der Regen und der Farbenkranz ; und allein die Sonne glänzte hinter ihnen . Durch den Fackeltanz der Wellen lief die Fahrt . Die Fernen glänzten und dampften herrlich . » Warum ergreifen die Fernen so mächtig die Seele , obgleich aus denselben Farben wie die Nähe gemalt ? « sagte Albano . » Das ist eben die Frage « , sagte Dian . Gewaltig lag das Meer wie ein Ungeheuer an den Küsten über ihren ganzen Weg nach Rom hin ausgestreckt und hob die Schuppen von Wellen auf und nieder . Albano sagte : » Da ich auf dem Vesuv das Gebürg ' ansah und das Meer : so dacht ' ich daran , wie klein und falsch teilet der enge Mensch die zwei Kolossen der Erde in kleine benannte Glieder entzwei und tut , als reiche nicht dasselbe Meer um die ganze Erde . « Seine Freundinnen konnten , zu innig und trübe bewegt , nichts antworten , und vor den fremden Augen standen ihnen keine Worte , kaum Blicke frei . Als Albano wieder das Schlachtfeld der Zeit , die Ruinen-Küste , näher sah , die den Mann ewig fassen und heben - die alten Tempel und Thermen , wie alte Schiffe auf dem Lande sterbend - hier einen niedergedrückten Riesentempel , dort eine Stadtgasse unten auf dem Meersboden193 - die heiligen Gedächtnissäulen und Leuchttürme voriger Größe leer und ausgelöscht neben der ewig jungen Schönheit der alten Natur : so vergaß er die Nachbarschaft seiner eignen Vergänglichkeit und sagte zu Linda , deren Auge er dahin gerichtet : » Vielleicht errat ' ich , was Sie jetzt denken , daß die Ruinen der zwei größten Zeiten , der griechischen und römischen , uns nur an eine fremde Vergangenheit erinnern , indes andere Ruinen uns nur gleich der Musik an die eigne mahnen , das dachten Sie vielleicht . « - » Wir denken hier gar nichts , « ( sagte Julienne ) » es ist genug , wenn wir weinen , daß wir fort müssen . « - » Wahrlich , die Prinzessin hat recht « , sagte Linda und setzte wie unmutig über Albano und alles dazu : » Und was ist das Leben weiter als eine gläserne Himmelspforte ? Sie zeigt uns das Schönste und jedes Glück , aber sie ist doch nicht offen . « Durch Zufälle fremder Umgebung waren sie gezwungen , sich mit kaltem Scheine zu verlassen und nach der Gewohnheit des neckenden Schicksals eine große Vergangenheit mit einer kleinen Gegenwart zu beschließen . Albano reisete , so schnell sein Sinn es vermochte , über die erhabne Welt um ihn her . Als er in Mola ankam , hört ' er die seltsame Nachricht , daß man in Gaeta eine ganze lederne Kleidung mit einer Maske weit im Meere schwimmend gefunden , die des aufgefahrnen Mönchs seine gewesen sein müsse und bei welcher man nichts so unbegreiflich gefunden als die Leerheit ohne einen toten Leib . - In Mola verduftete endlich die schöne Ischias-Insel , die hohe Himmelsburg , und der steigende Pol bedeckte unter andern südlichen Sternbildern auch dieses warme , das mit Glückssonnen so lange über ihm geschimmert ; und der letzte Stern des kurzen Frühlings ging hinab . Das ist das Leben , das ist das Glück . Wie der spielende Mond besteht es aus ersten und letzten Vierteln , und langsam nimmt es zu und langsam ab - in seiner Hoffnung , in seiner Furcht - ; ein kurzer Blitz ist der Vollmond der innersten Entzückung , eine kurze Unsichtbarkeit der Neumond der innersten Öde ; - und immer hebt das leichte Spiel wie der Mond seinen Kreis von neuem an . Dreißigste Jobelperiode Tivoli - Streit - Isola bella - die Kinderstube - die Liebe - Abreise 116 . Zykel Albano trat wieder bei dem Fürsten Lauria ab , der bisher in einem solchen Zustrom neuer Begebenheiten geschwommen war , daß er die Abwesenheit kaum innen geworden und sich über die Wiederkunft wundern wollte . Es war unterdessen der deutsche Krieg gegen Frankreich festgesetzt worden . Diese Botschaft trug er seinem Enkel voll von der freudigen Erwartung entgegen , welche große Szenen ein solcher Kampf entfalten müsse . Auch Albano wurde lange mit ihm von diesem hohen Strome gezogen , eh ' er daran dachte , daß diese Nachricht anders und niederschlagender auf seine Schwester wirken würde als auf ihn . Aber das heroische Feuer , in welches er sich mit dem politischen Lauria hineinsprach , spielte ihm einen leichten Sieg über die schwesterliche Liebe vor . Er wollte den Freundinnen seine Ankunft sagen , als er vom Fürsten vernahm , daß beide , wie er von der Fürstin Altieri , bei der sie wohnten , gehört , schon nach Tivoli gegangen . - Wie glücklich reisete er , die freundliche Absicht dieser Zwischenreise erratend , aus dem von Liebe und Frühling strahlenden Rom und sah ebenso heiter nach der Zukunft , wo sein Leben sich blühend auseinanderschlug , als nach Tivoli , wo er zwei Herzen an eines zu drücken hoffte . Er fand , da er in der Stadt Tivoli ankam , die feurigen Mädchen schon entwichen nach der Kaskade . Wie ein Mensch im Tempe-Tal oder vor dem Genfersee nur im unachtsamen Traum am Ufer vor den Wasserbildern des Himmels und der Erde vorübergeht , weil ihn die blühenden Urbilder rings umher umfangen und entzünden : ebenso glitten die Felsen der bevölkerten Landschaft und der runde Vestas-Tempel und die ineinanderfließenden Täler vom römischen Tore an bis zum Tempel , diese glänzenden Reihen glitten nur als Traum- und Wasserbilder vor dem Herzen vorüber , worin eine Geliebte lebendig blühte und mit der Fülle einer Welt eine Welt verdrängte . Er irrte unter dem Gewühle der Aussichten umher , ohne die schönste zu finden , als ihn ein kurzer blaßgelber reichgekleideter Mensch mit eingeschrumpftem Gesichte erblickte und mit dem seidnen Arm auf den Weg zur Kaskade zeigte , ungefragt sagend : wenn er die Damen suche