören Ihnen , Sir . Und bei Ihnen würden sie bleiben , wenn das Schicksal so grausam wäre , mein übriges Ich für immer aus Ihrer Nähe zu verbannen ! « Er küßte mich . Aber wiederum zogen trübe Wolken über seine Stirn . » Mein verlorenes Augenlicht ! Meine gelähmte Kraft ! « murmelte er traurig vor sich hin . Ich liebkoste ihn , um ihn zu beruhigen . Ich wußte , an was er dachte ; gern hätte ich für ihn gesprochen , aber ich hatte nicht den Mut dazu . Als er den