vollsten Gemütlichkeit . Frau von Maiendorf lachte mit ihrer Lisbeth um die Wette – sie hat etwas so kindlich Frohes , wenn sie lacht – und sogar der steifleinene Bankier wurde ganz menschlich vergnügt bei einigen lustigen Kriegsgeschichten , die ich zum besten gab . Da wird der › Nabob ‹ gemeldet und sprengt wie ein böser Geist uns alle auseinander ! – Was soll denn das alles bedeuten ? « » Daß ich kein längeres Zusammensein mit dem Herrn Felix Ronald wünschte ! « sagte Ernst kurz , aber mit vollster Schärfe . Hartmut zuckte die Achseln . » Nun ja , ich begreife , daß dies Zusammentreffen mit eurem ehemaligen Prokuristen und jetzigen Milliardenbesitzer dir nicht gerade angenehm war , aber deshalb brauchten wir doch nicht so über Hals und Kopf davonzugehen . Was soll Frau von Maiendorf denn davon denken ! – Maxl , du bist ja so merkwürdig still geworden , was sagst du eigentlich zu der Geschichte ? « Max war nicht bloß verstimmt , sondern tief beleidigt . Anstatt im Vordergrunde zu stehen , wie er sich geschmeichelt , war er heut überall beiseite geschoben worden und hatte das natürlich sehr übel genommen . » Ich sage , daß dieser Besuch sehr eigentümlich ist ! Herr Ronald läßt sonst nur wenigen Auserwählten die Gnade seines Erscheinens zu teil werden , für gewöhnlich empfängt er , und wenn ihm das gerade nicht paßt , läßt er die Ersten und Vornehmsten abweisen . Bei den Marlows war er freilich oft , und jetzt fährt er vier Stunden von Steinfeld hierher und scheint tagelang zu bleiben , denn ich hörte , wie Frau von Maiendorf dem Diener befahl , den Koffer des Herrn nach dem Fremdenzimmer zu tragen . Ihr gilt das natürlich nicht , Ronald kennt sie ja kaum – man kommt dabei wirklich auf ganz eigene Gedanken ! « » Oho , bist du eifersüchtig ? « rief Hartmut lachend . » Übrigens könntest du recht haben , mir kam die Begrüßung auch etwas verdächtig vor . Da heißt es tapfer sein , Maxl ! Vorwärts ! Schlag die Milliarde aus dem Felde und sichere dir die Million . Dir ist das ja eine Kleinigkeit . « » Die Sache ist durchaus nicht scherzhaft , Herr Major , « versetzte Max in gereiztem Tone . » Wenn ein Ronald als ernstlicher Bewerber auftritt , hat ein anderer kaum noch Hoffnung neben ihm , denn da entscheidet natürlich nicht die Persönlichkeit oder das Talent . Da triumphiert einzig das schnöde Geld – erbärmlich ! « » Ja , das Geld ist immer erbärmlich , wenn man es nicht haben kann , « bemerkte der Major philosophisch . » Bei dir ist übrigens diese Verachtung des schnöden Reichtums ganz neuen Datums , früher dachtest du sehr hochachtungsvoll darüber . – Was meinst du , Ernst , glaubst du an derartige Pläne ? Marlow ist ja selbst reich , da wird seine Tochter sich doch nicht verkaufen um des Geldes willen . « » Warum denn nicht ? « sagte Ernst mit schneidender Bitterkeit . » Vielleicht reizt sie weniger das Gold als die Macht , die es verleiht . Es beugt sich ja alles vor diesem Ronald , diesem Götzenbilde des Mammon ! Warum sollte es da ein Mädchen nicht reizen , sich an seine Seite zu stellen und sich auch anbeten zu lassen ! « » Nun , ihr seid ja heut beide in einer liebenswürdigen Stimmung ! « brach Hartmut ärgerlich aus . » Was hast du denn eigentlich , Ernst ? Du hast doch nicht auf die Millionärin spekuliert und benimmst dich gerade so wütend wie der Maxl . Mir ist es höchst gleichgültig , wen dieser Nabob mit seiner Hand und seinem Mammon beglückt , aber ich habe mich tagelang auf diese Fahrt nach Gernsbach gefreut , und nun – « er brach plötzlich ab und biß sich auf die Lippen , als habe er sich übereilt , aber weder Raimar noch Max achteten darauf . Sie hingen schweigend ihren eigenen Gedanken nach , und so lehnte sich denn der Major zurück und schwieg als der Dritte im Bunde . In Gernsbach war mit der Abfahrt der Gäste der Zwang gefallen , den man sich vor ihnen auferlegen mußte , und Marlow stellte die Geduld seines künftigen Schwiegersohnes auf keine harte Probe . Nachdem man noch eine Viertelstunde geplaudert hatte , nahm er die kleine Lisbeth an der Hand , um mit ihr draußen auf der Terrasse die Tauben zu füttern . Wilma folgte ihnen , und damit war die gewünschte Gelegenheit zur Erklärung gegeben . Edith und Ronald waren im Salon zurückgeblieben , aber ein Fremder hätte schwerlich erraten , daß es hier eine Brautwerbung galt . Da gab es kein plötzliches Verstummen auf der einen Seite , kein Erröten und keine Verwirrung auf der anderen , wie wohl sonst bei einem ersten Alleinsein , aber hier handelte es sich ja auch um keine romantische Scene . Die junge Dame , die in ihrer gewohnten kühlen Haltung auf dem Sofa saß , sollte einen Antrag entgegennehmen , den der Vater in ihrem Namen bereits angenommen hatte , und der Mann ihr gegenüber wußte es ja , daß er ein Jawort erhalten würde . Die Sache vollzog sich so durchaus korrekt und nüchtern , wie gewöhnlich solche Verbindungen in der großen Welt . Noch vor wenigen Stunden hatte Edith dieser Unterredung so ruhig , so sicher und hochbefriedigt entgegengesehen ; äußerlich schien sie das ja auch jetzt zu sein , und doch lag es auf ihr wie ein beklemmender Druck , wie eine rätselhafte Angst vor dieser doch lang erwarteten Entscheidung . Für den Augenblick freilich sprachen sie noch von gleichgültigen Dingen . » Sie wollen im Sommer nach der Schweiz ? « fragte Ronald . » Herr Marlow sagte mir schon , daß er einen längeren Aufenthalt in den Berner Alpen beabsichtige . Wer sich doch auch so losreißen könnte von den