mir , und verzeiht er mir dennoch : so ist es recht und billig , daß ich keinen Haß gegen den Florentin trage , und so will ich denn recht aufrichtig beten : vergib uns unsere Schuld , so wie wir vergeben unseren Schuldigern . Ist nun alles in der Ordnung , hochwürdiger Herr ? « » Alles , guter Wendel , « sagte Levin gerührt ; » und nun folgt auf Eure Demütigung die Gnade und auf Euer Opfer der Trost . « Und er öffnete die Türe nach der großen Familienstube , wo alle Bewohner des Bauernhofes still beisammen saßen . Die Bäuerin hatte den Altartisch so gestellt , daß Wendel von seinem Bett aus ihn sehen konnte ; sie zündete die Kerzen an , Levin begann die Gebete , alle knieten nieder und er gab ihnen den Segen mit dem Sanktissimum . Wendel hatte sich von seinem ältesten Sohn etwas aufrichten lassen und saß , mit dem Kopf an dessen Brust gelehnt und von dessen Armen unterstützt , auf seinem Lager , unverwandten Blickes allen Bewegungen Levins folgend . Als dieser mit der heiligen Hostie die Schwelle des Kämmerleins betrat , nahm Wendel alle seine Kraft zusammen , faltete seine matten Hände und sagte mit dem Ausdruck demütigster Freude : » Mein lieber Herr Jesus , kommst Du wirklich zu mir armen Sünder ! « Nach dem Empfang der heiligen Wegzehrung schloß er die Augen und streckte sich ruhig aus zum Sterben . » Bleib Du in ihm , auf daß er in Dir bleibe , « betete Levin und spendete ihm , da Wendel durchaus bei Besinnung war , die letzte Ölung , die den Leib des Staubes für den Todeskampf stärkt und ihm die Weihe bringt für die dereinstige glorreiche Auferstehung . Vom ersten Atemzug ihrer Kinder bis zum letzten sorgt die übernatürliche Mutter , die Kirche , für deren übernatürliches Leben ; und mit der äußersten Kraftanstrengung bemeisterte Levin seine steigende Schwäche , damit kein Atom der Gnade , welche an die heiligen Sakramente geknüpft ist , durch seine Schuld dem Sterbenden verloren gehe . Als alles beendet war fiel Wendel in seine frühere Bewußtlosigkeit zurück und die Seinen priesen den barmherzigen Gott , der ihm die paar leichten Stunden geschenkt hatte . Jetzt erst kam Levins Wagen und der Kammerdiener erzählte , sie kämen so spät , weil dies die zweite Ausfahrt sei . Bei der ersten gerieten sie vom Wege ab in einen überschneiten Graben ; der Wagen fiel und es brach ein Rad . » Wie gut und notwendig war es , daß ich mich zu Fuß aufmachte ! « antwortete Levin . » Ich wäre untröstlich , wenn durch meine Zögerung der arme Wendel nicht mehr die heiligen Sterbsakramente empfangen hätte . « Er nahm die Stola ab , das Zeichen des Priesteramtes , welches er übt , indem er dies Symbol des Joches Christi auf seinen Nacken legt ; und gleichsam als überließe der übernatürliche Mensch jetzt den natürlichen seiner Hinfälligkeit , sank Levin in die Arme seines Dieners , während sich die Schmerzen seiner Brust in einem Strom von Blut Luft machten . Alle gerieten in die furchtbarste Bestürzung ; niemand wußte , was gegen einen solchen Anfall zu tun , wie dessen Wiederkehr zu verhüten sei . Levin fühlte sich totesmatt ; aber im Bauernhof war er ja den guten Leuten zur höchsten Last . Er ließ sich also zum Wagen tragen , der ihn ganz langsam , um jede Erschütterung zu vermeiden , nach Windeck zurück fuhr . Zwar hatte ihn die Bäuerin in warme Decken eingehüllt , aber mit jedem Atemzuge in der kalten Luft sog seine wunde Brust den Tod ein , und als er anlangte , war er ein Sterbender , der nur noch mit ganz leisem Flüstern den Pater Guardian von Englberg begehrte . Die trostlose Dienerschaft schickte auch zum Arzt und die Haushälterin und sein Kammerdiener wollten ihm einstweilen durch Hausmittel einige Linderung verschaffen . Doch er bewegte sanft verneinend die Hand und sagte nur : » Pater Guardian ! « Der war schnell zur Stelle und ein freudiger Blick empfing ihn , als er an Levins Bett trat . Dieser hatte soeben einen zweiten und noch heftigeren Blutsturz gehabt und war der Sprache fast nicht mehr mächtig ; darum sagte der Pater , er müsse sich zuvor erholen und nicht jetzt beichten . Aber Levin erwiderte : » Ich habe keine Zeit zu verlieren ! « und obgleich er mit der größten Anstrengung sprach , und der Pater sich tief zu ihm herabneigen mußte , um die flüsternde Bewegung seiner Lippen zu verstehen , so ging er doch mit ruhiger Sammlung alles in seinem Leben durch , was ihm als Beleidigung Gottes erschien . Das war ihm in diesem Augenblick der Schwäche und Erschöpfung nur deshalb möglich , weil er sich seine Sünden immer vor Augen hielt , immer von neuem bereit war , sich vor Gott anzuklagen und Buße zu tun . Vor wenigen Stunden hatte er die heilige Wegzehrung gespendet ; jetzt empfing er sie . Sein Auge hatte dabei einen Glanz , als spiegelte sich schon die Glorie des ewigen Lichtes darin ab . Was er für Wendel gebetet hatte , betete er jetzt für sich selbst : » Bleib Du in mir , auf daß ich in Dir bleibe . « Das ist das ganze Geheimnis des christlichen Lebens , der Inbegriff seiner Vollkommenheit hienieden , seiner Verherrlichung im Jenseits . Das innere Leben des Christen ist - das Leben Jesu in ihm , und diese ebenso wahrhafte als geheimnisvolle Verbindung beruht auf dem würdigen Empfang des wahren Leibes und Blutes des Herrn in heiliger Kommunion . Diese Verbindung gibt sich kund nicht durch äußerliche Glanz- und Großtaten , sondern durch eine wundervolle Schönheit der Seele , die sich in tausend Tugendstrahlen entfaltet . Diese Tugenden sind Gnadenblumen , gehen nur aus der Vereinigung der menschlichen Natur mit der göttlichen Natur , deren Träger und Mittler