, von denen aus den jungen Zeiten des Fräuleins die Sage berichtete ... Bruder Hubertus , fuhr der Kirchenfürst fort , ist mir wohl bekannt ! Doch muß man die Ruhmsucht tadeln , die mir in seiner Kunst , sich tagelang der Speise zu enthalten , zu liegen scheint ... Der Mönch kannte das Leben seines Zähmers und Bändigers ... Ohne Zweifel antwortete er dem Tadler mit dem Nachhall eines seiner alten Lieder : Frage im Walde die Raben , Wenn Sturm durch die Tannen weht , Wer unter ihnen begraben , Da , wo das Kreuzlein steht ! ... Doch auch Bonaventura fühlte sich wie in einen Wald versetzt , wo Hörnerklang zu einem erlegten Hirsche rief ... Wild sprengen die Herren und Damen zu Roß heran ; der erste der Jäger tritt auf das verendende Thier , weidet es aus und die schnobernden Hunde , die ihren rauchenden Antheil begehren und gierig zufahren wollen , müssen zurück und - entbehren ... So nur konnte ein Jäger das menschliche Abtödten gelernt und gelehrt haben ... Wie mehrte sich sein Bangen , das schöne Bild zu verlieren - von seinen Augustinerchorherren im Schnee des St.-Bernhard ! Der Mönch las : » Die Besserung des Novizen gelang durch Hubertus vollständig . Selbst die Art , wie sich die Malaien von den Zerstörungen des Opiumrauchens heilen , verfehlte ihre Wirkung nicht . Freilich mußten wir gestatten , daß in einer Klosterzelle ein Noviz auf dem Lager lag und statt des Mohnsamens den Samen erst des Hanfes , dann aus langem Rohr entzündetes Naphtha , zuletzt nur das glühende Bernstein rauchte . Die starke Natur , schmeichelnd zurückgelockt , blieb Siegerin . Die unreinen Geister wichen , die Phantasie verlor ihre Bilder , sie wurden reiner und blieben ganz aus . Hubertus übergab uns einen Geretteten . Aber noch galt es , ihn sanft und linde einzuführen in die Erfüllung seiner Absicht , für immer der Welt zu entsagen . Aufrichtig war diese Absicht . Er liebte die Religion . Er fand seinen Trost und seine Erhebung in ausschließlicher Contemplation . Da ihm keine Wissenschaft unbekannt geblieben , so wußte er bei Tisch stets etwas vorzubringen , was uns fesselte . Doch verblendete uns ein zuweilen noch aufschimmernder falscher Glanz seines Geistes keineswegs . Wir verharrten in einem strengen und ernsten Erziehungsplan . Nichts wurde unterlassen , was seinen Willen , die Gelübde abzulegen , brechen konnte . Die Gebete , die Wachen , die untergeordneten Dienste , mühevolle Arbeiten aller Art , Betteln , das seinen Stolz prüfte , scheinbare Willkürlichkeiten , die seine Ergebung auf die Probe stellten , die Züchtigungen mit der Geißel und dem Cilicium , alles das waren nur geringere Grade der Hülfsmittel , ihm die Rauheit und Härte unsers Gewandes fühlbar zu machen . Die Ergebung , die er zeigte , war keine Stumpfsinnigkeit . Er ertrug , was ihm aufgebürdet wurde , um seiner neuen Geburt willen , ja wir mußten seinen Eifer zurückhalten , denn er begehrte zu zeigen , daß der Mensch den Schlaf ganz entbehren , von Wasser allein leben könne und Aehnliches , was wider die Natur geht , wenn es auch vom Bruder Hubertus fast zu ertragen gelehrt wird . Nach zwei Jahren endlich legte Sebastus sein Bekenntniß ab und erhielt die Tonsur . Die Priesterweihe ihm zu geben , wagte ich dem P. General nicht ans Herz zu legen . Immer ist noch ein dunkler Grund in seinem Innern , ja es war mir , als gäb ' es Proben , in denen Pater Sebastus nicht bestehen könnte . Eure Eminenz mögen selbst entscheiden . Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht , daß ich von den Stätten des Friedens , an denen wir leben , den Vorwurf der Unthätigkeit entfernen möchte . Wie der heilige Basilius die Nähe der Städte suchte , um sein Einsiedlerleben dem Ausbreiten des Glaubens nützlich zu machen , wie die Söhne des heiligen Benedict unser deutsches Vaterland von düstern Wäldern gelichtet haben und auf unsere Hügel die Traube pflanzten , während auch das Feuer des geistigen Lebens aus ihrer Pflege der Wissenschaft und der Schreibekunst flammte , so wird ein jeder Bekenner des heiligen Franciscus auch noch jetzt darauf bedacht sein müssen , in einer sittenverderbten Zeit Hand anzulegen im Kampfe gegen den Uebergenuß des Lebens . Dann dacht ' ich : Wie kann die letzte Prüfung des Gewonnenen besser stattfinden , als wenn er noch einmal ins Leben zurückkehrt ? Wie heilt man ein Heimweh gründlicher , als wenn man dem Verlangen der Seele nach der geliebten Muttererde einmal noch folgt , dem Herzen einen starken , vollen , sättigenden Trunk des Wiedersehens gönnt und damit dann meistentheils gerade das andere Verlangen weckt , dahin wieder zurückzukehren , von wo uns zwar die Sehnsucht vertrieb , inzwischen aber doch sich die Gewohnheit , sie wußte es nur selbst nicht , bereits wieder eine liebliche Traulichkeit schuf . Und so erbat ich von meinem Obern in Rom die Erlaubniß , den jungen Pater , dessen heißersehntes Ziel die Weihen sind , zurückzulassen auf kurze Zeit in die Welt . Da kam die Aufforderung des Secretärs Eurer Eminenz . Freilich auf den Grund , weshalb sein Brief Klosterbrüder zu haben wünscht : weil sie ihm nicht nur als Sendboten dienen könnten , sondern weil sie auch in einer Zeit , wo wir nur zu sehr beklagen müßten , uns auf der großen Straße des Weltverkehrs so wenig zeigen zu dürfen , gerade ebendaselbst , wo es nur irgend möglich zu machen , aufzutreten hätten , ... ferner auf den Rath ärztlichen Befehl vorzuschützen für kranke Brüder ... darauf hin mocht ' ich es nicht wagen - « Genug ! unterbrach der Kirchenfürst , machte eine Pause , die ohne Zweifel die Rücknahme des hier gegen die Lehre vom Zweck , der die Mittel heilige , protestirenden Briefs ausfüllte und sagte : Als ich vor einem Jahr diesen Brief erhielt , verweigerte ich die Unterstützung der