, « sagte er , eilte in die Kapelle , versah sich mit dem heiligen Öl und mit dem heiligen Altarssakrament , ging dann nach dem Portierstübchen , wo der junge Mensch mit einer großen Laterne wartend und beängstigt saß , und rief ihm zu : » Komm jetzt ! laß uns eilen . « Da stürzte sein Kammerdiener ihm entgegen und bat : » O nur ein wenig Geduld , gnädiger Herr ! die Pferde werden schon angeschirrt .... « - » Keine Sekunde ! « unterbrach ihn Levin ; » es stirbt ein Mensch ! « - Und mit Jugendkraft eilte er durch die Nacht von dannen , nicht achtend den wütenden Sturm und das tolle Schneetreiben . Wendel hatte seit vier Jahren in dem stillen Blödsinn gelebt , in den die Schreckensnachricht von dem gräßlichen Selbstmord seiner Tochter ihn versetzte . In der letzten Zeit war ein körperlicher Marasmus eingetreten , der sein Ende herbeiführen mußte . Sein Geist aber blieb in der Stumpfheit . Noch vor einigen Tagen , gleich nach seiner Rückkehr aus Würzburg , hatte Levin ihn besucht , ihm und der braven Bäuerin , seiner Schwester , Reginas Abscheiden mitgeteilt . Während die gute Frau in Tränen zerfloß , wiederholte Wendel nur seinen alten Spruch : Gottes Mühlen mahlen langsam . Umso überraschender war es , daß die Krankheit jetzt eine Wendung und einen akuten Charakter nahm , der Geist aber , gleichsam aufgestachelt durch die nahe Gefahr , aus seiner Stumpfheit plötzlich erwachte und sich nach einer Vorbereitung auf den Eintritt in die Ewigkeit sehnte . Bis zur Ohnmacht erschöpft und von heftigen Stichen in die Brust gepeinigt , kam Levin im Bauernhof an . Er hatte den ganzen Weg fast im Lauf zurückgelegt , obgleich er Sturm und Schnee gegen sich hatte und der Schnee fußhoch auf dem Wege lag . Der Gedanke : es stirbt ein Mensch ! es verlangt eine Seele nach Versöhnung und Vereinigung mit ihrem Gott , ohne die kein ewiges Leben ihrer harrt - gab ihm Flügel , die Flügel der heiligen Liebe , welche der heilige Glaube in Schwung setzt . Wie ein Bote des Himmels wurde Levin auf dem Bauernhofe empfangen . Er war es ja auch ! er kam ja mit der himmlischen Arznei und der himmlischen Speise . Während man ihn bei dem Kranken allein ließ , der mit einem von Neue zermalmten Herzen alle Sünden seines Lebens an sich vorüberziehen ließ , um sich ihrer anzuklagen , weckte die Bäuerin alle im Hause und hieß sie sich festtäglich kleiden und sich bereit halten , der heiligsten Feier beizuwohnen , welche Gott den Herrn unter ihr Dach bringe . Knecht und Magd , ja ihr kleines Enkelchen , ein dreijähriges Kind , mußten aus dem Bett und in andächtiger Sammlung sich freuen der Ehre und des Heiles , die in dieser Nacht ihrem Hause widerfuhren . » Das Kind versteht ' s noch nicht ! « sagte die Schwiegertochter , aus Besorgnis , daß die Kleine eine Störung machen könne . » Tut nichts ! « entgegnete die Bäuerin ; » der liebe Gott hat die Kindlein gern gehabt und die Unmündigen gesegnet . Er soll auch unser Kind segnen . « Dann bereitete sie einen kleinen Tisch , umhing und bedeckte ihn altarmäßig mit feinen weißen Linnentüchern , stellte ein Kruzifix darauf , das sie als ein uraltes Erbstück in ihrer Familie ganz besonders in Ehren hielt , daneben zwei Wachskerzen , die sie just auf Maria Lichtmeß hatte weihen lassen , endlich ein kleines Weihwasserbrünnlein mit dem Zweige von Buxbaum , und harrte dann , still ihren Rosenkranz betend , bis Levin sie ins Kämmerlein rufen werde . Der arme Wendel hatte einen schweren Kampf zu bestehen ! er konnte sich nicht entschließen , dem unglücklichen Florentin seine Missetat zu vergeben . Es schien ihm , er sei ein Rabenvater , wenn er den Mann nicht hasse , der sein Kind für Zeit und Ewigkeit elend gemacht habe . Levin widerholte ihm umsonst , daß die Rose ja freiwillig ihm Gehör gegeben und in des Satans Fallstricke eingegangen sei . Da wollte er denn einen Teil ihrer Schuld auf sich nehmen , auf sein schlechtes Beispiel , seinen ungläubigen Wandel ; aber den anderen sollte Florentin tragen und dafür wollte er ihn hassen , so lange , wie die unglückliche Rose von der Seligkeit des Himmels ausgeschlossen sei : also vermutlich auf ewig . Endlich sagte Levin : » Aber Wendel , Ihr betet ja im heiligen Vaterunser , das der liebe Heiland selbst uns gelehrt hat : Vergib uns unsere Schuld , so wie wir vergeben unseren Schuldigern . Da hört Ihr ja die Bedingung , die ganz ausdrückliche , unter der Ihr Vergebung findet . Ihr müßt also auf Gottes Barmherzigkeit verzichten und ihn , den mildesten Herrn , zu Eurem Feinde machen , wenn Ihr in Feindschaft mit irgend einem Menschen verbleiben wollt . « » Ich will es nicht , hochwürdiger Herr , « seufzte Wendel ; » aber es macht sich von selbst so ! ich kann nicht anders . « » O bedenkt doch Wendel , daß die arme Rose nicht bloß Euer Kind , sondern auch ein Kind Gottes war ; daß der himmlische Vater sie viel mehr geliebt hat , als Ihr sie je lieben konntet ; daß Er nicht damit zufrieden war , wie Ihr sein Kind erzogt und was Ihr aus seinem Kinde machtet ; und obwohl Ihr sein göttliches Vaterherz noch tiefer betrübt und noch größere Schmach ihm angetan habt , als der Florentin Euch : so will Er Euch dennoch vergeben , wenn Ihr auch die Beleidigung von ganzem Herzen verzeihet . « » Sei es drum , hochwürdiger Herr , « sagte Wendel nach einer Pause , in welcher er leiblich und geistig schwer rang nach Atem und Selbstüberwindung ; hab ' ich dem lieben Gott wegen der Rose so bitteres Herzeleid zugefügt , wie der Florentin