Innern und sie klang wie aus dem Munde des Onkel Dechanten . Er trat hinter den Vorhang . 8. Ein kleines Gemach war es , in dem sich Bonaventura befand , das Schlafcabinet des Kirchenfürsten . Einfach wie eine Klosterzelle enthielt es einen hohen , alterthümlichen Kleiderschrank ; das Bett war einer Pritsche ähnlich , schmal und hart . Ringsum standen einige Stühle , die Vorrichtung eines Tropfbades hing an der Decke . An der Wand über dem Bett hing ein einfaches Crucifix von schwarzem Holze , darauf ein Christus von einer metallenen Composition . Der einzige Schmuck des Gemaches war ein Brustbild , einen jungen Mann darstellend , dessen Aehnlichkeit mit dem Kirchenfürsten wol darauf schließen ließ , daß es seinen durch des Rittmeisters von Enckefuß Hand im Duell gefallenen Bruder darstellte . Nebenan hing noch eine Wandkarte Europas und ein großer Stammbaum der Truchseß , der zurückführte in die Zeiten Karl ' s des Großen . Am äußersten Ende , da , wo alle Zweige einander näher sich rückten und das Ende des einst so reich entfalteten Geschlechts andeuteten , verlief er sich in welken Blättern . Die Spitze bildete der Name des Kirchenfürsten selbst . Auf dem dazu gehörenden Blatte saß ein Käfer , auf dessen goldener Flügeldecke ein schwarzer und ein weißer Todtenkopf abgebildet waren . Bonaventura konnte , ehe er mit beklommenem Herzen unter diesen Stammbaum sich setzte , die Umschau ruhig anstellen , denn es währte einige Zeit , bis der Kirchenfürst den Mönch einließ . Er schien entweder erst in seinem Bureau unter Papieren gesucht oder endlich den Brief seines Monarchen gelesen zu haben . Jetzt hörte man das leise Rauschen eines auf dem Fußboden anstreifenden Gewandes ... Mit lauter und deutlicher Stimme , sodaß dem gezwungenen Hörer kein Wort verloren gehen konnte , begann der Kirchenfürst : Setzen Sie sich , Pater ! Als dies geschehen sein konnte , hörte Bonaventura die Anrede : Ich habe Sie rufen lassen , um einige Worte mit Ihnen zu sprechen , Pater ; Worte , die sowol das Ihnen geschenkte Vertrauen betreffen , wie Ihr Seelenheil ! Ihr Provinzial hat mir Vollmacht dazu gegeben ... Keine Antwort ... Haben Sie hier einen Beichtvater ? begann der Kirchenfürst mit erhöhter Stimme ... Sebastus nannte jenen Domherrn , der sich in der Herausgabe des Origenes so vergriffen hatte und » mit seinen gesammelten Lesarten « in diesen Tagen beerdigt wurde ... Bei dem Rauschen eines Papieres durfte sich Bonaventura vorstellen , daß dem Mönche vom Kirchenfürsten ein Brief überreicht wurde ... Sie haben Unglück mit denen , denen Sie Ihr Vertrauen schenken ! sagte der Kirchenfürst . Auch der Provinzial Henricus , der Ihnen so innig zugethan war , lebt nicht mehr ... Vor einem Jahre , kurz vor seinem Ende , erhielt ich einen Brief von ihm , den Sie lesen sollen ! Zur Ermuthigung ! Ich hör ' ihn gern zum zweiten male ! Der Mönch las leise ... Seine Stimme lag hoch und hatte die norddeutsche Schärfe . Sie war für Bonaventura vollkommen vernehmlich . Er hörte : » Seit lange bin ich nicht in der Lage gewesen , Eurer Eminenz außer den Berichten , die über den Stand unseres Klosters an unsern P. General in Rom abgehen , auch eine gelegentliche Mittheilung über die Erlebnisse zu machen , die Ihrer hohen Fürsorge für die vaterländische Kirche in Erfahrung zu bringen von Werth sein könnte . Mein Wirken für die Ausbreitung der Mäßigkeitsvereine , die der Heilige Stuhl mit so besondern Gnaden gewürdigt hat , greift immer segensreicher um sich . Ist auch unsere Bevölkerung nicht so verkommen wie die Irlands , wo Pater Matthew den Geist der Mäßigung predigt , so stehen wir doch hinter dem , was Pastor Schläger auf dem protestantischen Gebiete leistet , nicht zurück . Ja , wir reichen uns auf diesem Gebiete die Hände ... « Hatte der Mönch schon bei Erwähnung einer bekannten Wirksamkeit des verstorbenen Provinzials Henricus , Verbreitung der Mäßigkeitsvereine , gestockt , so konnte der Kirchenfürst jetzt Zeit gewinnen , einzuschalten : Obgleich auch hier der Geist , aus dem beide Bekenntnisse zu wirken haben , ein völlig verschiedener sein sollte ... Der gute Henricus gehörte noch zu sehr den Freimaurern an und starb sogar , seltsam genug für einen Mönch , mit einem weltlichen und protestantischen Orden auf der Brust ! Was man früher nicht alles erlebt hat ! ... Lesen Sie aber ! Mit jenem Gehorsam , der zu seinen Gelübden gehörte und den von ihm zu fordern der jetzige Provinzial , auch Guardian , des Klosters Himmelpfort , des Pater Henricus Nachfolger , für die Zeit seines Verweilens außer Clausur auf die Curie dieser Stadt und den Kirchenfürsten übertragen hatte , las der Mönch weiter : » Heute möcht ' ich eine Bitte erheben zu Gunsten eines unserer Brüder , des Paters Sebastus ! Unser General hat mir gestattet , ihm eine Weile die Freiheit des außerklösterlichen Lebens zu gewähren . Aber daß sie die Regierung , die in diesem Punkte so streng ist , auch genehmigt , dafür kann nur Eurer Eminenz hohe Bürgschaft eintreten . « Ich schlug damals sein Anliegen ab ! ergänzte der Kirchenfürst . Der Mönch fuhr fort : » Freiherr von Wittekind-Neuhof war es , der uns diesen Novizen , einen ehemaligen Docenten der Rechte in Göttingen , zuführte , aufs dringendste anempfahl , ja väterlich beschützte , obgleich der zweite Sohn des Freiherrn im Duell von ihm erschossen war ... Nach einer Reihe von Unglücksfällen , innern und äußern Erschütterungen wandte sich der greise Freiherr mit besonderm Verlangen den Gnadenmitteln der Kirche zu , besuchte uns oft , schenkte Kirchen und unsern verschiedenen Stationen höchst werthvolle Gaben und überraschte uns eines Tages durch diesen jungen Mann , der an seiner Hand mit heiserer Stimme , hinfälligen Ganges , zerrüttet an Seele und Leib , an mein Kämmerlein pochte und vor Entkräftung auf meinem Lager zusammensank ... « Bonaventura hörte voll Schmerz die lauten Athemzüge