so kann darauf entfliehen , was nicht fechten kann und nicht sterben soll . Auch du kannst dann , wenn du es vorziehst , nach Spanien entfliehen . « » Ich will mit dir - , mit euch sterben . « » In wenig Wochen können die westgotischen Segel vor der Stadt erscheinen . Bis dahin reichen meine Speicher - der letzte Trost . Doch , das mahnt mich an deinen Wunsch : - Hier ist der Schlüssel zu dem Haupttor der Speicher . Ich trag ' ihn Tag und Nacht auf meiner Brust . Bewahre ihn wohl : - er verwahrt meine letzte Hoffnung . Er schließt das Leben von vielen Tausenden ein . Es war meine einzige Mühewaltung , die nicht fruchtlos blieb . Mich wundert , « fügte er schmerzlich hinzu , » daß nicht die Erde sich aufgetan hat oder Feuer vom Himmel gefallen ist , diese meine Bauten zu verschlingen . « Und er nahm den schweren Schlüssel aus dem Brustlatz seines Wamses . » Hüt ' ihn wohl , es ist mein letzter Schatz , Mataswintha . « » Ich danke dir , Witichis - König Witichis - « , sagte sie , verbessernd , und griff nach dem Schlüssel , aber ihre Hand zitterte . Er fiel . » Was ist dir , « fragte der König , den Schlüssel ihr in die Rechte drückend , - sie steckte ihn in den Gürtel ihres weißseidnen Unterkleides - » du zitterst ? Bist du krank ? « setzte er besorgt hinzu . » Nein - es ist nichts . - Aber sieh mich nicht an so - so wie jetzt und wie heute morgen ... - « » Vergib mir , Königin , « sagte Witichis , sich abwendend . » Meine Blicke sollten dich nicht kränken . Ich hatte viel , recht viel Gram in diesen Tagen . Und wenn ich nachsann , mit welcher Schuld ich all dies Unglück verdient haben könnte ... « - seine Stimme wurde weich . » Dann ? o rede ? « bat Mataswintha hingerissen . Denn sie zweifelte nicht mehr an dem Sinn seines unausgesprochenen Gedankens . » Dann hab ' ich , unter all ' den ringenden Zweifeln , oft auch gedacht , ob es nicht Strafe sei für eine harte , harte Tat , die ich an einem herrlichen Geschöpf begangen . An einem Weibe , das ich meinem Volk geopfert - . « Und unwillkürlich sah er im Eifer seiner Rede auf die Hörerin . Mataswinthens Wangen erglühten : sie faßte , sich aufrecht zu halten , nach der Lehne des Stuhles neben ihr . » Endlich - endlich erweicht sein Herz und ich - was habe ich ihm getan ! « dachte sie , » und Er bereut - « » Ein Weib , « fuhr er fort , » das unsäglich um mich gelitten , mehr als Worte sagen können . « - » Halt ein ! « flüsterte sie so leise , daß er es nicht vernahm . » Und wenn ich dich in diesen Tagen um mich walten sah , weicher , milder , weiblicher als je zuvor - dann rührtest du mein Herz mit Macht : und Tränen drangen in meine Augen . « - » O Witichis ! « hauchte Mataswintha . » Jeder Ton deiner Stimme sogar drang tief in meine Seele . Denn du mahnst mich dann so ganz , so herzerschütternd an - « » An wen ? « fragte Mataswintha und wurde leichenblaß . » Ach an sie , die ich geopfert ! Die alles um mich gelitten , an mein Weib Rauthgundis , die Seele meiner Seele . « Wie lange hatte er den geliebten Namen nicht mehr laut gesprochen ! Jetzt überwältigte ihn bei diesem Klang die Macht des Schmerzes und der Sehnsucht : und in den Stuhl sinkend bedeckte er sein Gesicht mit beiden Händen . Es war gut . Denn so bemerkte er nicht , wie es blitzähnlich durch die Gestalt der Königin zuckte , ihr schönes Antlitz sich medusenhaft verzerrte . Doch hörte er einen dumpfen Schlag und wandte sich . Mataswintha war zu Boden gesunken . Ihre linke Hand klammerte sich in die durchbrochene Rücklehne des Stuhls , an dem sie niedergeglitten war , während die Rechte sich fest auf den Mosaikboden stemmte . Ihr bleiches Haupt war vorgebeugt , das prachtvoll rote Haar flutete , losgerissen aus dem Scheitelband , über ihre Schultern : ihre scharf geschnittenen Nüstern flogen . » Königin ! « rief er hinzueilend , sie aufzuheben , » was hat dich befallen ? « Aber ehe er sie berühren konnte , schnellte sie wie eine Schlange empor und richtete sich hoch auf : » Es war eine Schwäche , « sagte sie , » die jetzt vorbei : - leb wohl ! « Wankend erreichte sie die Tür und fiel draußen bewußtlos in Aspas Arme . * * * Unterdessen hatte sich das unheimliche , drohende Ansehen der ganzen Natur noch gesteigert . Die kleine , rundgeballte Wolke , die Cethegus am Tage zuvor bemerkt , war der Vorbote einer ungeheuren schwarzen Wolkenwand gewesen , welche die Nacht über aus dem Osten aufgestiegen war , jedoch seit dem Morgen unbeweglich , wie Verderben brütend , über dem Meere stand und die Hälfte des Horizonts bedeckte . Aber im Süden brannte die Sonne mit unerträglich stechenden Strahlen aus dem unbewölkten Himmel . Die gotischen Wachen hatten Helm und Harnisch abgelegt : sie setzten sich lieber den Pfeilen der Feinde als dieser unleidlichen Hitze aus . Kein Lüftchen regte sich mehr . Der Ostwind , der jene Wolkenschicht heraufgeführt , war plötzlich gefallen . Unbeweglich , bleigrau lag das Meer : die Zitterpappeln im Schloßgarten standen regungslos . Allein in die tags zuvor ebenfalls verstummte Tierwelt war Angst und Unruhe geraten . An dem heißen Sand der Küste hin flatterten Schwalben , Möven und Sumpfvögel unsicher , ziellos , hin und her , ganz