Darum , mein wackrer Geselle ! auf , und nicht gesäumt . Ich will gerne ohne Trunk die Mittagshitze verwinden , wenn wir nur nicht die Gelegenheit versäumen , dem Schurken einen Stein in den Garten zu werfen , und uns dafür einen solchen bei der Stadt in ' s Brett zu setzen . « - » Das Letztere mag Deine Sorge seyn ; « versetzte Dagobert spöttisch , und rief nach Vollbrecht , um Alles ohne Aufsehen zum Auszuge rüsten zu lassen . - Bei dem Namen des Knechts faltete sich des Hülshofners Stirne : » Wär ' s nicht , daß wir Dreie seyen gegen Dreie , « sprach er , so möchte ich wohl , daß wir den Langen zu Hause ließen . Der Anblick des Burschen demüthigt mich in etwas , denn er trägt seine Wohlbeleibtheit so stolz vor sich her zur Schau , als wollte er mir immer sagen : » Gelt , Du armer Fechtbruder ; ich bin in die Pfingstwoche gerathen , während Du noch immer am Aschermittwoch kauest ? « - » Laß den wackern Knecht ungeschoren , « erwiederte Dagobert freundlich , und wendete sich gegen die aufgehende Thüre . Wie staunte er aber nicht , da nicht Vollbrecht hereinkam , sondern der unerwartetste von allen Menschen : Diether der Altbürger , fein Vater ! Verlegen und glühenden Antlitzes ging er auf den Überraschenden zu , ohne eines Wortes mächtig zu seyn . Der Alte , gewohnt sein Äußeres bei öffentlichen Gelegenheiten und Anlässen zu beherrschen , nickte langsam grüßend mit dem Haupte , und blickte auf den Edelknecht , als wollte er fragen , warum sich ein unerwünschter Dritter hier befinde . Dagobert verstand den Wink besser , als der glotzende Gerhard , und fandte ihn hinweg mit der Bitte , im Stalle nach dem Rechten zu sehen . - Als nun Vater und Sohn allein waren , begann der Erste , nachdem er sich gesetzt : » Du willst fort , Dagobert ? « - Dieser bejahte gelassen . - » So leicht also wäre es Dir schon geworden , von Deiner Heimath und Deinem Vater zu gehen ? « - Dagobert schwieg , um sich nicht in unangenehme Erörterungen einzulassen . Diether fuhr langsam fort : » Dagobert , Du warst ja sonst ein harmloser Mensch , dessen Gutmüthigkeit , wie ein Kind , nach Allem in der Welt griff , um es an die Brust zu drücken , wären es auch Schlangen gewesen . O dieses kindliche Vertrauen kann noch nicht ganz aus Deiner Seele gewichen feyn ! Das böse tückische Schicksal kann Dich nicht so kalt gemacht haben , daß Du nicht für die Reue eines Vaters ein Ohr , für seine Bitte ein versöhnlich Herz , für seine zitternde , Vergebung suchende Rechte eine freundliche , offene Sohneshand hättest ! « - Dagobert war auf ganz andere Reden gefaßt gewesen ; um so überraschender klang die herzliche , erschütternde des Alten , unterstützt von seiner dargebotenen Hand , von der Thräne die in seinem Auge bebte , von der schwachen Röthe , welche die Beschämung in seine blassen Mangen trieb . Auch in Dagoberts Augen stürzten Tropfen des heiligsten Gefühls , und zu den Füßen des Vaters sank er nieder , als ob er der verlorne Sohn sey , und der Verbrechen unzählige zu bekennen hätte . Diether war so ergriffen , daß er nicht aufstehen , den Knieenden nicht aufheben konnte , sondern bloß mit seinen Händen dessen Wangen streichelte , und Perle auf Perle in dessen braune Locken , auf dessen Stirne fallen ließ . - » O , mein Sohn , « - sprach er nach langem Schweigen : » Du kennst meinen unbeugsamen Willen , - Dir ist nicht fremd , daß ich eher in Zorn gerathe , als in Rührung ; allein , ich fühle , seit Gestern bin ich anders geworden . Mein Wahnsinn mußte mich auf den höchsten Gipfel treiben , um zu erliegen den glühenden Worten eines Fremden . Welche Nacht habe ich zugebracht in den quallvollsten Leiden meines Innern ! Mit welcher Pein wurde ich wiedergeboren , und wie sträubte sich mein eiserner Sinn gegen die Reue , welche dem Beleidigten die Hand reichen muß , ... wie wehrte sich mein Fuß gegen den ersten Schritt , welcher der Buße auferlegt ist . Endlich hat der Herr gesiegt , und mein bessrer Theil ; abgeschüttelt habe ich alle Schaam , allen Hochmuth , ... und in dem Gewande der Demuth bin ich vor den Sohn getreten , um ihn zu bitten , daß er mir verzeihe , was ich schwer an ihm verschuldet , - daß er mir den schimpflichen Verdacht vergebe , den ich gegen ihn gehegt , - und daß er darein willige , wieder in mein verwaistes und verödetes Haus zu ziehen , geschmückt mit der Fröhlichkeit seiner frühern Zeit , und mit ungetrübtem Vertrauen gegen einen Vater , der die noch kurze Frist seines Daseyns gerne hingeben würde , könnte er damit die vergangenen Schreckenszeiten zurückkaufen . « - » Ach , mein Vater ; « antwortete Dagobert sanft und schonend : » wie weh und dennoch , wie wohl thut mir nicht Eure Rede . Wenn es mich schmerzen muß , den Vater mich anflehen zu hören , wie kaum ein reuiges Kind thun möchte , so wollte ich doch gerne aufjubeln vor Freude , daß Ihr endlich mein Herz erkannt habt , das stets rein geblieben ist , und ohne Falsch . Schier wäre ich verzweifelt an der Hoffnung , mich wieder treu und liebevoll an Eure Brust legen zu dürfen : ein guter Gott hat aber dafür gesorgt , daß nicht getrennt bleibe , was der Allvater gnädig zusammenfügte . Glücklich werde ich seyn , mein Vater , wenn Ihr mich wieder in Eure Arme aufnehmen wollt , und läge es an mir , Euer Leben zu verschönern ....... « - » Deine Rede beschämt mich immer mehr ;