es , so blickten zwei überraschte Gesichter einander an , von denen eins blitzschnell den Ausdruck des größten Schrecks und Entsetzens annahm . Der Knecht sah nämlich zu dem Spielmann auf , der einen langen mit einem Tuche umwickelten Gegenstand unter dem Arme vorsichtig nach der Treppe geschlichen kam und schon den einen Fuß auf deren erste Stufe gesetzt hatte , als er den Blick hinunterwerfend , den unten ansichtig ward , den er freilich weit vom Hofe bei dem Schießen um die Snaat vermutend gewesen war . Einige Augenblicke standen die beiden , die einander unwillkommene Zeugen wurden , der eine des ausgeführten , der andere des vorgesetzten Frevels , glotzend einander gegenüber , der eine oben , der andere unten . Dann aber sprang der Spielmann zurück , und der Knecht hörte ihn die Treppe nach dem Söller hinauflaufen . - » Der Kerl hat stehlen wollen ! « rief der Knecht und stürzte die Treppe hinauf . In jenem vielversprechenden Fragmente des » Faust « , welches Lessing hinterlassen hat , erklärt der Magus , den Geist der Hölle für den schnellsten unter allen , welcher von sich rühmt , daß er so schnell sei , als der Übergang vom Guten zum Bösen . Aber auch einen Engel gibt es , der diesem Teufel die Spitze bietet , er wirkt die Übergänge vom Bösen zum Guten , oder wenigstens zum minder Schlimmen , und diese sind in der Menschenbrust , selbst in der rohsten , oft nicht langsamer als die Werke jenes Teufels . Der rothaarige tückische Knecht , welcher noch soeben selbst an Mordbrennerei und Raub gedacht und sich in dem Augenblicke , wo er den Spielmann erblickte , nur geärgert hatte , daß sein Vorhaben durch einen Lauscher vereitelt werde , hegte schon in der zweiten Hälfte des nämlichen Augenblicks keinen anderen Gedanken , als daß der Spitzbube von Spielmann seinen Herrn bestehlen wolle , und daß er , der Knecht , das nicht leiden dürfe , sondern den Dieb festnehmen und dem Hofschulzen überliefern müsse . Er stürzte also die Treppe hinauf , fiel vor übergroßer Eile über einen Kasten , der oben auf dem Gange stand , so , daß er sich vor Schmerz nur langsam aufrichten konnte , ließ aber dennoch von seinem Vorsatze nicht ab , sondern setzte die Verfolgung fort , wenn auch langsamer , als er sie angefangen hatte . Oben auf dem Söller kam ihm der Spielmann aus der Ecke , worin sich der Verschlag des Jägers befand , entgegen . Der Knecht , dessen Arme von dem Falle nicht gelitten hatten , packte ihn bei der Schulter , dergestalt , daß der Spielmann wie eine Jacke ohne körperlichen Inhalt hin und her flog , und rief : » Halunke , was hast du gestohlen ? « » Nichts « , versetzte der Spielmann , der ungeachtet aller Angst vor dem baumstarken Knechte den Trotz beibehielt , der solchen Leuten in solchen Lagen eigen zu sein pflegt ; » seht Ihr etwas bei mir ? « - Wirklich trug der Spielmann nichts mehr unter dem Arme . Der Knecht untersuchte seine Kleidungsstücke , aber auch in denen war nichts zu entdecken . Außer der alten grauen Jacke , den zerrissenen und geflickten Hosen und seinem eigenen armseligen Leibe führte er nichts an und bei sich . Der Knecht ließ die Hände sinken und sah aus wie einer , der nicht weiß , was er tun oder denken soll . Der Spielmann , dessen Zuversicht wuchs , je unschlüssiger er den Knecht werden sah , sagte keck : » Nun , habe ich gestohlen ? « - » Ich weiß nicht « , versetzte der Rothaarige , » wohin du es abgeworfen hast , aber ich will dich prügeln , daß dir die Seele aus dem Leibe geht , damit du mir die Stelle anzeigst . « » Gut « , rief der Spielmann , der sich nicht einschüchtern ließ , » prügelt mich nur ab , prügelt einen unschuldigen Menschen nur ab , Eurem Herrn zu Gefallen , der Euch aus dem Dienste jagte ! « - Er hatte von seinem Versteck das Gespräch zwischen dem Hofschulzen und dem Rothaarigen gehört . Diese Erinnerung warf den Knecht auf die andere Seite hinüber . » Nein ! « rief er mit einem Fluche , » stehlen soll zwar keiner bei ihm , solange ich noch im Hofe bin , denn dafür bin ich sein Knecht , aber zu Gefallen tue ich ihm auch nichts , denn dazu hat er mich zu schlecht behandelt . « - » Nun denn , so laßt mich laufen « , sagte der Spielmann . » Sprich , was du begangen hast , Kerl , und du sollst laufen « , versetzte der Knecht . Der Spielmann sah sich um , als fürchte er selbst hier einen Lauscher , dann murmelte er dem Knechte ins Ohr : » Einen Schabernack habe ich dem Hofschulzen antun wollen , und , wie ich hoffe , auch angetan . Sonst habe ich nichts wider ihn vorgenommen , noch vornehmen wollen . « Der Knecht dachte nach . - » Vor Schabernack brauche ich den Alten nicht zu bewahren , sondern nur vor Stehlen , Brennen und Viehschaden ; das ist meine Obliegenheit . « - Dann gab er dem Spielmann einen Streich mit der Hand und rief : » Lauf , du Hund ! « - Der Spielmann folgte dieser Weisung und sprang behende die Söllertreppe hinunter . - Der Rothaarige hinkte ihm langsam nach . Unten im Flure sagte er : » Wenn der Baas ein Stück Schabernack hat , so kann es mir ganz recht sein , wofern er nur nicht an Geld oder Gut beschädiget wird . Denn hilf dir zuvor selber , ehe du andere arzeneiest . Diesen Spruch hat er mir letzte Martini mitgeteilt und danach halte ich mich nun . Ich helfe mir zuallererst selber und meiner Bosheit auf ihn durch