, so seien sie bei der großen Kaskade . Albano schwieg , ging weiter , sah zwei und erkannte Linda an ihrer hohen Gestalt . Endlich sahen , fanden , umfaßten sich die drei Menschen , und der herrliche Wassersturm wehte in die Entzückung . Linda sagte zärtliche Worte der Liebe und glaubte stumm zu sein , denn das schöne Gewitter aus Strömen zerriß die zarten Silben wie Schmetterlinge . Sie hatten sich nicht gehört und standen , schmachtend nach ihren Lauten , umrungen von fünf Donnern , mit weinenden Augen voll Liebe und Freude voreinander . Heilige Stelle , wo schon so viele tausend Herzen heilig brannten und selig weinten und sagen mußten : das Leben ist groß ! - Heiter und fest glänzt in der Sonne oben die Stadt über dem Wasser-Krater dahin - stolz schauet Vestas zerrissener Tempel , mit Mandelblüte bekränzt , von seinem Felsen auf die Strudel nieder , die an ihm graben - und ihm gegenüber spielet der strudelnde Anio alles auf einmal vor , was Himmel und Erde Großes hat , den Regenbogen , den ewigen Blitz und den Donner , Regen , Nebel und Erdbeben . Sie gaben sich Zeichen , zu gehen und das stillere Tal zu suchen . Wie klangen ihnen darin die Worte Bruder , Schwester , Linda wie neue Menschenlaute im Paradies ! Hier , ehe sie den Hügel voll neuer Wasserstürze , Blitze und Farben bestiegen , suchten sie sich ihre Reisen und ihre Nachrichten einander zu erzählen . Julienne berichtete die frohe , ihr Bruder , der Fürst , gebe wieder Hoffnung der Genesung , seitdem er wachend , wie er beteuere , seinen toten Vater gesehen , der ihm längeres Leben versprochen . Die schöne Linda blühte im Paradies wie eine verhüllte Göttin , die ihren Geliebten auf der Erde lange suchte und endlich gefunden hat . Sie nahm oft seine Hand und drückte sie wider ihre Augen und Lippen und lispelte kaum hörbar , wenn er mit ihr oder Juliennen sprach : » Lieber ! - Freundlicher Mensch ! « - Über die Gegend schwieg sie ; denn über jede sprach sie erst , wenn sie aus ihr gekommen war . Julienne , über die brüderliche Genesung so froh , fing allerlei Scherze an , sagte , daß sie bedauere , aus Neapel ihrem Ludwig ein vergebliches Spezifikum gegen sein Übel gesandt zu haben , und fragte endlich Albano : » Kennst du nicht einen Jüngling namens Cardito ? er will dich kennen . « - Er sagte Nein , erzählte aber , ein kleiner stämmiger Mensch hab ' ihn hier zu kennen geschienen und zur Kaskade gewiesen . Julienne fuhr auf und sagte , es sei entschieden der haarhaarische Prinz , der auf Luigis Tod und Thron so boshaft hoffe ; er wohne in Tivoli im Hause des Herzogs von Modena und gehe gewißlich als ihrer aller Spion umher . Um sich selber nach diesem gehaßten Mißlaut wieder auszustimmen , setzte sie die Frage über Cardito fort und sagte : » Es ist ein sehr schöner derber Korse ( der Prinz ist ja die lebendige Ungestalt ) , und er kündigt dir ganz ernsthaft den Krieg an . « » Den soll er wahrlich haben « , sagte Albano , der nun alles begriff ; und - alles erzählte . Cardito war jener Korse , mit dem er früher sich über den gallischen Krieg entzweiet hatte . » Bruder , das ist noch dein Ernst ? « sagte Julienne mit gedehntem Akzent . » Jetzt besonders ! « sagt ' er entschieden , um den Streit sogleich auszuschließen . Heftig drückte Linda seine Hand in ihre Augen , als wolle sie sie damit bedecken . » Nun , so verhandle deinen Prozeß mit mir , so vernünftig du kannst , und lasse deine Rechtsgründe hören ; aber laß uns erst auf den Hügel , damit man dabei auch etwas sieht « , sagte die Schwester . Auf dem Hügel - vor dem Grün des blitzenden Tals , wo überall der Strom wie ein verwundeter Adler mit dem Flügel an der Erde schlug - vor den auf die Blumen herunterblitzenden drei Kaskatellen - fing Albano bewegt und begeistert an : » Ich habe nur einen Grund , liebe Schwester - ich bin noch nichts - ich bin kein Dichter , kein Künstler , kein Philosoph , sondern nichts , nämlich ein Graf . Ich habe aber Kräfte zu manchem , warum soll ichs nicht sagen ? - Wahrlich wenn ein Da Vinci alles ist , oder ein Crichton , oder wenn ein Richelieu , ob er gleich den politischen Thron behauptet , doch noch den poetischen besteigen will : soll ein anderer mit kleinern Wünschen nicht entschuldigt sein ? Und bei Gott ! eigentlich will ein Mensch doch alles werden , denn er kann nicht anders , er sehnet und treibt sich dazu hin , und das innige versteckte Herz weint Blutstropfen , die keine Menschenhand abtrocknet , nur die hohen Eisenschranken der Notwendigkeit halten ihn auf - Schwester , Linda , was hab ' ich denn noch getan auf der Erde ? « - » Diese Frage ; - und diese ist genug vor Gott « , sagte Julienne , bewegt von der wund-stolzen Bescheidenheit des Jünglings und von seiner schönen Stimme , welche zornig so klang wie gerührt . » Worte ! was sind Worte ? « ( sagt ' er ) » O man schämt sich wohl freilich , daß man etwas früher nur denken und sagen muß , eh ' mans tut , obgleich der dürftige Mensch nicht anders kann , sondern jede Tat wie eine Statue vorher im elenden Wachs der Worte modellieren muß . Ach , Linda , liegen hier nicht überall um uns Taten , statt der Worte und Wünsche ? - Hab ' ich nicht auch einen Arm , ein Herz , eine Geliebte und Kräfte wie andere und soll mit einem morschen mürben spanisch- oder