mehr dem heutigen Geschmacke angepaßt . Der junge Herzog hatte viel dazu beigetragen , denn er liebte die dicken Teppiche , welche den Schritt so unhörbar machen , sowie die weichen Fauteuils und die tiefen Fensternischen mit Blumenpartien , Sitzgelegenheiten mit den dies Alles verdeckenden Vorhängen . Dieses Apartement der Frau Herzogin , worin sie ihre kleinen Gesellschaften empfing , bestand aus drei Gemächern , das Vorzimmer natürlicherweise nicht mit eingerechnet . Im ersten , mit grauseidener Tapete sowie Fenstervorhängen und Portièren von Rosa mit Weiß , wurde geplaudert ; man konnte nicht leicht in der ganzen Welt heimlichere , lauschigere Winkel finden als hier . Da war Alles benutzt : die Ecken und Winkel des Zimmers , die Fensternischen , große Epheuwände , um es der Gesellschaft möglich zu machen , sich in kleinen Partien zu zersplittern und frei von allen lästigen Fesseln zu Drei oder auch zu Zwei ein animirtes Gespräch führen zu können . Ueber diesen Gruppen von leise Plaudernden hing ein Kronleuchter , dessen Lampen durch kunstreiche Porzellanschirme bedeckt und das Licht so gedämpft wurde , daß , wenn man von einem vollkommen hellen Gemach hier herein trat , einem die Beleuchtung nicht anders erschien , wie das sanfte Licht des Vollmondes . Die Frau Herzogin litt zuweilen an den Augen , und dann liebte sie es , sich hier in dieses Halbdunkel zurückziehen zu können . Das zweite Zimmer , in welchem gespielt wurde , war dagegen glänzend und strahlend . Seine Wände , mit gelber Seide bedeckt , warfen jeden Lichtstrahl hell zurück , die Vorhänge waren blau , und das Ameublement sehr einfach ; das heißt , es bestand aus zwei Spieltischen , an denen je vier Sessel standen , einige Fauteuils daneben für die Zuschauer , und zwei Eckdivans , vor welchen sich runde Tische befanden . Das dritte Zimmer endlich , das letzte der ganzen Reihe , welches heute Abend geöffnet war , hatte grüne Wände , dunkelbraune Vorhänge , und hier befanden sich große , reich incrustirte Tische , auf welchen die prachtvollsten Albums lagen . An einer Wand war eine riesenhafte Etagère von geschnitztem Palissanderholz in der angenehmen dunklen Farbe , fast ganz gleich mit der der Sammetvorhänge , welche man davor hinziehen konnte . Auf dieser Etagère lagen in den kostbarsten Einbänden die seltensten illustrirten Werke fast aller Nationen - die Bibliothek der Frau Herzogin . So sah dieses kleine Apartement aus , und wenn es , wie heute Abend , durch den hellen Schein der Kerzen und Lampen freundlich beleuchtet war , so angenehm und sanft durchwärmt , so durchduftet von Blumen und anderen Wohlgerüchen , wenn der Fuß des Eingetretenen so weich auf die dicken Teppiche trat , ja fast hinein sank , so mußte dieser sich gestehen , es sei das eine höchst behagliche , ja entzückende Wohnung ; namentlich aber , wenn er dann zufällig an ein Fenster trat und den Vorhang aufhob , um in die dunkle Nacht hinaus zu blicken , in die Straßen , durch welche ein eisiger Wind fegte . Es hatte eben acht Uhr geschlagen , als Graf Fohrbach , nachdem er drunten auf die Ermahnung des Kammerdieners hastig seine Schärpe abgeworfen , die Treppe hinauf eilte und in das graue Vorzimmer trat . Es waren , wie der Hofmarschall gesagt hatte , nur wenige Personen da : der Obersthofmeister , die Obersthofmeisterin , ein paar ältere Kammerherren , zwei Damen vom Dienst und einige pensionirte Excellenzen , deren Leidenschaft es war , dem Spiel Ihrer Majestät zuzuschauen und leise dafür oder dagegen zu wetten . Der dienstthuende Adjutant kam in der That schon etwas spät , denn Ihre Majestät war bereits eingetreten und die Frau Herzogin hatte bereits die Anwesenden begrüßt und sich darauf zu ihrer Schwester in ' s Spielzimmer zurückgezogen , wohin sich denn auch Graf Fohrbach auf einen bedeutungsvollen Blick des Hofmarschalls augenblicklich begab , um mit einer sehr tiefen Verbeugung gehorsamst einen guten Abend zu sagen und um Entschuldigung zu bitten , daß er so spät komme . Die Frau Herzogin geruhten aber gnädigst zu bemerken , der Graf habe heute den Dienst gehabt , und es habe ihn nur dieser einige wenige Augenblicke zurückgehalten . - » Denn , « fügte sie lächelnd bei , » Sie sind ja sonst ein wahres Muster von Pünktlichkeit . « Ihre Majestät begaben sich hierauf an den Spieltisch und bezeichneten den Hofmarschall als ihren Partner . Graf Fohrbach spielte also mit der Frau Herzogin . In dem Augenblicke , wo er sich auf seinen Stuhl niederlassen wollte , glitt der Kammerdiener Ihrer Hoheit wie ein Aal an seine Seite , that , als rücke er etwas an dem silbernen Leuchter des Spieltisches zurecht , und flüsterte mit einer tiefen Verbeugung und ganz ergebenst die Frage : » Seine Durchlaucht , der Herr Herzog , werden nicht spielen ? « Die Herzogin hatte aber diese Frage ebenfalls vernommen und versetzte , indem sie die Karten in die Hand nahm : » Mein Sohn wird wahrscheinlich erst zum Souper kommen ; ich vergaß , Ihnen das zu sagen . « Der Kammerdiener antwortete mit einer tiefen Verbeugung , wodurch er sich zu bedanken schien , daß er aus dem Munde der hohen Gebieterin selbst eine Auskunft erhalten . Dann aber schnellte er förmlich in die Höhe , hob seine lange bleiche Nase einige Zoll über das ihr gebührende Niveau , nahm eine sehr wichtige Miene an und spitzte zierlich seinen Mund . Graf Fohrbach hatte sich unterdessen niedergelassen und war eben beschäftigt , die Spielmarken an seiner Seite auf einander zu schichten , als er mit Verwunderung die dünne weiße Hand des Kammerdieners bemerkte , der sich mit einem süßen Lächeln bemühte , eben diese Marken an sich zu nehmen . Er sah ihn fragend an , worauf derselbe mit ganz leiser Stimme entgegnete : » Es sind die Marken Seiner Durchlaucht ; ich legte sie dahin , weil ich geglaubt , der Herr Herzog würden selbst spielen