denn er hatte die ersehnte Anstellung erhalten und es ließ sich erwarten , daß er nächstens auch seine Verbindung mit der Tochter des Predigers melden würde . Endlich ermahnte der Graf selbst Evremont an die nothwendige Reise , und die ganze Familie wurde auf ' s Höchste überrascht , als , nachdem der Tag der Abreise festgesetzt war , der alte Dübois erschien und den jungen Herrn Grafen um die Ehre ersuchte , ihn begleiten zu dürfen . Alle vereinigten sich den alten Mann zu bewegen einen Plan aufzugeben , den er bei seinem hohen Alter nur mit großer Beschwerde ausführen könne . Ich kann es nicht , erwiederte der Greis , ich muß die heimathliche Luft wieder athmen ; ich muß die Sehnsucht so vieler Jahre befriedigen und meine Gebeine dem geliebten Boden lassen . Wie , rief die Gräfin erschreckt , Sie wollen uns ganz verlassen ? Was haben wir Ihnen gethan , Dübois , daß Sie uns diesen Kummer erregen wollen ? O meine gütige , meine gnädige Herrschaft , erwiederte der alte Mann in Thränen , diese Frage könnte mein Herz zerreißen , denn sie scheint mich des Undanks zu beschuldigen , wenn sie nicht ein neuer Beweis Ihrer Güte wäre . Länger als zwanzig Jahre habe ich in alle Gebete , die ich an Gott richtete , die inbrünstige Bitte eingeschlossen , es möge der ewigen Weisheit gefallen , meinen rechtmäßigen Herrn und König auf Frankreichs Thron zurückzuführen . Der Herr hat mein Gebet und das Gebet von Millionen erhört . Der achtzehnte Ludwig hat den Sitz seiner Väter eingenommen , und wird Segen und Glück über unser Frankreich verbreiten . Ich habe Niemanden angefeindet , der anders dachte als ich . Ich konnte mein Vaterland verlassen , während es in den Zuckungen der Revolution sich selbst bis zur Unkenntlichkeit entstellte , aber nun , da Glück und Frieden mit dem rechtmäßigen König wiederkehrt , nun zieht es mich gewaltsam zurück und ich muß französische Luft athmen , ehe ich sterbe . Man sah bald ein , daß es unmöglich sein würde , den Greis zurückzuhalten , ohne ihn auf ' s Schmerzlichste zu kränken und vielleicht dadurch sein Leben zu verkürzen . Es blieb also nichts übrig , als dafür zu sorgen , ihm die Reise so bequem zu machen , als nur irgend möglich wäre , und Evremont ordnete alles Nöthige mit so zärtlicher Rücksicht an , als ob es sein greiser Vater sei , der ihn begleiten wolle . Die ganze Familie trennte sich mit Thränen von dem würdigen Alten , den am Meisten die Thränen und lauten Klagen des kleinen Adalbert bewegten , und lange , nachdem der Wagen , der die Reisenden hinwegführte , schon aus den Augen der nachblickenden Freunde verschwunden war , konnte die Gräfin sich nicht davon überzeugen , daß Dübois in der That ihr Haus habe verlassen können . Evremont hatte mit seinem Gefährten Paris bald erreicht , wo er vor allen Dingen seinen Zweck so bald als möglich zu erreichen suchte , denn die glänzende europäische Hauptstadt bot in diesem Augenblicke wenig Erfreuliches für ihn dar . Als Krieger schmerzte ihn die Erniedrigung , in der er Frankreich erblicken mußte , und das traurige Ende bewunderter Feldherren zerriß sein Herz . Die Schritte der Regierung konnte er als Bürger nicht billigen , und die Gesellschaft , die sich in heftig einander bekämpfende Parteien theilte , gewährte ihm keine Erholung . War es nun schon an Evremont zu bemerken , daß ihn der Aufenthalt in Paris nicht befriedigte , so klagte Dübois laut ohne Rückhalt darüber , wie sehr er sich in allen seinen Erwartungen getäuscht fühle . Er fand weder die begeisterte Freude des Volks darüber , daß ihm sein rechtmäßiger König wiedergegeben worden war , die er erwartet hatte , noch die Milde und Politur der Sitten , von der er überzeugt gewesen war , daß sie mit diesem Könige wiederkehren würde , noch von Seiten der Regierung ein ernsthaftes Streben , die Wünsche der Nation zu befriedigen , und die Art , wie die Religion nach Frankreich zurückkehrte , konnte den von Natur milden und edeln Geist des Greises am Wenigsten befriedigen . Die heftig streitenden Parteien , die er allenthalben traf , verletzten sein Gefühl für Schicklichkeit , und nachdem er jeden Tag mißvergnügter geworden war , überraschte er Evremont eines Abends mit der Erklärung , daß er den andern Morgen nach dem südlichen Frankreich abreisen werde , um sich nach einigen entfernten Verwandten zu erkundigen , die sich dorthin zurückgezogen haben sollten . Evremont konnte ihn von diesen Nachforschungen nicht zurück halten und mußte mit Betrübniß den Greis scheiden sehen , denn er hatte gehofft ihn zu bewegen , mit ihm nach dem deutschen Ufer des Rheins zurückzukehren , und war durch das sichtliche Mißfallen seines alten Freundes an dem jetzigen Zustande der Dinge in Paris in dieser Hoffnung bestärkt worden , und nun mußte er ihn zu seinem Kummer gänzlich aus den Augen verlieren . Um sich von diesen und andern unangenehmen Eindrücken durch Zerstreuung zu erholen , war er in eins der glänzenden Kaffeehäuser getreten , wo er eine zahlreiche Gesellschaft fand , die , wie dieß damals gewöhnlich geschah , laut die Begebenheiten des Tages beurtheilte und die Schritte der Regierung auf ' s Heftigste tadelte . Evremont bemerkte bald , daß er sich an einem Versammlungsorte der leidenschaftlichsten Bewunderer und Anhänger Napoleons befand , und nur der aufgeregte Zustand dieser Männer machte es erklärlich , wie ihnen entgehen konnte , was dem Unbefangenen sogleich auffiel , daß viele Mitglieder der Gesellschaft , die am Heftigsten sich zu ereifern schienen , im Grunde nur da waren , um die übrigen zu beobachten . Kaum hatte Evremont einige Augenblicke hier verweilt und von dem dienstfertigen Aufwärter eine Erfrischung gefordert , als er von mehreren Anwesenden bemerkt wurde , die ihn erkannten , und als einen Mitgenossen entschwundenen Ruhms und vorübergegangener Gefahren begrüßten . Es waren dieß verabschiedete Offiziere ,