der Erneuerung bedurfte , schien gleichfalls niedergeschlagen , Mamsell Marianne aber blieb in einer beständigen , still unterdrückten Wuth . Die Bilder meiner Mutter und meiner verstorbenen Tante Amanda wurden aus dem Wohnzimmer in den Ahnensaal gebracht , und während die Uebrigen alle der Ankunft meines Vaters mit sehr ungünstigen Erwartungen entgegen sahen , unterhielten mich schon die bloßen Vorkehrungen für seine Rückkehr so angenehm , daß ich mich des Allerbesten von derselben versah . Der bloße Gedanke , daß noch andere Personen , als der Caplan und Mamsell Marianne , daß mein Vater und eine junge Frau im Schlosse leben würden , entzückte mich . Wenige Wochen nach meiner Confirmation , recht mitten in der Rosenzeit , traf dann mein Vater bei uns ein . Der Caplan hatte angeordnet , daß ich den Freiherrn im Schlosse erwarten sollte , da dieser sich den Empfang , wie er meiner Mutter an unserer Grenze zu Theil geworden und wie er sich für die Gutsherrschaft gebührte , verbeten hatte . Die Ungeduld litt mich aber nicht im Schlosse . Ich wußte damals noch nicht , sagte er - und wieder ging Angelika ' s schwermüthiges Lächeln über seine Züge - , was ich später wohl ahnte und was sich mir in diesem Briefe meines Vaters an den Caplan leider bestätigte , daß sein Verlangen nach mir nicht eben lebhaft war ; und den ersten großen Ungehorsam gegen den Befehl meines Mentors begehend , ließ ich mir heimlich mein Pferd satteln , um den sehnlich Erwarteten so bald als möglich zu begrüßen . Mein Vater erkannte mich im ersten Augenblicke nicht , als ich in den Bereich des Wagens kam . Er hatte mich als ein Kind verlassen , mich nur als Kind gedacht , und Vittoria hatte nach meines Vaters Aeußerungen auch nicht darauf gerechnet , einen fast erwachsenen jungen Menschen in mir zu finden . Sie rief mir in ihrer Muttersprache etwas zu , was ich nicht verstand ; da sie dies merkte , grüßte sie mich mit einer jener Handbewegungen , welche keine Nordländerin nachzuahmen vermag , und ich war bei ihrem Anblicke wie geblendet von ihrer Erscheinung . Sie können sich kaum vorstellen , rief er , sich unterbrechend , wie schön Vittoria damals war ; aber noch auffallender , als ihre Schönheit , war auch mir ihre große Jugend . Als sie vor dem Schlosse ausstieg , als mein Vater mich ihr , wie sich ' s gebührte , feierlich als ihren Stiefsohn vorstellte und sie mich umarmte , war ich vollends verwundert , sie kleiner als mich , sie überhaupt so klein zu finden , denn meine Mutter war sehr groß gewesen , und ich mußte mich schon damals bücken , meinen Mund dem Munde Vittoria ' s nahe zu bringen , sagte er erröthend . Sprach Ihre Stiefmutter nur das Italienische ? fragte Seba . O nein , ich sagte es Ihnen ja bereits , sie war auch des Französischen mächtig , und mit dem fremdartigen venetianischen Accente , der mir sehr lieblich in ihrem Munde klang , französisch zu mir sprechend , sagte sie : » Da ich zu jung bin , Deine Mutter zu sein und eine große Verehrung von Dir zu fordern , so entschließe Dich , mein Freund , mich zu lieben . Ich will das Gleiche thun , sei deß ganz gewiß ! « Und hat die Baronin das gehalten , lieber Arten ? Ich habe keinen besseren Freund , als sie ! betheuerte der Jüngling . Dann hielt er inne und ließ seiner Wirthin damit zu der Frage Zeit , ob Vittoria ' s Eltern noch am Leben wären und wo und wie sein Vater sie kennen gelernt habe . Vittoria war eine Waise , berichtete Renatus . Sie selbst hat mir , als ich erwachsen war , ihre Jugendgeschichte erzählt . Das Geschlecht der Giustiniani , dem sie angehört , ist sehr alt und weit verzweigt ; aber der Zweig , von dem sie stammt , war mittellos , und man hatte Vittoria , da ihre Eltern früh gestorben waren , zur Erziehung in ein Kloster gethan , in welchem man sie später den Schleier nehmen lassen wollte . Ich weiß nicht , ob ich sagen soll , zu ihrem Glücke , brachen die Blattern in dem Kloster aus , als sie auf dem Punkte stand , ihr Noviciat antreten zu müssen , und man sendete also zeitweilig alle Pensionäre zu deren Familien zurück . So kam Vittoria in das Haus der Marchesa Moncenigo , ihrer Tante , die damals , während des Sommers , eine Villa am Ufer der Brenta bewohnte ; aber man zog sie nicht in die Gesellschaft , die sich dort zur Villeggiatur versammelt hatte und zu der auch mein Vater gehörte . Man brachte das junge , weltfremde Mädchen mit einer Dienerin in einem verlassenen Casino im entlegensten Theile der Besitzung unter , da man nicht geneigt war , die mittellose Waise die Reize der Gesellschaft kosten zu lassen , in die einzutreten sie nicht bestimmt war . Ihre Rückkehr in die Mauern des Klosters stand ihr nahe bevor , als mein Vater bei einem einsamen Morgenspaziergange Vittoria an dem Fenster ihres Casino sah und sie , unbemerkt von ihr , eine jener alten Kirchen-Cantaten singen hörte , die Niemand , glaube ich , schöner als sie zu singen versteht . Mein Vater war von ihrer Schönheit wie von ihrer Stimme hingerissen . Er kehrte öfter wieder ; die Dienerin , welche man Vittoria zugesellt , hatte es bald herausgebracht , wer der Fremde sei und daß er ihrer jungen Herrin eine glänzende Zukunft zu bieten habe . Vittoria war ein Kind , sie sehnte sich , aus dem Kloster fortzukommen , wünschte in das Leben einzutreten , und wie hätte auf sie , der noch kein Mann genaht war , eine so einnehmende Persönlichkeit wie die meines Vaters ihren Eindruck verfehlen können ? Die Bewunderung , die sie ihm bezeigte , steigerte natürlich