ergebene Herren , diese beiden Pastoren , aber Theologen vom Scheitel zur Zeh ! Aber auch blos Theologen , sag ' ich Dir ! Sie halten mit eifersüchtigen Blicken auf Befolgung des geschriebenen Wortes . Was geschrieben steht , steht geschrieben ! heißt ihr Gott , ihr Glaube , ihre Seligkeit ! Du kannst Dir vorstellen , was sich mit solchen gelehrten Büffeln anfangen läßt ! Sie wollen nichts hören von Volksaufklärung , was ich nur billigen muß , und verleiden meinen Bauern und Webern alle Zeitungen und Bücher durch ihr fanatisches Eifern gegen die Presse . Ihnen ist Alles schlecht und verdammenswerth , was nicht in der Vulgata und etwa in einer geistlosen Postille steht . Kann ich etwas Besseres thun , als diese Ehrenmänner in ihrem Amtseifer unterstützen und bestärken ? Während sie meine Unterthanen geistlich und selig machen , bringen sie ihnen den herrlichen Glauben bei , daß irdisches Glück und Wohlsein dem Himmel abwendig mache und Niemand zukomme , als den Auserwählten ! Unter diese gehören natürlich die Herren und alle Obrigkeiten , und ich bin gar nicht böse , daß meine sehr untheologische Ueberzeugung trotzdem Allem mit dieser banalen Theologie vortrefflich harmonirt ! Gesteh ' es , lieber Bruder , daß ich Glück habe ! Was Andere in einem ganzen Leben voll Mühen nicht erreichen , das fällt mir von selbst in den Schooß . Es erfolgt , was ich wünsche , nur dadurch , daß ich es wünsche . Höchstens gehe ich meinen guten Seelsorger um ein passendes Kirchengebet oder eine eindringliche Predigt an . Und nun sage Einer noch , daß die Interpretation des Lebens wie der Bücher nicht die Hauptsache sei ! Daß man nicht Alles in das liebe Leben hinein- und auch wieder aus ihm herauserklären kann , wenn es nöthig ist ! Viel Glück zu der beabsichtigten Unterredung ! Führt sie zum Ziele , so geb ' ich ihr meinen Segen ! Nur sei jetzt doppelt vorsichtig ! Wenn Du es doch so einrichten könntest , daß Martell einen Ort besuchte , in deren Nähe sich die Cholera gezeigt oder schon einige Opfer gefordert hat ! Sollte sich das nicht thun lassen ? Glück , Schicksal und Teufel pflegen alle drei auf ein Ausstrecken des kleinen Fingers zu warten . Darauf muß man achten ! Eine Haushälterin brauchst Du ? Hm , es ist fatal , daß wir mit Aurel so übel stehen ! Der gute lebenslustige Bruder hat ein paar hübsche Mädchen als Dienerinnen für Herta bei sich , die sehr gut erzogen sein sollen , wie ich in Erfahrung gebracht habe . Auf Umwegen ließe sich die eine oder andere doch vielleicht gewinnen ! Ich werde mich erkundigen lassen und Dir später Antwort geben . Meine Frau erwiedert Deine ehrfurchtsvollen Grüsse sehr angelegentlich . Ganz Dein Adalbert « Der vornehme Herr übertrieb in seiner Schilderung durchaus nicht . Die Lage seiner Unterthanen war erbarmungswürdig , war es vorzugsweise durch Adalberts kalte und eiserne Consequenz . Wie immer , wo kluge Verderbtheit und kühler Verstand herrschen , der minder begabte gutmüthige Mensch sich gutwillig gängeln läßt , so verstand auch Adrian die Schwächen derer zu mißbrauchen , die zum Wohlthun ihr Leben anwenden sollten . Ohne daß die Kurzsichtigen es ahnten , trugen sie zur Vermehrung der Unwissenheit bei , welche in der Masse des Volkes herrschte , und leisteten willenlos und unabsichtlich dem Elende Vorschub , während sie des Paradies auf Erden auszubreiten glaubten . Ein treues Bild der allgemeinen Noth , die bei Adalberts Unterthanen eingerissen war und an deren entsetzlichen Ausbrüchen sein Auge sich weidete , gewährte der Hausstand unsers alten Bekannten Leberecht . Der Mangel hatte ihn vor Weihnachten in die traurige Nothwendigkeit versetzt , sein Haus verkaufen zu müssen . Er bot es anfangs einer Menge Bekannten an , allein diese waren theils fast in derselben Lage , theils besaßen sie auch nicht so viel , um selbst einen billigen Kauf eingehen zu können . Und Leberecht brauchte Geld , Geld um jeden Preis ! So blieb ihm zuletzt nichts übrig , als sein Haus an Adalbert selbst für einen Spottpreis abzutreten , unter der Bedingung , es bis zu seinem Tode ungestört bewohnen zu dürfen und ein paar Aecker in Pacht zu erhalten . Nun saß der arme bejahrte Mann , der sich sein ganzes Leben lang geplagt hatte , um sich ein paar Thaler auf seine alten Tage zusammen zu sparen , verlassen da , und mußte wieder anfangen , für kargen Lohn Tagarbeiterdienste zu thun ! Mit Dreschflegel und Schüttegabel auf der Schulter ging er alle Morgen vor Sonnenaufgang eine volle halbe Stunde über Feld , oft in schauerlichem Stöberwetter , oder bei einem Kältegrade , der das Blut in den Adern gerinnen machte , um in zugiger Scheune mit leerem Magen bis in die sinkende Nacht hinein zu dreschen ! Und für so schwere Arbeit ward noch dazu kein Pfennig Geld verabreicht ! Die Arbeiter erhielten Korn , je nach dem Belieben des Herrn bald aller acht , bald auch aller vierzehn Tage ! In dieses Korn , das für ein ausgegedroschenes Schock aus einem Viertelscheffel dresdner Maß bestand , hatten sich sämmtliche Drescher zu theilen . Kamen nun auf Leberecht einige Metzen , so mußte er sich diesen schwer verdienten Lohn nicht nur selbst den weiten Weg bei Nacht und Sturm nach Hause tragen , er hatte auch außerdem noch die Mühe , entweder das Getreide in Geld zu verwandeln , oder es mahlen zu lassen , um das tägliche Brod davon zu gewinnen . Hatte er nicht Zeit oder konnte er die Nächte nicht opfern , um in die Mühle zu wandern und es selbst aufzuschütten , so zog auch der Müller noch sein bescheiden oder unbescheiden Theil ab , und was zu guter Letzt übrigblieb , glich nur noch einem Almosen ! Maria und Eduard , ihr Sohn , führten kein beneidenswertheres Leben . Sie schafften von früh vier Uhr bis häufig nach Mitternacht hinter ihren Webstühlen