sein Bild nun doch nicht so wurde , wie es nach allen diesen Umständen hätte werden sollen . Das zu einer Sache berufene besondere Talent macht diese , sobald ihm ein Licht aufgesteckt ist , ohne weiteres immer gut , und das erste , was es von Hause aus mitbringt , ist ein glückliches Geschick zum vollständigen Gelingen . Der allgemeine wohleingerichtete Kopf aber kann sich mit hundert Dingen beschäftigen , dieselben verstehen und einsehen , ohne es darin zu einem reif gestalteten Abschluß zu bringen ; nur eine lange und bittere Erfahrung oder eine augenblickliche Erleuchtung können manchmal ein vorübergehendes Zusammenraffen und eine Ausnahme hervorbringen , welche aber das ganze Wesen nur noch rätselhafter und meistens mißlicher machen . Dies ist das innere Wesen des gebildeten , strebsamen , talentvollen Dilettantismus , und tausend Existenzen in allen Lebenstätigkeiten , berühmt oder unberühmt , haben in ihm ihr Geheimnis . Sie treiben und betreiben , suchen und haschen im Schweiße ihres Angesichtes und mit hochtrabender Zufriedenheit , während ihr wahres Geschick , ihre eigentümliche Kraft schlummert für ewige Zeiten oder für eine andere Sache aufbewahrt bleibt . Besonders in Literatur und Kunst sucht der Dilettantismus die mangelnde naive Meisterschaft durch Neuheit und Betriebsamkeit in allerhand Versuchen zu ersetzen , zeichnet sich fortwährend durch halbe Anläufe aus und gewinnt nach diesen einige Poesie , einiges Pathos in einem wehmütigen elegischen Ende . Er bereitet die Blütenzeit vor , bringt sie zu Fall und verscharrt sie eifrigst , düngt aber wieder ihr Grab zu neuem Wachstum . Er ist der große Vermittler , Dämpfer und Hinhalter in der Weltökonomie ; denn wenn die schlafenden Meisternaturen , die zweifelsohne jeden Augenblick vorhanden sind , aber unbewußt hinter dem Pfluge gehen oder auf dem Dreifuß des Schusters sitzen , alle ihre Bestimmung entdecken und erfüllen würden , so würde unsere Erdenherrlichkeit längst ihr Lied abgeschnurrt haben , gleich einer Uhr , aus welcher man die Hemmung genommen hat ; denn jenes Liedchen hat eigentlich einen einfachen und eintönigen Inhalt . Indessen ist der Dilettantismus trotz seiner umfangreichen Macht ein unerfreuliches Dasein ; im Grunde sind trotz aller äußeren Schicksale nur die Meister glücklich , d.h. die das Geschäft verstehen , was sie betreiben , und wohl jedem , der zur rechten Zeit in sich zu gehen weiß . Er wird , einen Stiefel zurechthämmernd , ein souveräner König sein neben dem hypochondrischen Ritter vom Dilettantismus , der im durchlöcherten Ordensmantel melancholisch einherstolziert . Heinrichs Werklein , als es fertig war , sah nun höchst seltsam aus . Er hatte sich die vollsaftige Frische des Vortrages , auf welche die von dem Meister geratene Anordnung durchaus berechnet war , doch nicht geben können und war unwillkürlich wieder in seine blasse traumhafte Malerei verfallen , während die vielen naiven und liebenswürdigen Züge eines erfindungslustigen Gemütes , welche auch ein solches mangelhaftes Werk gewissermaßen ansprechend und unterhaltend machen , daraus entfernt waren . So stellte es nun durch seinen gesichteten Inhalt und das magere scheinlose Machwerk den geübten geistreichen Dilettantismus dar , obgleich es auf der Stube noch ziemlich respektabel aussah und von den Leuten , welche das ernstlich Angestrebte , aber nicht ganz Gelungene immer zärtlicher behandeln als das schlechtweg Gute , vergnüglich belobt wurde . Er ließ es nun mit einem knappen hölzernen Rahmen versehen , um dem Bilde noch mehr ein ernstgemeintes und gelehrtes Ansehen zu geben , brachte es auf den Saal , wo wöchentlich die neuesten Arbeiten ausgestellt wurden , gab schüchtern und verschämt die Anzeige der Verkäuflichkeit und den Preis ab , der ihn nun bis auf weiteres ernähren sollte , und zog sich so eilig aus dem Hause zurück , als ob er etwas darin habe entwenden wollen . Als der Sonntagmorgen kam , wo ein elegantes Publikum die Räume füllte , in welchen die neuen glänzenden Bilder hingen , ging Heinrich mit einigen Bekannten hin und sah sein Werk , weit weg an ihm vorübergehend , mit einem halben Blick dahängen . Sogleich kam es ihm , indem sein Auge auf andere stattliche Gegenstände hinüberstreifte , unerträglich vor in seiner bleichen Farblosigkeit . Als er aber in einen Nebensaal trat , hing da im besten Lichte der gleiche Gegenstand , unübertrefflich gemalt mit wenigen sehr zweckmäßigen Abänderungen von jenem tüchtigen Meister , welcher seine Skizze kritisiert und die hübsche Kritik in die Tasche gesteckt hatte . Wie vom Donner gerührt , betrachtete Heinrich das Bild und konnte nicht umhin , über das , was der Künstler daraus gemacht hatte , die größte Freude allmählich zu empfinden und sich sogar geschmeichelt zu fühlen . Übrigens war das Bild schon mit einem Zettel versehen , welcher anzeigte , daß die Kommission dasselbe bereits zu einem sehr erklecklichen Preise angekauft , noch ehe es ausgestellt gewesen , und jedermann lobte den Kauf . Heinrichs Bekannte , welche so schlecht und recht zum betriebsamen , nicht ungeschickten Mittelschlage gehörten , waren höchlich entrüstet über das Verfahren eines wohlversorgten und glücklichen Meisters und nannten sein frisch und munter glänzendes Werk einen Diebstahl und eine rücksichtslose Räuberei , eine Herzlosigkeit und eine Gemeinheit . Heinrich jedoch schwieg still und verarbeitete , als ein löblicher und gelehriger Jüngling , die soeben gemachte Erfahrung , die er sogleich begriff daß es in Sachen der Kunst keinerlei Patent gibt , sondern nur den einen Satz Mach ' s , wer kann ! sei ' s , wer ' s wolle , wenn ' s nur entsteht ! und daß , wer eine gute Idee schlecht ausfahrt , dem Rabenvater gleicht , welcher ein Kind aussetzt , wer sie rettet , demjenigen , der es aufnimmt und pflegt ! Er fühlte keinen Groll gegen den behenden Meister , sondern veranstaltete stracks die Wegnahme seiner eigenen Arbeit und steckte beschämt jenen Zettel wieder ein , auf welchem er seinen Preis angegeben hatte nebst seinem Namen . Dies war einstweilen der erste und letzte Versuch Heinrichs , durch seiner Hände Arbeit sein Leben zu gewinnen , und nichts ging daraus hervor