bei der Sache ist und sich durch nichts zerstreuen läßt . Welche Qualen dagegen ein Unglücklicher , ein Liebender , ein Eifersüchtiger am Spieltische der höchsten Herrschaften ausstehen muß , davon , geneigter Leser , bist du vielleicht glücklicherweise nicht im Stande , dir einen Begriff zu machen . Und der arme Graf Fohrbach befand sich in diesem Falle ; doch machte er übermenschliche Anstrengungen , sich vor den strengen Augen der Frau Herzogin keine Blöße zu geben , und das Glück , das ihm heute Abend in der Liebe manquirte , war ihm denn auch , gemäß dem Sprichwort , im Spiele günstig , und er bekam , wie der Hofmarschall bei jedem Ausgeben seufzend versicherte , immense Karten . Die Frau Herzogin lächelte holdselig und freundlich , denn Ihre Majestät und Seine Excellenz waren groß Schlemm geworden und hatten einen sehr starken Rubber eingebüßt . Und nicht allein die verlorene kleine liebenswürdige Soirée bei dem Major v. S. beschäftigte die Phantasie des unglücklichen Grafen , nicht nur der Herzog , der statt seiner dorthin gefahren , nein , auch die Marken Seiner Durchlaucht , die vor ihm auf dem Tische lagen , fesselten Seine Aufmerksamkeit , und er mußte sie immer und immer wieder nachdenkend betrachten , als verbärgen sie ihm irgend ein wichtiges Geheimniß . - Warum wollte sie der Kammerdiener so schleunig fortnehmen ? - Sie waren hohl , wie Ihre Majestät meinten , und Ihre Majestät hatten ferner einer Geschichte gedacht , wo irgend ein seliger Obersthofmeister in ähnlichen Marken den Damen Billete zuzustecken gewußt . Wie gesagt , der Rubber war zu Ende und Ihre Majestät schienen nicht darauf zu dringen , augenblicklich einen neuen zu beginnen , sie lehnten sich vielmehr in ihren Stuhl zurück und sprachen leise mit der Frau Herzogin . Auf den Marken befanden sich , wie Ihre Majestät vorhin bemerkt , in Emaille die vier Kartenfarben . Der Graf spielte mit Treff , nahm die Marke leicht in die Hand , ließ sie , wie ganz absichtslos , unter dem Tische verschwinden , und drehte daran . - Ihre Majestät hatte Recht : die Marke öffnete sich und bot ein kleines Gehäuse dar , welches aber leer war und auch nichts Weiteres zeigte , als er auf die Emaille drückte . Ganz geschickt wußte er Treff , nachdem er wieder zugeschraubt hatte , auf den Tisch zu bringen und nahm dafür Caro . - Auch Caro war und blieb leer , ebenso Pique ; - aber Coeur . - Scheu blickte er umher , um zu sehen , ob Niemand auf ihn achte . Doch die Herrschaften sprachen noch immer leise zusammen , und der Hofmarschall hatte die Rechnung über den verlorenen Rubber in der Hand und überlegte , wie viele Dukaten ihn das Spiel heute Abend kosten würde . - Richtig ! - Coeur war nicht leer ; bei einem Drucke auf die Emaille sprang die Cuivette auf , und unter derselben lag ein kleines , zusammen gefaltetes Papier . - War es Unrecht , dies an sich zu nehmen ? - Es zu behalten - gewiß ! - aber nicht , es nur zu lesen und dann wieder hinein zu legen . - Mit diesen Gedanken beschwichtigte der junge Mann sein Gewissen . - » Es das eine Kriegslist , « sprach er zu sich selber , » ich recognoscire nur feindliches Terrain ; denn der Herzog ist in diesem Punkte mein Feind , und ich fürchte , wir werden einen erbitterten Krieg mit einander führen . - Nein , nein ! - Da gilt keine Schonung . - Wer weiß , ob er selbst mich nicht statt seiner hierher gebracht hat ! « Unter diesen Gedanken hatte er auch schon die Marke geleert , sie wieder zugeschraubt und auf den Tisch gestellt . Wie aber nun das Papier lesen ? - Und das mußte schnell geschehen , denn sobald Ihre Majestät zufällig das Spiel aufhob , so hatte er nicht mehr Zeit , den Zettel in die Marke zu stecken , und der schlaue Kammerdiener mußte augenblicklich den Verlust desselben entdecken . Glücklicherweise half ihm der Hofmarschall über diese Klippe hinweg , indem er ihm die Whistrechnung sowie den Bleistift darreichte und ihm sagte : » Sehen Sie doch ' mal nach , Graf Fohrbach , da muß irgendwo ein Fehler stecken , Plus und Minus stimmt mir nicht überein . « » Lassen Sie sehen , « versetzte der Graf entzückt , während er das Papier ergriff , seinen Zettel , den er in der hohlen Hand verbarg , geschickt darauf legte und statt sich um die Zahlen zu bekümmern , die Worte las : » Bericht - wie gewöhnlich um elf Uhr . Vierte Thüre neben der blauen Gallerie , « - welche er sich fest in ' s Gedächtniß einprägte . » Nicht wahr , es ist ein Fehler darin ? « fragte die Excellenz . » Sehen Sie , hier plus zwanzig und dort minus fünfzehn . « » Lassen Sie mich rechnen , « erwiderte der Adjutant , der jetzt erst das andere Papier betrachtete . - » Ach ja ! hier steckt der Irrthum ; die fünf Points minus gehören dorthin . Sehen Sie , so gleicht sich die Rechnung völlig aus . « » Ja , Sie haben Recht , « sagte die Excellenz , » es macht freilich fünf Points mehr Verlust für mich , aber man muß auch in kleinen Dingen ehrlich sein . « Es war ein Glück , daß es dem Grafen so schnell gelungen war , das Papier ohne Aufsehen zu lesen und ebenso in die Marke zurückzustecken , denn Ihre Majestät schienen jetzt schon alle Lust am Spiele verloren zu haben , ließen Ihre Schulden durch Ihren Kammerherrn berichtigen und erhoben sich darauf mit der Frau Herzogin vom Tische . Der Hofmarschall und der Adjutant machten eine tiefe Verbeugung ; Ersterer ging in das Bibliothekzimmer , der Andere schritt langsam nach dem grauen