und Abkühlen sich in Arzenei verwandelt . Schnell und schön gingen die letzten Freudentage über die Insel hinüber , die nach dem Regen wie ein deutscher Garten grünte . Die weiche kühle Luft - die Myrten- und die Orangendüfte einzelne Glanzwolken am warmen Himmel - der Zauberrauch der Küsten - die goldne Sonne am Morgen und am Abend - und die Liebe und die Jugend schmückten und krönten die einzige Zeit . Hoch brannte auf der blühenden Erde die Opferflamme der Liebe in den blauen stillen Himmel . Wie zwei Spiegel voreinander stehen und der eine den andern und sich und die Welt abmalt und der andere alles dies und auch die Gemälde und den Maler : so ruhten Albano und Linda voreinander , Seele in Seele ziehend und malend . Wie der Montblanc herrlich sich im stillen Chedersee hinabspiegelt in einen blassern Himmel : so stand Albanos ganzer fester lichter Geist in Lindas ihrem . Sie sagte : er sei ein Redlicher und Edler zugleich und habe , was so selten sei , einen ganzen Willen ; nur woll ' er , wie oft die Männer , noch mehr lieben , als er liebe , und daher merk ' er seine stille Erbsünde vor Selbstsucht nicht genug . Gegen nichts sträubt ' er sich zorniger und aufgebrachter als gegen den letztern Tadel , und er vergab ihn niemand als der Gräfin . Er widerlegte sie , so stark er konnte ; aber ihre Meinung wurde durch die beste Vertilgung nur eine Scheinleiche und trat ihm in der nächsten Stunde wieder lebendig entgegen . Mit sich wurd ' er durch sie näher bekannt als mit ihr selber . Er nannte sie die Uranide , weil sie ihm wie der Himmel zugleich so nahe und so fern erschien ; und sie hatte nichts gegen diesen vollen Lorbeerkranz . Es gibt eine himmlische Unergründlichkeit , die den Menschen göttlich und die Liebe gegen ihn unendlich macht ; so ließen die Alten die Freundschaft die Tochter der Nacht und des Erebus sein . Wenn Albano so über den weiten reichen Geist Lindas hinsah - sie , zugleich ihrer Liebe lebend und jede fremde beschirmend und doch gleichsam vom Wissens-Durste trunken - zugleich ein Kind , ein Mann und eine Jungfrau - oft hart und kühn mit der Zunge , für und gegen Religion und Weiblichkeit und doch voll der zärtesten kindlichsten Liebe gegen beide - glühend zerschmelzend vor dem Geliebten und schnell erstarrend bei kaltem Anrühren - ohne alle Eitelkeit , weil sie immer vor dem Throne einer göttlichen Idee stand und der Mensch nie eitel ist vor Gott , aber sich alles zutrauend und vor niemand demütig , ohne doch sich oder andere zu vergleichen voll männlicher kecker Aufrichtigkeit und voll Achtung für Gewandtheit und listigen Welt-Verstand - so ohne Eigennutz und kindlich über Frohe froh , ohne besondere Sorge und Achtung für Menschen - so unbeständig und unbiegsam , jenes in Wünschen , dieses im Wollen - aber ewig ihr Auge und Leben gegen die Sonne und den Mond des geistigen Reichs , gegen Würde und Liebe gerichtet , gegen das eigne und gegen ein geliebtes Herz : wenn Albano das alles vor sich spielen und weben sah , so lebt ' er gleichsam auf dem einfachen und doch unabsehlichen , dem beweglichen und doch allgewaltigen Meere , dessen Grenze bloß der klare Himmel ist , der keine hat . An dem Himmel der drei Liebenden erschien endlich die Morgenröte des Reise-Tages . Es wurde von beiden Freundinnen bestimmt , daß Albano sie nur bis Neapel , wo ihre Leute ihrer warteten , begleiten - dann sie in Rom einmal zufällig - dann auf Isola bella zum letzten Male zufällig finden dürfte ; eine sehr unfreundliche Unterwürfigkeit unter den Welt-Schein , auf welche aber Linda so stark als Julienne drang und zu welcher selber Albano , durch seine Geburt mehr zum Standes-Zwange abgehärtet als ein bürgerlicher Jüngling von gleicher Seele , leicht das schmerzliche Ja unter dem schweren Schleier aller Verhältnisse hergab . Julienne entschied über alle kleinern Maßregeln ; sie war auf der ganzen Reise die Geschäftsträgerin der Gräfin gewesen , die , wie sie sagte , nicht Kopf genug habe , um sich einen Hut darauf zu kaufen , so rasch , geldvergessen und träumend sei sie . Die Schwester war so munter und ganz hergestellt , sagte aber , alle Fünfunddreißig heiße Quellen der Insel hätten nicht halb so viel für ihre Genesung getan als ebenso viele Freudentränen , die sie zum Glück vergossen habe . Sonderbar erschien alles um sie am Reise-Morgen : ein helles warmes Gewölk ' vertropfte silbern - die Sonne schien zwischen zwei Bergen darein - die entzückten Eiländer sangen ein neues Volkslied unter der Regen-Ernte oder Tropfen-Lese - indes ihre Freunde eilig von den Wellen aus ihrem Freuden-Kreise weggezogen wurden . Agata stand , um sich zu kühlen , mit einer Schlange in der Hand am Ufer , und Albano fühlte dabei einen Schmerz , den er sich nicht zu erklären wußte . Jetzt warf der Epomeo den Wolken-Himmel auseinander , und glänzende Wolken-Stücke zogen langsam ihnen voraus , nach dem Apennin , dem Norden zu , dem Wohnhimmel der Nebel , und schnell und leicht glitten die Schatten des Himmels über die wimmelnden Wellenspitzen . » Immer « ( sagte Albano , nach der nach Westen zurückschwimmenden Insel blickend ) » bestehe mit deinem Berg ; nie reiße ein Unglück das schönste Blatt aus dem Buche der Seligen ! « - » Wie wird es mit uns allen sein , « ( sagte Linda ) » wenn wir einmal wiederkommen und den schönen Boden wieder suchen ? « - Da erblickten sie einen hochgewölbten Regenbogen , der halb auf der Insel und halb auf den Wellen stand , die ihn wie einen gewölbten bunten Wasserstrahl auf das Ufer auszuwerfen schienen » Wir werden « ( sagte Julienne entzückt ) » durch den Bogen des Friedens eingehen . « Bei diesem Worte verschwand