und in der bestimmt kalten Stellung der Herzogin gegen sie liegen konnte , die zu absichtlich über das Verhalten Richmonds bei ihrer Rettung und der damit verknüpften Reise eine blos zurückgehaltene Mißbilligung ausdrückte . Es ließ sich wahrscheinlich annehmen , daß Richmonds strenges Ehrgefühl , für sich und vielleicht auch für sie beleidigt , durch sein blos ehrerbietiges Betragen auch den Schatten eines Verdachtes entfernen wollte , gegen welchen auf andere Weise sich aufzulehnen , ihn die Stellung des Sohns zur Mutter verhinderte . Aber ein wahres Gefühl der Liebe ist selten bereit , die Entfremdung und Kälte des geliebten , hochgestellten Gegenstandes in äußeren Umständen zu suchen . In sich selbst , in dem eigenen geringen Werth findet es mit sanfter herzzerreißender Schwermuth den trennenden Grund und zürnt nicht , und will nicht gewinnen und besitzen , wozu es , mit dem Lächeln eines Sterbenden , die Fähigkeit sich versagt hält . So Maria . Ohne alle Gegenwehr stand sie dem Schmerze still , der nach und nach jeden gesunden Athemzug ihrer Brust verwandelte , und sie hielt zuletzt diesen Schmerz für ihr Leben , und wehrte ihm nicht einzuziehn und über alle Hoffnungen der Zukunft das Leichentuch zu werfen . Der Gesichtskreis ihrer Wünsche , ihrer Hoffnungen ward so klein , daß sie zuletzt an dem Gedanken hängen blieb , hier im Bereich seiner Augen sterben zu können , sei das höchste ihr noch gebliebene Glück , und daß sie kaum einen andern Wunsch mehr hegte , als den , es möge keine Veränderung ihrer Lage sie um diesen Vorzug bringen . So sah sie Brixtons Reise und deren Zweck mit sehr gemischten Empfindungen , die sich endlich von ihr ab dem Andenken des ihr immer noch theuern Oheims zuwandten . Um sie her gestaltete sich das Leben dagegen in allen Beziehungen , so vielen Ansprüchen gemäß , glücklich und befriedigend . Der junge Herzog durchzog seine reichen Besitzungen , und belebte die ganze Gesellschaft zu Streifereien mit ihm in den schönen Forsten und entfernteren Ansiedelungen . Es verging kein Tag , an dem man nicht theils zu Pferde , theils zu Wagen solche Unternehmungen vollführte , wobei sich das Interesse der verschieden Betheiligten vielfach anregte und aussprach . Lord Ormond blieb der fast ausschließliche Begleiter von Lady Maria und Ollony , während Richmond nicht selten den Wagen seiner Mutter begleitete oder sich den Fremden anschloß , die , stets im Schlosse anwesend , die Gesellschaft verstärkten . Eine kleine Grenzstreitigkeit mit Master Allincroff , gütlich durch die wohlwollenden Gesinnungen des jungen Herzogs beigelegt , hatte die Bitte dieses Master Allincroff unabweislich gemacht , auf der neugesteckten Grenze , welche in dem schönsten Eichen - Forste sich befand , seine nachbarliche Begrüßung anzunehmen und unter Zelten auf dem feinen Teppich der Moose einen Tag zu verleben . Nur die ältere Herzogin und Lady Dorset hatten sich der wohlgemeinten Einladung entziehen können , alle übrigen Bewohner von Godwie-Castle aber sich zu Pferde dahin aufgemacht . Die Herzogin und Lucie fuhren in der Mitte der Kavalkade auf dem etwas ungebahnten und steinigen Wege , der , von den bekannten Pfaden ablenkend , endlich in einen Hohlweg führte . Berg ab gehend zeigte sich eine höchst malerische , aber auch nicht ohne Gefahr zu passirende Straße , die so schmal war , daß der Wagen der Herzogin nur mit Mühe sich durcharbeiten konnte , die Reiter aber genöthigt waren , am Rande des Hohlweges die schmalen Jagdwege zu erklimmen . Master Allincroff hatte den Damen viel von der Schönheit dieser von Gießbächen und den schroffsten Felsenabhängen durchschnittenen Gegend zu erzählen gewußt , und Alle fühlten sich mit einer Art von Erregung diesen wildromantischen Scenen gegenüber , wobei die Schwierigkeiten , welche der Boden veranlaßte , die Heiterkeit und das Leben des ganzen Zuges erhöhten , und tausend kleine Neckereien und Scherze herbeiführten . Dadurch , daß die Reiter die Höhe des Hohlweges erstiegen hatten , war der Zug in Stocken und Unordnung gekommen , und Lady Maria hatte sich , ihres klugen Pferdes Führung vertrauend , von Ormond und Ollony getrennt , die , bei einander haltend , mit den Uebrigen die Einfahrt der Kutsche in den tief darunter liegenden Hohlweg abwarteten . In ihre Gedanken vertieft , hatte sie einen bedeutenden Vorsprung gewonnen und eben eine gelichtete Höhe erreicht , von wo aus sie über den Felsen hinweg einen Blick auf die Waldgrenze gewann , der sie eine Reihe bunt geschmückter Zelte und die zum Empfang bereiten Gäste des Master Allincroff erkennen ließ . Auch mußte sie als Vorbotin der Erwarteten erkannt sein , denn sie sah , wie man sogleich mit einer weißen Fahne in die Luft wehte , und im selben Augenblick erhob sich ein lustiges Gewehrfeuer aus allen Gebüschen des Waldes und Weges . Marias Pferd stieg einen Augenblick erschrocken in die Höhe . Doch besänftigt von der liebkosenden Hand und der sanften Stimme der Reiterin , schnob es nur muthig , war bald vertraut mit dem muntern Geplänkel , und trug nur desto stolzer sich und seine Führerin . Bei seinem ersten Schrecken hatte es sich jedoch gewendet , und nachdem Maria es zur Ruhe gebracht , schlug sie die Augen auf und nach dem Hohlwege hin , wo sie den Wagen der Herzogin erwartete . Doch welch ' ein Anblick bot sich ihr dort dar ! Die Pferde der Herzogin waren gleichfalls von dem unbesonnen angeordneten Lustfeuern erschreckt worden , aber nicht von besonnener Hand , wie Maria ' s Pferd , beruhigt , stürzten sie sich mit rasender Eile den gefahrvollen Weg hinab , warfen Vorreiter und Kutscher von ihren Plätzen , und jagten über den steinigen , ungleichen Felspfad dahin , der , bald nach der entgegengesetzten Seite seine hohe , schirmende Wand verlierend , hier an einer Tiefe entlang sich fortzog , die den schäumenden Gießbach in einem reißenden Bergstrome sammelte . Ein Blick ließ Maria ' s klares Auge die Gefahr übersehen , die hier fast unabweislich den Untergang der Herzogin