benachbarten Rittergüter Lüdersdorf und Biesdorf , und dieser neue Besitz regte seinen landwirtschaftlichen Eifer noch einmal auf das Lebhafteste an . Aber das Feuer war im Erlöschen . Schon das Jahr zuvor hatte er an seinen Schwager Jacobi in Celle geschrieben : » Wir haben nun bald unsere Laufbahn auf dieser Welt vollendet . Wir können vor vielen andern sagen , daß unser Leben köstlich gewesen , aber doch nur ein elend jämmerlich Ding . Mit Sehnsucht erwarten wir ein anderes ; Gott erleichtere uns den Übergang in dasselbe . « Noch einige Jahre waren ihm gegönnt , aber Schmerzensjahre . Er litt an rheumatischen Beschwerden , endlich bildete sich ein schmerzhaftes Fußleiden aus , der Altersbrand . Er litt sehr . Des berühmten Dieffenbach Heilversuche schafften vorübergehend Linderung , aber die Uhr war abgelaufen ; Thaer entschlief am 26. Oktober 1828 . Thaer war von mittlerer Größe , fein und schlank gebaut , in allen Teilen von gutem Verhältnis , und von fester , ruhiger , immer bequemer Haltung und Bewegung . Sein Äußeres war im ganzen nichts weniger als imponierend , hatte jedoch etwas trocken Ablehnendes , so daß sich der Fremde nicht leicht auf den ersten Blick zu ihm hingezogen fühlte . Seine Züge zeigten wenig Beweglichkeit ; der Mund war geschlossen , zurückgezogen , schweigsam , aber mit dem unverkennbaren Ausdruck der absichtslosesten Güte . Seine Augen waren rechte Künstleraugen , sehr bedeutend und von ungewöhnlicher Klarheit ; dabei ruhig prüfend , man fühlte , daß er auch den verborgenen Fleck traf . Sein gutes , weiches Herz verriet sich leicht , auch bei geringerer zufälliger Anregung . Was man jedoch ein gefälliges Wesen nennt , war ihm so wenig eigen , wie jede Art oberflächlicher Liebenswürdigkeit . Als Schriftsteller innerhalb seines Fachs gehört Thaer in den höchsten Rang . Er war nicht eigentlich ein erfindendes Genie , aber er fand seine Stärke in der beharrlichsten Anwendung seines gesunden Verstandes und sehr ausgebildeten Scharfsinns . Daß er gleich anfangs sich einer fast allgemeinen Anerkennung zu erfreuen hatte , verdankte er ganz vorzüglich seiner Aufrichtigkeit und Treue in Erzählung von Tatsachen und der edlen Offenherzigkeit , mit welcher er auch das erzählte , worin er sich früher geirrt hatte . Das Bewußtsein seines großen Ziels machte ihn stark , fest , beharrlich , mutig ; seine Leistungen aber schienen ihm immer unzulänglich , ja selbst geringfügig gegen das , was seiner Seele vorschwebte . Ein Jagen nach Berühmtheit , wie es sich bei weniger Begabten so oft findet , blieb ihm durchaus fremd . Untersuchen , forschen , prüfen , war ihm von Jugend auf wie zur zweiten Natur geworden , und die Verse Hagedorns erschienen wie an ihn gerichtet : Der ist beglückt , der sein darf was er ist , Der Bahn und Ziel nach eignem Auge mißt ; Nie sklavisch folgt , oft selbst die Wege weiset , Ununtersucht nichts tadelt und nichts preiset . Sein Leben , wie er selbst schreibt , war köstlich gewesen , dennoch empfand er zuletzt die » Sehnsucht nach einem anderen « , wo kein Suchen und kein Forschen ist . Wir aber , die wir noch inmitten des Kampfes stehen , den die Erde von uns heischt , haben ihm zu danken , daß er gesucht und geforscht . Nachdem wir bis hierher dem Manne gefolgt sind , dessen Name unzertrennlich von dem Namen Möglins geworden , wenden wir uns nunmehr wieder der Stätte zu , wo er gelebt . Möglin , auch äußerlich genommen , ist , wenn man den Ausdruck gestatten will , » nur Thaer « , und in diesem Umstande liegt sein Reiz und seine Eigentümlichkeit . Im übrigen wirkt das ganze Dorf fast wie eine Überraschung . Etwas in der Tiefe gelegen und durch keinen Kirchturm in die Weite hin verraten , tritt man plötzlich , unter alten Bäumen hindurch , wie in ein Kamp , eine Niederlassung ein , und hat hier , malerisch gruppiert , alles zusammen , was zur Bedeutung und zur Poesie des Ortes gehört . Den Mittelpunkt des Ganzen bildet ein Teich , den nach rechts hin hohe Schilfwände , nach links hin hohe Erlenbäume umfassen . Diesseits des Teiches , neben der Stelle , wo wir uns befinden , steht die alte Feldsteinkirche , von einer Linde , die nicht viel jünger sein mag als die Kirche selbst , überschattet . Jenseits des Teiches , freundlich blinkend im Schmuck eines angebauten Glashauses , steht das Wohngebäude , dahinter ein Haus von ähnlicher Größe – die ehemalige Akademie . Die Wirtschaftsgebäude , darunter die berühmte Stammschäferei , verstecken sich zum Teil hinter den hohen Bäumen , die den engen Kreis des Bildes : Teich , Kirche , Wohnhaus , Akademie , umzirken . Persönlichkeiten , von zum Teil hervorragender Stellung in Leben oder Wissenschaft , drängten sich an dieser Stelle während der letzten fünfzig Jahre , und so darf es nicht Wunder nehmen , daß jeder Fußbreit Erde hier seine Erinnerungen hat . Am Südrande des Teichs , der Kirche zunächst , fällt uns eine Erdpyramide auf , von Blumen überdeckt und terrassenförmig sich zuspitzend . Es ist ein Grabhügel . Unter ihm ruht Albrecht Thaer , und auf den Treppenstufen des Hügels , der mehr ein Blumengarten als ein Grab ist , blühen den Sommer hindurch viele hunderte von Blumen . Am Westrande des Teichs bemerken wir den zersplitterten Stamm eines vom Winde abgebrochenen Baumes . Das sind die Überbleibsel der » Herzogsweide « , die hier stand . Zu den ersten Freunden und Genossen Thaers , bei seiner Übersiedelung nach Möglin , gehörte der Herzog von Holstein-Beck , damals ein Mann von nah an fünfzig , ein Vertrauter des Kaisers Paul , wie er vorher ein Freund des Rheinsberger Prinzen Heinrich gewesen war . Der Herzog lebte monatelang als Mögliner Gast , und diese Weide am Teich war sein bevorzugter Aufenthalt , wo er zu sitzen und zu sinnen liebte . Es durfte wohl so