diesen erfreulichen Zuwachs der segensreichen Kunst eines Perrüquiers verdanke , wurde bei einem zweiten Blick zur Gewißheit . Und auch sonst entbehrte ihr Gesicht einer künstlichen Nachhülfe nicht . Die bereits stark eingefallenen Wangen waren von einem Roth überhaucht , das zu zart war , um ganz natürlich zu sein , und die dünnen , blassen Lippen spielten jetzt über einem paar Zahnreihen von tadelloser Weiße . Die Geborene hatte sich mit einem Worte um das Doppelte der Jahre , die ich sie nicht gesehen , verjüngt , nur der Ausdruck ihrer schmalen , stechenden Augen war , da er nicht schlimmer werden konnte , derselbe geblieben , und das breite , rothe Band ihrer Haube , welches sie , vermuthlich um die eingefallenen Wangen zu verbergen , unmittelbar unter dem Kinn in einer kühnen Schleife zusammenzuknüpfen pflegte , nickte noch in der alten , häßlichen Weise bei jedem Worte , das sie sagte , hin und her . Man hatte wieder um den Theetisch Platz genommen . Der Commerzienrath führte die Unterhaltung , bei der es weniger auf die Ergötzung seines Schwagers , als auf sein eigenes Amüsement und nebenbei auf meine Belehrung abgesehen schien . So lernte ich gleich innerhalb der ersten fünf Minuten , daß der junge Fürst von Prora noch immer auf Rossow residire und daß Arthur ihm in seiner Verbannung Gesellschaft leiste . » Denn es ist eine Verbannung , « schrie der Commerzienrath seinen Schwager an , » Sie mögen sagen , was Sie wollen ; ich weiß es vom Justizrath Heckepfennig , den der alte Fürst als seinen Justiziarius zu dem Familienrath zuziehen mußte , in welchem ein Langes und Breites darüber verhandelt ist , ob er den Herrn Sohn für einen Verschwender erklären lassen solle oder nicht . Der alte Herr hat sich zuletzt bestimmen lassen , dem Herrn Sohn noch eine Frist von einem halben Jahr zu gewähren , die er auf dem Lande zubringen soll , während man unterdessen mit seinen Gläubigern abrechnen wird . Auch eine schöne Situation für einen Fürsten , nicht ? « » Gekrönte Häupter sind selten glücklich ; « sagte mit einem tiefem Seufzer Fräulein Duff , welche sich eben mit einer Handarbeit zu uns gesetzt hatte . » Ich dachte , die Fürsten hatten nur Hüte , « sagte der Commerzienrath mit einem höhnischen Grinsen ; » indessen ich armer Plebejer bin in solchen Dingen incompetent ; Sie müssen das besser wissen , Herr Schwager ! « » Ohne Frage ; « erwiederte der Angeredete zerstreut . » Sie denken gewiß an ihren liebenswürdigen Sohn , Herr Schwager , « fuhr der Commerzienrath fort , » und ob es wohl eine passendere Gesellschaft für einen Menschen seinesgleichen giebt , als einen jungen Fürsten , der auf dem besten Wege ist , sich zu ruiniren . Ich finde es sehr begreiflich , daß Sie bei dem Gedanken ein Gesicht machen , wie ein Lohgerber , dem die Felle weggeschwommen sind . « » Verzeihen Sie , Herr Schwager , aber ich dachte in diesem Augenblick nicht an Arthur , « erwiederte der Steuerrath ; » vielmehr daran , ob die Unterhandlungen über den Verkauf von Zehrendorf , die Sie mit Seiner Durchlaucht neuerdings wieder angeknüpft haben , und die nebenbei zu beweisen scheinen , daß Sie Seiner Durchlaucht doch mehr Einsicht und Geschäftskenntniß zutrauen müssen , von Erfolg sein werden . « » Was hat denn das mit seiner Weisheit oder Narrheit zu thun , « rief der Commerzienrath , » oder ja doch ! denn ein je größerer Narr er ist , desto theurer werde ich es an ihn verkaufen können . Uebrigens weiß ich gar nicht , ob ich die Erlaubniß dazu von meiner Tochter erhalten werde . Sie will ja durchaus nicht , daß es in andere Hände kommt . Freilich , sie hat adeliges Blut in ihren Adern ! Nicht wahr , Frau Schwägerin ? Und da muß sie die Sache natürlich anders ansehen , als ich armer Roturier . Ich hätte es schon längst verkaufen können ; unter Andern an Herrn von Granow , der mir ein sehr schönes Gebot gemacht hat , und als einer unserer nächsten Nachbarn es auch am besten brauchen kann . Indessen Hermine behauptet , Frau von Granow sei eine zu gewöhnliche Person - vermuthlich , weil sie keine Geborene ist , wie Sie , verehrteste Frau Schwägerin , denn die Geborenen können nicht gewöhnlich sein , Frau Schwägerin ? - aber was ich sagen wollte , Hermine behauptet , ich dürfe ihr nicht eine solche Nachfolgerin geben . Ja , du lieber Gott ! sie wird Niemanden finden , den sie für würdig hält , höchstens Herrn von Trantow . « » Wie geht es dem ? « rief ich . » Nun , sehr gut , « erwiederte der Commerzienrath ; » er ißt und trinkt und schläft , weshalb sollte es ihm also nicht gut gehen ? Ja , das ist ein großer Liebling von meiner Hermine ; ich glaube , sie wäre im Stande , ihn zu heirathen , wenn sie ihn nur einmal nüchtern sehen könnte . « Fräulein Duff mußte über so entsetzliche Worte die Hände zusammenschlagen , und einen Blick auf mich richten , in welchem ich , wenn ich scharfsichtig gewesen wäre , unzweifelhaft irgend eine ewige Wahrheit gelesen haben würde , während der Steuerrath und seine Gattin ein paar blitzschnelle , verständnißvolle Blicke unter einander wechselten . Ich bemerkte ein leises , ermuthigendes Winken in den Wimpern des Steuerraths , auf welches ein leichter Hustenanfall der Geborenen und dann die Bemerkung folgte : » es giebt ein altes Sprüchwort , lieber Herr Schwager , an welches ich immer erinnert werde , sobald ich scherzhafte Aeußerungen der Art vernehme , wie wir soeben aus Ihrem Munde gehört haben . « » Sie meinen , man soll den Teufel nicht an die Wand malen , « schrie der Commerzienrath , » aber beruhigen Sie sich ! Wenn der