Torgewölbe gesammelt hatte , gab Bamme Befehl , daß Compagnie Hohen-Vietz , und zwar unter Befehl Kniehases , als zunächst verfügbare Reserve bei der von ihr erstürmten Torwache verbleiben , Vitzewitz selbst aber ( dessen Rats er nicht entbehren mochte ) ihn auf dem weiteren Vormarsch in die Stadt hinein begleiten solle . Ebenso Hanne Bogun mit dem Shetländer . Kaum daß diese Befehle gegeben waren , als sich auch schon die lange Kolonne nach vornhin in Bewegung setzte : Compagnie Hohen-Ziesar vorauf , dann Lietzen-Dolgelin , dann Rutze mit seinen Pikenieren . Als der letzte Mann vorüber war , warf Bamme seine Fuchsstute herum , gab ihr die Sporen und setzte sich en ligne mit Drosselstein , der mittlerweile schon das Gassengewirr der Innenstadt erreicht hatte . » Links schwenkt ! « Die Führer wiederholten das Kommando , und ohne daß irgendeine Stockung oder Unordnung stattgefunden hätte , defilierten alle drei Compagnien auf den öden Kirchplatz , an dessen einer Ecke das Turganysche Haus gelegen war . Diesseits war noch alles in Halbdunkel ; kaum aber daß unsere Landsturmmänner , an beiden Seiten der Kirche vorbei , den abwärtsgelegenen Teil des Platzes erreicht hatten , als sich ihren Blicken ein völlig verändertes Bild entgegenstellte . Vor dem Gasthofe mit den verschnittenen Linden standen zahlreiche Bürgerwehren , in allen Etagen schimmerte Licht , und ehe Bamme noch Zeit zu Überblick und Orientierung gefunden hatte , meldete Othegraven , daß General Girard und sein Stab gefangengenommen und auf Ehrenwort in ihren Zimmern belassen worden seien . Nur eine schwache Abteilung unter Major Rudelius habe die Bewachung des Hauses und der Gefangenen übernommen . Bamme nickte , lobte das Verhalten der Bürger und führte dann seine Compagnien in die breite , aber kurze Straße hinein , die , wie schon bei früherer Gelegenheit hervorgehoben , vom Kirchplatze her auf den Flußquai mündete . Und jetzt war dieser Quai erreicht , und ein Ausruf allgemeinen Erstaunens wurde laut . An der anderen Seite des Flusses standen der Holzhof und das Bohlenlager in Flammen , während nach rechts hin die Brücke brannte . Das Feuer drüben stieg hoch und hell in den Nachthimmel hinein , über der Brücke aber , die , des nassen Holzes halber , mehr schwelte als brannte , lagen Rauch und Qualm in dichten Wolken , aus denen nur dann und wann eine dunkele Glut auflohte . Der alte General kommandierte : » Halt ! « und ließ seinen rechten Flügel , die Drosselsteinschen , unmittelbar am Brückenaufgange Stellung nehmen . Hier hielt er auch in Person . Als er aber wahrnahm , daß er von dieser Position aus nicht Umblick genug habe , ritt er auf die Brücke selbst hinauf und postierte sich in Nähe des Feuers , das ihm zugleich eine Art Deckung gewährte . Und nun übersah er die langen Linien von Freund und Feind . Nach links hin die Seinen ; ein Bild , das ein altes Soldatenherz wohl erfreuen konnte . Erst die berittenen Mannschaften von Hohen-Ziesar , dann die Komtureifahne von Lietzen-Dolgelin ( achtspitziges Kreuz im roten Feld ) , dann Rutze mit niedergesenktem Sponton und hinter diesem die schmucken Uniformen der Frankfurter Bürgerschützen , grün und goldbordiert - alles sichtbar im hellen Feuerschein des brennenden Holzhofes . In Front der langen Aufstellung aber Drosselstein und Vitzewitz , als Unterbefehlshaber an beiden Flügeln . Und ebenso klar sah er drüben den Feind . In Trupps von zehn und zwanzig Mann standen die Voltigeurs am Ufer hin , ersichtlich ohne Führung . Aber diese sollte nicht lange mehr auf sich warten lassen ; Offiziere zu Pferde jagten am Quai hin auf und ab , aus dem Gassengewirr der Dammvorstadt lärmten Trommeln und Hörner , und ehe zehn Minuten um waren , erschienen geschlossene Grenadiercompagnien , an ihren hohen Bärenmützen deutlich erkennbar , und nahmen Stellung zwischen der Brücke und dem brennenden Holzhof , während die Voltigeurs allmählich die Böschung hinabzusteigen und einen Weg über das Eis hin zu gewinnen suchten . Mit vielem Geschick avancierten sie , je nach den Signalen sich sammelnd oder wieder trennend , und stutzten erst , als sie mitten auf dem Fluß der breiten Rinne gewahr wurden , die die Kietzer Fischer in das Eis gehauen hatten . An Überspringen war nicht zu denken , dazu war die Rinne zu breit ; so mußten sie wieder zurück , um entweder Bretter herbeizuschaffen oder weiter flußabwärts , wo das Aufeisen mutmaßlich ein Ende hatte , den Übergang zu versuchen . Bamme sah diese Rückwärtsbewegung und freute sich ihrer . Aber soviel sie für den Augenblick bedeutete , so bedeutungslos war sie , wenn die Hilfe ausblieb , auf die diesseitig gerechnet war . Waren die Russen in die Dammvorstadt eingedrungen ? Hatten sich die Barnimschen Bataillone der beiden andern Stadttore bemächtigt ? Bammes scharfes Ohr horchte nach rechts und links , aber kein Ton wurde laut , der ihm diese Frage bejaht hätte . Immer gewisser wurd es ihm , daß er , wenn Tschernitscheff ausblieb , in diesem ungleichen Kampfe unterliegen müsse . Das Bild , das sich ihm mittlerweile darstellte , konnte dieser trüben Erwartung nur als Bestätigung dienen . Die bis an die Rinne vorgedrungenen Voltigeurs waren kaum wieder am Ufer zurück , als sie mit der dem französischen Soldaten eigenen Raschheit sich in ihrer Lage zurechtzufinden und allerlei Hilfen auszukundschaften wußten . Ohne Kommandos abzuwarten , griffen sie nach dem , was der Moment erheischte , und während einige zupackten , um ein paar der am Ufer liegenden Flachboote die Böschung hinab und auf das Eis zu schieben , hatten sich andere der an den Pappelweiden hin aufgestellten Bootshaken bemächtigt , mit denen sie nun auf den brennenden Holzhof zuliefen und oben in die Bohlen- und Bretterlager einhakten , um diese niederzureißen . Es glückte . Viele dieser Bretter waren erst angeglimmt , und sie rasch durch den Schnee ziehend , bis die Flämmchen erloschen waren , schleppten sie sie jetzt über das Eis hin bis wieder