nicht zweifeln dürfe , ihr Vater würde dies gemißbilligt haben ; es würde ihn beleidigen , seine Tochter Rechten nachjagen zu sehen , von denen er verwiesen ward . Emmy hörte ihr still und sinnend zu . Sie überlegte in ihrem Geiste , ob Fennimor , die in Blick und Ton zu ihr redete , auch so gedacht haben würde ; und als Fennimors andächtiges Pflichtgefühl gegen ihren Vater vor ihr auftauchte , seufzte sie und schwieg , und ein breiter Schatten von Schwermuth deckte ihr erregtes Antlitz . Da erfaßte Elmerice den Augenblick , der armen , aufs Neue gekränkten Freundin Fennimors ihre eigene Geschichte mitzutheilen ; und von dem tiefen und verstehenden Gefühle der Alten hingerissen , von der wunderbaren Situation , die sie fast der Welt entrückt zu haben schien , sicher gemacht , ward ihre Hingebung bei dieser Mittheilung vollständiger , als sie es für möglich gehalten . Wir können uns dies jugendliche , von Weisheit und Liebe geschützte Leben aus den Mittheilungen an die Gräfin d ' Aubaine hinreichend vergegenwärtigen und finden uns erst als Zuhörer ein , wo die Erzählung Gegenstände berührt , denen die Gräfin d ' Aubaine nicht nachzufragen wagte . » Nur ich , Emmy , « sagte Elmerice , ihre Erzählung fortsetzend - » nur ich habe das ruhige , ungekränkte Leben , das dieser herrliche Vater führte , ein Mal durch meine Schuld unterbrochen ; und doch war ich ahnungslos , daß ich ihn kränken würde , und vielleicht jetzt erst begreife ich die ungewöhnliche Strenge , mit der er mir entgegen trat . Denn , wenn Reginald mein Vater war , wie viel Grund hatte er dann , jede Verbindung mit einer stolzen französischen Familie zu hassen und von mir abzuhalten ! - Auf dem Schlosse Leithmorin « - fuhr sie mit bewegter Stimme fort - » beständig von Gästen des In- und Auslandes belebt , befand sich einige Monate lang ein junger französischer Edelmann , der erst nur dem Lord Duncan , mit dem seine Familie befreundet war , einen Besuch machen wollte ; später - glaube ich - ward ich Veranlassung , daß seine Abreise sich verzögerte . Meine jungen Freunde , die Kinder des Lord Duncan , sahen mich wie eine Schwester an ; ich gehörte zu ihren Beschäftigungen , wie zu ihren Vergnügungen , wir theilten Alles ; und ich sah daher den jungen Mann täglich . Emmy , ich kann mir nicht zürnen , daß ich seine Vorzüge anerkannte ! Er besaß so viel ausgezeichnete Tugenden , er wußte so Viel , er war so kindlich und gut , so heiter - so heiter , Emmy - bis er von Lord Duncan die gänzliche Abweisung meines Vaters erfuhr . Ich weiß nicht , aber ich glaube fast , sein tadelloses Wesen - und daß Lord Duncan ihn wie einen Sohn liebte , hatten mich glauben lassen , die Bewerbung des jungen Mannes werde von meinem Vater günstig aufgenommen werden . Wir waren sicher geworden in dieser Hoffnung - und auch ich , Emmy , war damals glücklicher , als jemals später ! Dieser Erklärung aber folgte eine schwere , leidenvolle Zeit . Mein Vater war in einem Grade davon erschüttert , daß er mehrere Tage das Zimmer nicht verließ , und meine Mutter Tag und Nacht an seiner Seite wachte . Später bekam Lord Duncan Zutritt . Ach , Emmy , mich wollte er erst gar nicht sehen ! Aber der Gedanke seines Zornes hatte so auf mich gewirkt , daß meine arme Mutter meiner Verzweiflung nicht mehr Einhalt thun konnte ; und als sie meinen Zustand dem Vater enthüllte , ließ er mich augenblicklich zu sich rufen . Nie werde ich diese Unterredung vergessen ! Als er mich so verändert , so aufgelöst in Schmerz , so trostlos bei dem Gedanken sah , ihn gekränkt zu haben , dachte er zuerst nur daran , mir Muth einzusprechen , mich seiner Liebe zu versichern , mich - und selbst den Jüngling , der um mich warb , schuldlos an dem Schmerze zu erklären , den er empfand . Dann , als ich in seiner Liebe wieder auflebte und zur Besinnung kam , machte er mich mit den Hindernissen bekannt , die unvermeidlich zwischen uns ständen . Emmy , es waren Gründe , die denselben Boden hatten , wie das Elend , das Du in Deiner Erzählung vor mir ausgebreitet hast ! Er schilderte mir die Vorurtheile der Stände , wie ich sie bis dahin nicht geahnet , und weckte meinen Stolz und mein Ehrgefühl , indem er mir die nie endende Geringschätzung vorhielt , die ich in einer solchen Familie und in ihrem ganzen Gesellschaftskreise würde erleiden müssen , weil mich Alle durch meine geringere Geburt für unberechtigt halten würden , zu ihnen zu gehören ; und wie das entwürdigteste Mitglied jener Kreise , das wir als ausgestoßen ansähen und mit unserer Verachtung bezeichneten , dennoch von Allen geduldeter sein und ihnen berechtigter erscheinen würde , als meine Stellung , wenn ich sie auch durch jeden äußeren und inneren Vorzug rechtfertigte . Er sagte mir , daß mich mein Gatte nicht dagegen zu schützen vermöchte ; daß die mitleidigen Duldungs-Beweise in so schicklichen Grenzen gehalten sein würden , daß mir das Herz daran erstarren , mein Gatte in ohnmächtigem Zorne darüber vergehen könne , ohne daß ihm aus den leisen Beleidigungen das Recht erwachsen werde , Genugthuung zu fordern . Er war überzeugt , daß keine Liebe , auf diese Bedingungen hin , in den höheren Ständen dauern werde , da er von der Macht des schlechten Beispiels eine sehr traurige Vorstellung hatte . Lord Duncan hörte das Ende dieses Gespräches und versuchte , meinem Vater mildere Ansichten einzuflößen . Es gelang ihm nicht ! O Duncan , Duncan , rief er - von Dir diese Worte ! Von Dir , der Du mein ganzes Schicksal kennst - der Du weißt , daß ich Wahrheit sage - Du redest einem Jünglinge aus dieser