es von der Oberkirche her Mitternacht schlagen hörte ; einige Minuten später hielten alle am Spitzkrug . Die beiden Barnimschen Bataillone waren schon da und standen zu beiden Seiten des Wegs . Eine kurze Rast war unerläßlich ; Bamme ließ die Gewehre zusammenstellen , und gleich darauf saßen die Landsturmmänner auf Zaunplanken und Chausseesteinen und wickelten aus ihren Sacktüchern heraus , was ihnen Weib und Kind an Zehrung mit auf den Weg gegeben hatten . Kein Wort fiel ; jeder fragte sich still , ob es wohl seine letzte Mahlzeit sei . Bamme war während dieser Lagerszene in den Spitzkrug eingetreten , in dessen großem , aber niedrigen und spärlich erleuchteten Gastzimmer er den erwarteten Vertrauensmann der Frankfurter Bürgerschaften bereits vorfand . Aus seinem Rapport ergab sich , daß alle Häuser am Nikolaikirchplatz mit Bürgerwehren besetzt , in der alten Kirche selbst aber die besten Mannschaften versteckt seien , mit denen Othegraven den General Girard gefangenzunehmen gedenke . All dies wurde mit Freude gehört ; eine zweite Mitteilung indessen , dahin gehend , daß unten am Eingang in die Vorstadt , keine hundert Schritt vom » Letzten Heller « entfernt , eine französische Schildwache stehe , war desto unerfreulicher und nur angetan , ernste Verlegenheiten zu bereiten . Was tun , wie sollte man an dieser Schildwache vorbei ? Der Spitzkrugwirt erbot sich , noch einmal nachzusehen . Bamme war es zufrieden und ließ inzwischen die Brigade wieder antreten . Er selbst hielt am rechten Flügel , in Front des Bataillons Lebus . Nicht lange , so war der Wirt zurück und bestätigte , daß ein französischer Wachtposten vor dem Sankt-Georgs-Hospitale schildere . » Verdammt ! « sagte Bamme , » dieser Kerl ist mir im Wege . Wir müssen ihn beschleichen und niederstoßen . Freiwillige vor ! « Aber keiner rührte sich . Nur Hanne Bogun trat aus Reih und Glied und sah dem General entschlossen , aber frech und widerwärtig ins Gesicht . Er hatte das lange Messer , das ihm bis dahin zur Seite gehangen hatte , mehr nach vorn hin in den Ledergurt geschoben und hielt es mit seiner einen Hand umfaßt . Bamme gab dem Jungen einen Jagdhieb und sagte : » Nichts für dich , Hanne « , worauf dieser grinsend zurücktrat , um wieder den Zaum des Shetländers zu nehmen , den er einen Augenblick abgegeben hatte . Eine peinliche Pause folgte . Endlich hörte man Kniehases Stimme vom rechten Flügel her : » Wenn es sein muß , Herr General ... « Und es lag etwas in dem Ton und Ausdruck dieser Worte , das eines tiefen Eindrucks nicht verfehlte . Bamme , der mit unter diesem Eindruck war , preßte seine Fuchsstute dicht an die Schulter des athletischen alten Mannes und sagte dann : » Nein , Kniehase , lassen wir ' s. Es muß nicht sein . « Und damit fiel ein Stein von aller Brust . Ein Vorschlag , der schon vorher gemacht worden war , wurde wieder aufgenommen und im Einklange damit beschlossen , die lange Vorstadt ganz zu vermeiden , vielmehr dicht neben derselben hin , im Schutze des sogenannten » Donischberges « , eines mit Werft und Strauchwerk bestandenen Hügelrückens , bis an die Altstadt vorzudringen . Erst hier , am Tore selbst , sollte dann coûte que coûte der Kampf aufgenommen werden . Und sofort jetzt , unter Belassung eines den Rückzug sicherstellenden Bataillons am Spitzkruge , wurden alle nötigen Kommandos für den Vormarsch gegeben . Die beiden Barnimschen Bataillone setzten sich über das Plateau hin in Bewegung , um die weiter südlich gelegenen Tore zu gewinnen , während das Bataillon Lebus die mehrgenannte Hügelstraße hinunterrückte . Dicht vor dem » Letzten Heller « bog es nach rechts hin ab und marschierte zunächst in aufgelöster Ordnung , immer zwischen den Windungen des Donischberges hin , auf die ringförmige Esplanade zu , die den Kranz der Vorstädte von der Altstadt trennte . Compagnie Hohen-Vietz hatte die Tête . Als sie den Platz am Graben erreicht und mit der Raschheit alter Soldaten sich wieder rangiert hatte , setzte sich Vitzewitz an die Spitze der Seinen , zog den Degen und ritt im Galopp gegen die Dammbrücke vor , die , über den Graben weg , auf das alte Lebuser Tor zuführte . Dieses war geschlossen , und durch das obere Gatter fielen einzelne Schüsse . Kümmritz , der schon Anno vierundneunzig als » Kugelfang « gegolten hatte , erhielt einen Streifschuß , gleich darauf einen zweiten , ohne daß seine gute Laune oder die der Zunächststehenden gestört worden wäre ; jetzt aber stürzte der Sohn des alten Bauers Püschel zusammen , Kugel durch die Brust , und Vitzewitz , zurückprallend , murmelte vor sich hin : » Der erste Tote . « Alles stockte ; Schreck und Ratlosigkeit . Es ging nicht weiter . In diesem Augenblicke jagte Bamme die lange Kolonne herauf , bis in die Front des Zuges , und mit seinem dicken Fischbein auf die zweiräderigen Karren zeigend , die nach rechts hin in der von ihm Tages zuvor schon wohlbemerkten Torausbuchtung standen , rief er Kniehase zu : » Vier Mann vor ! Ich kenn unsere Stadttore ; wurmstichig wie Bierpfropfen . Ran ! Und weg mit dem Bettel ! « Und krach , da lag es , und unter Hurra brachen jetzt unsere Vordersten in Alt-Frankfurt ein . Alles vom Feinde floh in die Wache ; nur der Posten vorm Gewehr , ein Voltigeur mit einem Spitzbart , hielt noch aus , und Vitzewitz hob eben den Arm , um ihn in Revanche für den Toten , der draußen vor dem Gattertore lag , niederzuhauen , als Hanne Bogun aalglatt an ihm vorbeischoß und den Voltigeur von der Seite her niederstach . » Petit crevé ! « rief der tödlich Getroffene und sank zu Boden . Der Rest des Bataillons rückte nach , und als sich in den nächstfolgenden Minuten alles auf dem Brückendamm und zum Teil auch schon unter dem tiefen