, der sie mit Befremden erkannte , zu verweilen . » Ein Abgesandter Belisars habe geheime Audienz : er sei schon lange im Gemach und werde es bald verlassen . « Da öffnete sich die Türe : - und Prokop stand zögernd auf der Schwelle . » König der Goten , « sprach er , sich nochmals wendend , » ist das dein letztes Wort ? « - » Mein letztes , wie ' s mein erstes war , « sprach der König voller Würde . - » Ich gönne dir noch Zeit : - ich bleibe noch bis morgen in Ravenna . « - - » Von jetzt an bist du mir als Gast willkommen , nicht mehr als Gesandter . « - » Ich wiederhole : fällt die Stadt mit Sturm , so werden alle Goten , die höher als Belisars Schwert , getötet - er hat ' s geschworen ! Weiber und Kinder als Sklaven verkauft - du begreifst : Belisar kann keine Barbaren brauchen in seinem Italien - dich mag der Tod des Helden locken : aber bedenke die Hilflosen - ihr Blut wird vor Gottes Thron - « - » Gesandter Belisars , ihr steht in Gottes Hand wie wir , leb wohl . « Und so mächtig wurden diese Worte gesprochen , daß der Byzantiner gehen mußte , so ungern er es tat . Die schlichte Würde dieses Mannes wirkte stark auf ihn . Aber auch auf die Lauscherin . Als Prokop die Türe schloß , sah er Mataswintha vor sich stehn und trat bewundernd einen Schritt zurück , geblendet von so viel Schönheit . Ehrerbietig begrüßte er sie . » Du bist die Königin der Goten ! « sagte er , sich fassend , » du mußt es sein . « » Ich bin ' s ! « sagte Mataswintha , » hätt ' ich das nie vergessen . « Und stolz rauschte sie an ihm vorüber . » Augen haben diese Germanen , Männer und Weiber , « sagte Prokop im Hinausgehen , » wie ich sie nie gesehen . « Zwanzigstes Kapitel . Mataswintha war inzwischen ungemeldet bei ihrem Gatten eingetreten . Witichis hatte alle Gemächer , welche die Amalungen , Theoderich , Athalarich , Amalaswintha bewohnt ( sie lagen im Mittelbau des weitläufigen Palastes ) unberührt gelassen und einige auch früher schon von ihm , wenn er die Wache am Hofe hatte , bewohnte Räume im rechten Flügel bezogen . Er hatte die Gold-und Purpurabzeichen der Amaler nie angelegt und aus seinen Zimmern allen königlichen Pomp entfernt . Ein Feldbett auf niedern Eisenfüßen , auf welchem sein Helm , sein Schwert und mehrere Urkunden lagen , ein langer Eichentisch und wenig Holzgerät standen in dem einfachen Gelaß . Er hatte sich nach des Gesandten Entfernung , erschöpft , mit dem Rücken gegen die Tür in einen Stuhl geworfen und stützte das müde Haupt in beiden Händen auf den Tisch . So hatte er den leicht schwebenden Schritt der Eintretenden nicht bemerkt . Mataswintha blieb , wie gebannt , an der Schwelle stehen . Sie hatte ihn noch niemals aufgesucht . Ihr Herz pochte mächtig . Sie konnte ihn nicht ansprechen : sie konnte nicht nähertreten . Endlich stand Witichis mit Seufzen auf . Da sah er die regungslose Gestalt an der Türe stehen . » Du hier , Königin ? « sprach er staunend und trat ihr einen Schritt entgegen . » Was kann dich zu mir führen ? « » Die Pflicht - das Mitleid « - sagte Mataswintha rasch . » Sonst hätte ich nicht - - ich habe eine Bitte an dich . « » Es ist die erste , « sagte Witichis . - » Sie betrifft nicht mich « fiel sie schnell ein - » Ich bitte dich um Brot für Arme , Kranke , welche - « Da reichte ihr der König schweigend die Rechte hin . - Es war das erstemal : sie wagte nicht , sie zu fassen : und hätte es doch , o wie gerne , getan . So faßte er selbst ihre Hand und drückte sie leicht . » Ich danke dir , Mataswintha , und bitte dir ein Unrecht ab . Du hast dennoch ein Herz für dein Volk und seine Leiden . Ich hätte das nie geglaubt : ich habe hart von dir gedacht . « » Hättest du von jeher anders von mir gedacht : - es wäre vielleicht manches besser . « » Schwerlich ! Das Unglück heftet sich an meine Fersen . Eben jetzt - du hast ein Recht , es zu wissen - brach meine letzte Hoffnung : Die Franken , auf deren Hilfe ich hoffte , haben uns verraten . Entsatz ist unmöglich : die Übermacht der Feinde durch den Abfall der Italier allzugroß . Es bleibt nur noch ein letztes : ein freier Tod . « » Laß mich ihn mit dir teilen , « rief Mataswintha , und ihre Augen leuchteten . - » Du ? nein ; die Tochter Theoderichs wird ehrenvolle Aufnahme finden am Hofe von Byzanz . Man weiß , daß du gegen deinen Willen meine Königin geworden ... - Du kannst dich laut darauf berufen . « » Nimmermehr ! « sprach Mataswintha begeistert . Witichis fuhr , ohne ihrer zu achten , in seinen Gedanken fort : » Aber die andern ! Die Tausende ! die Hunderttausende von Weibern , von Kindern ! Belisar hält , was er geschworen ! Es ist nur Eine Hoffnung noch für sie : - eine einzige ! Denn - alle Mächte der Natur verschwören sich gegen mich . Der Padus ist plötzlich so seicht geworden , daß zweihundert Getreideschiffe , die ich erwartete , nicht rasch genug den Fluß herabgebracht werden konnten : die Byzantiner haben sie aufgefangen ! Ich habe nun um Hilfe an den Westgotenkönig geschrieben : er soll seine Flotte senden . Die unsre ist ja in Feindes Hand ! Dringt sie in den Hafen ,