wie herübergerettete Heiligtümer in Tempel gebracht . In entarteten Völkern blüht zuweilen , aber sehr selten , ein reines Werk wie ein vereinsamter Strahl hervor , es wird nicht beachtet und wird später von einem Menschenforscher entdeckt , wie jener Gerechte in Sodoma . Damit aber der Dienst der Kunst leichter erhalten werde , sind in jedem Zeitalter solche , denen ein tieferer Sinn für Kunstwerke gegeben ward , sie sehen mit klarerem Auge in ihre Teile , nehmen sie mit Wärme und Freude in ihr Herz , und übergeben sie so ihren Mitmenschen . Wenn man die Erschaffenden Götter nennt , so sind jene die Priester dieser Götter . Sie verzögern den Schritt des Unheiles , wenn der Kunstdienst zu verfallen beginnt , und sie tragen , wenn es nach der Finsternis wieder hell werden soll , die Leuchte voran . Wenn ich nun ein solcher war , wenn ich bestimmt war , durch Anschauung hoher Gestalten der Kunst und der Schöpfung , die mir ja immer mit freundlichen Augen zugewinkt haben , Freude in mein Herz zu sammeln , und Freude , Erkenntnis und Verehrung der Gestalten auf meine Mitmenschen zu übertragen , so war mir meine Staatslaufbahn in diesem Berufe wieder sehr hinderlich , und dürftige Spätblüten können den Sommer , dessen kräftige Lüfte und warme Sonne unbenützt vorüber gingen , nicht ersetzen . Es ist traurig , daß man sich nicht so leicht den Weg , der der vorzüglichste in jedem Leben sein soll , wählen kann . Ich wiederhole , was wir oft gesagt haben , und womit Euer ehrwürdiger Vater auch übereinstimmt , daß der Mensch seinen Lebensweg seiner selbst willen zur vollständigen Erfüllung seiner Kräfte wählen soll . Dadurch dient er auch dem Ganzen am besten , wie er nur immer dienen kann . Es wäre die schwerste Sünde , seinen Weg nur ausschließlich dazu zu wählen , wie man sich so oft ausdrückt , der Menschheit nützlich zu werden . Man gäbe sich selber auf , und müßte in den meisten Fällen im eigentlichen Sinne sein Pfand vergraben . Aber was ist es mit der Wahl ? Unsere gesellschaftlichen Verhältnisse sind so geworden , daß zur Befriedigung unserer stofflichen Bedürfnisse ein sehr großer Aufwand gehört . Daher werden junge Leute , ehe sie sich selber bewußt werden , in Laufbahnen gebracht , die ihnen den Erwerb dessen , was sie zur Befriedigung der angeführten Bedürfnisse brauchen , sichern . Von einem Berufe ist da nicht die Rede . Das ist schlimm , sehr schlimm , und die Menschheit wird dadurch immer mehr eine Herde . Wo noch eine Wahl möglich ist , weil man nicht nach sogenanntem Broderwerbe auszugehen braucht , dort sollte man sich seiner Kräfte sehr klar bewußt werden , ehe man ihnen den Wirkungskreis zuteilt . Aber muß man nicht in der Jugend wählen , weil es sonst zu spät ist ? Und kann man sich in der Jugend immer seiner Kraft bewußt werden ? Es ist schwierig , und mögen , die beteiligt sind , darüber wachen , daß weniger leichtsinnig verfahren werde . Lasset uns über diesen Gegenstand abbrechen . Ich wollte Euch das , was ich gesagt habe , sagen , ehe ich Euch erzähle , wie ich mit den Angehörigen Eurer künftigen Braut zusammen hänge . Ich sagte es Euch , damit Ihr ungefähr den Stand beurteilen könnt , auf dem ich nun stehe . Wir wollen zur Fortsetzung eine andere Zeit bestimmen . « Nach diesen Worten ging das Gespräch auf andere Gegenstände über , wir machten dann auch einen Spaziergang , dem sich auch Gustav zugesellte . 4. Der Rückblick Ohne daß ich eine nähere oder entferntere Aufforderung oder Bitte gemacht hätte , fuhr mein Gastfreund nach Verlauf eines Tages in seinen Mitteilungen fort . Er hatte gefragt , ob er eine Zeit in meinem Zimmer zubringen dürfe , und ich hatte es begreiflicher Weise bejaht . Wir saßen an einem angenehmen und stillen Feuer , das von sehr großen und dichten Buchenklötzen unterhalten wurde , er lehnte sich in seinem Polsterstuhle zurück und sagte : » Ich möchte , wenn es Euch genehm ist , heute meine Mitteilungen an Euch vollenden . Ich habe Sorge getragen , daß wir nicht gestört werden , Ihr dürft nur sagen , ob Ihr mich hören wollt . « » Ihr wißt , daß es mir nicht nur angenehm , sondern auch meine Pflicht ist « , antwortete ich . » Zuerst muß ich von mir erzählen , « begann er , » es dürfte so notwendig sein . Ich bin im Dorfe Dallkreuz in dem sogenannten Hinterwalde geboren worden . Ihr wißt , daß der Name Hinterwald nicht mehr so viel zu bedeuten hat , als er sagt . Einmal war er wie über die ganze Gegend , welche von unserem Strome als ein Gebilde von Hügeln nordwärts geht , auch über die Gründe von Dallkreuz verbreitet . Dallkreuz war damals nicht , und sein Entstehen mochte mit dem Aufschlagen von einigen Holzarbeiterhütten begonnen haben . Jetzt sind Felder , Wiesen und Weiden über das ganze Hügelland gebreitet , und einige Reste der alten Waldungen schauen ernst auf diese Gründe herab . Das Haus meines Vaters stand außerhalb des Ortes in der Nähe einiger anderer , war aber doch frei genug , um auf Wiesen , Felder , Gärten und im Süden auf ein sehr schönes blaues Waldband zu sehen . Als ich ein Knabe von zehn Jahren war , kannte ich alle Bäume und Gesträuche der Gegend und konnte sie nennen , ich kannte die vorzüglichsten Pflanzen und Gesteine , ich kannte alle Wege , wußte , wohin sie führten , und war in allen benachbarten Orten schon gewesen , die sie berühren . Ich kannte alle Hunde von Dallkreuz , wußte , welche Farben sie hatten , wie sie hießen , und wem sie gehörten . Ich liebte die Wiesen , die Felder , die Gesträuche , unser Haus außerordentlich , und unsere