und Brust befestigt , vor Emmy dastand , sank diese vor ihr , wie vor einer himmlischen Erscheinung , nieder und dankte Gott in einem lauten , feurigen Gebete für die Gnade , ihr göttliches Kind , ihre Fennimor noch einmal vor Augen zu sehen . » Ach , « sagte Elmerice - » ist es denn wirklich wahr , daß ich dieser schönen Fennimor so ähnlich sehe ? Wüßtest Du , wie ich meine ganze Liebe zu Dir aufrufen mußte , um die Kleider anzulegen , die von dem herrlichsten Wesen der Erde in der kurzen Zeit ihres Glückes getragen wurden , Du würdest meine Beschämung begreifen , die mich fürchten läßt , ihren heiligen Schatten damit beleidigt zu haben . « » Fürchte das nicht , mein Engel , « sagte Emmy - » sie würde Dich selbst damit schmücken - sie würde Dich mit Ueberzeugung für ihre geliebte Nachkommin erklärt haben ! Aber auch Du sollst nicht länger in Zweifel bleiben , daß sie Dein Ebenbild ist ; - und da Du zufällig einen Anzug gewählt hast , in dem Lesüeur sie gemalt hat , so sollst Du mein heiligstes Heiligthum , den Eudoxien-Thurm sehen , worin ich ihr Bild aufgestellt habe , an dem Platze , mo sie stets mit ihrem Harfion saß . - Dann wirst Du sehen , daß Du selbst aus dem Bilde hervortrittst - dann wirst Du mir , ohne Dir Vorwürfe zu machen , das Glück gönnen , Dich ganz so zu sehen , wie sie ehemals vor mir stand . « » O , « rief Elmerice - » vergieb mir meine Zaghaftigkeit und denke von meiner Liebe zu Dir nicht geringer ; ich will Dir glauben und von jetzt an Dir folgen . « » Vielleicht nur noch kurze Zeit , « sagte Emmy ernst , - » und Fennimor gönnt mir dies Glück - und segnet Dich dafür ! « Wir verlassen hier auf einige Zeit diesen Schauplatz des wunderbarsten Phantasielebens und kehren in den gegenüberliegenden Theil des Schlosses ein , das heitere Treiben der jungen Personen verfolgend , die hier dem Leben , so Viel an ihnen lag , allen Reiz abzufordern trachteten . Indem wir uns jedoch die Eigenthümlichkeit der Hauptpersonen zurückrufen , werden wir eingestehen müssen , daß der frohe , heitere Lebenssinn des Marquis d ' Anville und seiner jungen Gemahlin doch gerade deshalb so überströmend hervortrat , weil in ihnen ein sicherer Grund von ernstem Gefühle lag , und eine durch Grundsätze befestigte Karakterbildung . Wir dürfen daher erwarten , daß die Geschichte des Grafen Leonin , mit der wir uns beschäftigt haben , und die der junge Marquis so vorzutragen wußte , daß ihr Hauptinhalt durch die leichtere Form der Erzählung nicht geschwächt ward , einen ernsten Hintergrund in den Herzen seiner Zuhörer zurückließ , und das übersprudelnde Leben jugendlicher Heiterkeit dadurch leise eingedämmt erschien . Leonce hatte nicht nöthig , an sein System des Maaßes zu erinnern ; vielleicht war aber das Maaß der Liebenswürdigkeit gerade dadurch in beiden Frauen erfüllt . An dem letzten Abende , als der Marquis seine Erzählung mit dem spurlosen Verschwinden Reginald ' s schloß , und die Gesellschaft nach einigen Worten , die ihre Erschütterung ausdrückten , sich früher , als gewöhnlich , getrennt hatte , öffnete sich einige Zeit später die Thür zu dem Zimmer des Marquis d ' Anville , und seine junge Gemahlin trat mit der ihr stets bleibenden , anmuthigen Schüchternheit einer Jungfrau ein . Aber ihr liebliches Angesicht war so bleich , wie ihr weißes Nachtkleid ; und als ihr der Marquis liebevoll entgegeneilte , fiel sie ihm in die Arme und weinte die ganze erfahrene Gemüthsbewegung , wie ein Kind an dem Busen der Mutter , in den Armen ihres Gemahls aus . » Armand , « sagte sie , nachdem sie den rührenden Ausdruck ihrer Gefühle in etwas beherrscht hatte - » versprich mir , daß wir nicht Besitzer werden wollen von dieser traurigen Erbschaft ; daß wir alle unsere Kräfte , alle unsere Verbindungen , alle unsere Mittel noch ein Mal in Bewegung setzen wollen , jenen armen , gekränkten Reginald oder seine Erben zu entdecken ! « » Du sprichst aus meiner Seele ! « rief der Marquis , sie an seine Brust drückend - » die Zeit hatte den Eindruck in mir gemäßiget ; die Fruchtlosigkeit meiner Nachforschungen hatte mich endlich damit abschließen lassen ; fast hätte ich jetzt das Provisorium über diese Güter aufgehoben und mich zum Erben erklärt ; aber indem ich Euch jetzt Alles erzählte , stieg , aufs neue belebt , die ganze Gewalt dieser großen Verschuldung in mir auf , und unmöglich schien es mir seit den letzten Tagen , hier wirklich als rechtmäßiger Besitzer aufzutreten und damit fast in die verwerfliche Bahn einzulenken , die unser armer Oheim verführt ward , zu betreten . « » Das stand auf Deiner Stirn , Armand , « sagte Lucile , ihre Thränen völlig trocknend . » Auch kam ich nicht in der Meinung , ich könne Dir das Rechte erst durch meine Bitten entdecken helfen . Ich wollte - ich hatte den Austausch unserer Gedanken so nöthig ; mein Herz will mir zerspringen , wenn ich an das Schicksal dieser Fennimor denke - dieses unglücklichen Reginald . - Ich habe ein Gefühl , als könne diese wunde Stelle in unserer Brust - dieser Flecken auf unserem Wappenschilde nicht eher verschwinden , als bis wir dies Erbe den rechtmäßigen Besitzern übergeben haben . « » Sieh ' hier , Lucile ! « rief der Marquis jetzt , und zog sie gegen den Schreibtisch ; - » und möge dieser Brief , den ich noch heute Abend zu beschließen denke , Dir eine ruhigere Nacht bereiten und Deine Träume mit der großmüthigen Hoffnung füllen , daß Du Reginald wieder findest und ihm die reichste Erbschaft des Landes ausliefern kannst . « Lucile hörte in freudiger Bewegung , als Armand sie in einen Lehnstuhl