gegeben , und selbst Dübois befriedigt war , dem Evremont alle die Liebe und Achtung bewies , die der Greis verdiente , und für die liebende Aufmerksamkeit den innigsten Dank sagte , die er seinem Knaben gewidmet , fanden ruhigere Gespräche Statt , und die Blicke der Männer richteten sich auf die öffentlichen Angelegenheiten . Aber ehe noch die wichtige Frage zwischen Vater und Sohn entschieden war , ob es Evremonts Pflicht sei oder nicht , sich den französischen Kriegern anzuschließen , war die Schlacht bei Waterloo geschlagen , und Napoleons zweite Abdankung machte jeden Streit hierüber überflüssig . Der neue Friedensschluß war für Frankreich drückender als der erste , und indem Evremont darüber trauerte , daß seinem Vaterlande Provinzen entrissen wurden , lag ein tröstendes Gefühl darin , daß sein Interesse nicht mehr von dem seiner Eltern verschieden war , denn seine Güter jenseits des Rheins , die er fortan unter preußischer Regierung besitzen sollte , machten ihn wie den Grafen zum Bürger dieses Staates . Evremont hatte das Leben in so vielfacher Gestalt kennen gelernt , daß er , obwohl noch jung , dem öffentlichen Antheile daran gern entsagte , und sich und seiner Familie zu leben beschloß - ein Entschluß , der Emilien in Entzücken versetzte und von den Eltern höchlich gebilligt wurde , und nur Adele , ob sie gleich erfreut war , alle Gefahr für den geliebten Neffen geendigt zu wissen , empfand es doch schmerzlich , daß sie die still genährte Hoffnung , Evremont noch einst als französischen Marschall zu sehen , aufgeben sollte . Der Graf machte sie auf die Unmöglichkeit aufmerksam , als preußischer Unterthan in der französischen Armee zu dienen . Ja , ja , bemerkte sie seufzend , ich sehe es ein , das sind die traurigen Folgen von Frankreichs Unglück . Es war noch eine kurze Trennung Evremonts von der Familie nothwendig . Er mußte nach Paris reisen , um seinen förmlichen Abschied aus der französischen Armee sich auszuwirken , den er leicht zu erhalten hoffte , da alle Krieger , die unter Napoleon gefochten hatten , nur zu bereitwillig von der neuerdings zurückgekehrten Regierung entlassen wurden . Aber diese Reise verzögerte sich , weil er sich nicht entschließen konnte , nach so langer Abwesenheit seine Familie sogleich wieder zu verlassen , und weil er seinen Aufenthalt in Paris auf so kurze Zeit zu beschränken dachte , daß er selbst nicht Emilie bereden mochte ihn zu begleiten , denn wenn er auch die Absicht hatte , daß sie Paris und Frankreich sehen sollte , so wollte er dieß doch aufschieben , bis Frankreich erst wieder mehr Ruhe und Würde erlangt hätte und also auch mehr Genuß gewähren könnte . Es verzögerte sich also Evremonts Abreise von Woche zu Woche , und die Zögerung selbst wurde immer drückender , weil die Nothwendigkeit , sich endlich zu einer unangenehmen Handlung zu entschließen , täglich dringender wurde . In dieser Zwischenzeit trafen Briefe aus Hohenthal ein , an denen sich Jeder auf verschiedene Weise erfreute . Die Schwestern des Grafen Robert waren an Wertheim , dem das kleine Gut unter sehr billigen Bedingungen überlassen war , und an Lehndorf , der die gewünschte Anstellung erhalten hatte , verheirathet , und auch der Arzt hatte seine Verbindung auf ' s Glänzendste gefeiert , wobei seine Schwiegermutter alle Kunst des Backens und Kochens entfaltet hatte , um die Gäste gehörig zu bewirthen , und , über die Maßen erhitzt durch die übernommene Anstrengung , bei der Bewirthung in ihrem bunten Pariser Putz eine seltsame Erscheinung gewährt hatte . Die Freude des Arztes war aufs Höchste gesteigert worden , weil er wirklich das eiserne Kreuz vor seiner Hochzeit erhielt und es an diesem Ehrentage an einem möglichst langen Bande an der Brust tragen konnte . Mit Uebermuth hatte er auf den Prediger geblickt , indem er zwischen den Fingern das Ehrenzeichen hin und herbewegte , und ihm gesagt : Sie hätten es auch haben können , wenn Sie vernünftigem Rathe Gehör gegeben hätten und uns gefolgt wären , um sich wie wir dem Dienst des Vaterlandes zu weihen . Dieser Uebermuth des Arztes hätte beinah eine unangenehme Störung veranlaßt , indem die Antwort des Predigers , der seiner Empfindlichkeit Raum gab , nicht so gemäßigt ausfiel , als seiner geistlichen Würde , besonders an diesem Tage , angemessen war . Ueberhaupt theilte sich der große Kreis der Gesellschaft in und um Hohenthal seit diesen mannigfachen Verbindungen oft in zwei kleinere , wovon der eine sich um den Grafen Robert vereinigte , während in dem andern der Prediger und der Arzt einander , oft nicht ohne Heftigkeit , den Vorrang streitig zu machen suchten . Der Arzt gründete seine Ansprüche auf die Wissenschaft , sein Haus mit dem Balkon , seinen botanischen Garten , seine Verdienste und vor Allem auf das eiserne Kreuz , und wurde dabei auf ' s Lebhafteste von seiner Schwiegermutter unterstützt . Der Prediger fühlte die Ueberlegenheit seines Geistes ; er war so gewohnt den Arzt zu übersehen , und dieser hatte seine geistige Ueberlegenheit so lange stillschweigend anerkannt , daß nun dem Geistlichen die Anmaßung seines Freundes wie eine Rebellion erschien , die er durch alle Mittel beißenden Witzes und schneidender Verachtung zu unterdrücken strebte , indem er durchaus sich nicht darein finden konnte , daß der Arzt seit seinem Feldzuge ein anderer Mann geworden war . Nicht selten wurde die Spannung zwischen Beiden so groß , daß der Graf Robert vermittelnd dazwischen treten mußte , um die Versöhnung zu bewirken , die indeß niemals schwer zu bewerkstelligen war , weil beide Freunde zu sehr fühlten , wie sehr sie einander bedurften . Von den verschiedenen Nachrichten , die diese Briefe enthielten , erregte die , die den jungen Thorfeld betraf , Evremonts Theilnahme am Lebhaftesten , denn er hatte den jungen Mann in früheren Zeiten aufrichtig liebgewonnen , und so freute es ihn denn nun , daß auch er hoffen durfte , die Wünsche seines Herzens erfüllt zu sehen ,