Schlosses mit einem älteren Manne , der dem Handwerkerstand anzugehören schien , in den Garten . Beide blieben stehen , als sie den Gouverneur gewahrten , und grüßten ehrerbietig . Raven hatte schnell die ungewohnte Weichheit abgeschüttelt . „ Was giebt es ? “ fragte er , wieder ganz in dem kurzen , gebieterischen Tone , der ihm eigen war . „ Excellenz haben befohlen , den Nixenbrunnen abzubrechen und den Quell zu verstopfen , “ nahm der Handwerker das Wort . „ Es sollte heute noch geschehen ; meine Leute kommen in einer halben Stunde ; ich wollte nur zuvor nachsehen , ob die Arbeit viel Zeit und Mühe kosten wird . “ Der Freiherr sah aus den Brunnen und dann auf Gabriele , die noch an seiner Seite stand ; es war , ein kaum merkliches , sekundenlanges Zögern . „ Schicken Sie die Leute zurück ! “ befahl er dann , „ die Arbeit ist nicht mehr nöthig . “ „ Wie meinen Excellenz ? “ fragte der Handwerker erstaunt . „ Die Wegnahme des Brunnens würde den Garten schädigen ; er bleibt stehen . Ich werde andere Bestimmungen treffen . “ Ein Wink mit der Hand verabschiedete die beiden Männer ; sie wagten natürlich keinen Widerspruch , aber die Verwunderung prägte sich deutlich auf ihren Gesichtern aus , als sie den Garten verließen . Es war das erste Mal , daß ein mit so großer Bestimmtheit gegebener Befehl des Gouverneurs zurückgezogen wurde . Raven war an den Rand der Fontaine getreten und blickte in den fallenden Tropfenregen . Gabriele stand noch drüben an der Mauerbrüstung ; jetzt kam sie langsam , zögernd näher und streckte ihm dann plötzlich beide Hände hin . „ Ich danke Dir . “ Er lächelte , aber nicht mit dem gewohnten Sarkasmus – diesmal flog es wie Sonnenschein über seine Züge , als er die dargebotene Hand ergriff und zugleich mit der Linken sanft Gabrielens Haupt emporhob , um ihre Stirn zu küssen . Das war durchaus nichts Außergewöhnliches . Er pflegte es stets zu thun , wenn sie ihm beim Frühstücke den Morgengruß brachte , und sie hatte es bisher ebenso unbefangen hingenommen , wie der Vormund kühl und ernst von seinem väterlichen Rechte Gebrauch machte . Heute zum ersten Male wich das junge Mädchen unwillkürlich zurück , und Raven fühlte , wie die Hand , die er in der seinigen hielt , leise bebte . Er richtete sich plötzlich empor , ohne daß seine Lippen ihre Stirn berührt hatten , und ließ die Hand fallen . „ Du hast Recht , “ sagte er gepreßt . „ Das Rauschen des Nixenbrunnens hat etwas Geisterhaftes – laß uns gehen ! “ Sie wandten sich zum Gehen . Hinter ihnen rauschte und rieselte der Quell und warf unermüdlich seine weißen Wasserschleier empor . Die drohende Vernichtung war ja nun abgewendet ; die Bitte jener braunen Augen und die Thräne darin hatte ihn gerettet , und der ernste , kalte Mann , der die Höhe des Lebens längst überschritten hatte , fühlte es vielleicht in diesem Augenblicke , daß er auch nicht gefeit war gegen den „ Nixenzauber “ . Georg Winterfeld saß in seiner Wohnung am Schreibtische . Er sah angegriffen , fast leidend aus ; die kurze Frische , welche die Reise seinem Aeußeren gegeben , war längst wieder geschwunden , und die Blässe , welche selbst damals die feinen , durchgeistigten Züge des jungen Mannes deckte , war noch um einen Schein tiefer geworden . Er muthete sich in der That bisweilen allzu viel in der Arbeit zu – die Pflichten seiner Stellung nahmen ihn schon hinreichend in Anspruch , aber trotzdem benutzte er jede freie Stunde , um sich mit rastlosem Eifer allen möglichen Studien hinzugeben , die ihm in seiner Laufbahn förderlich sein konnten . Georg arbeitete oft genug auf Kosten seiner Gesundheit ; ihn trieb ein edlerer Sporn , als der Ehrgeiz , mit jedem Schritte , den er vorwärts that , minderte sich ja die Kluft , die ihn von der Geliebten trennte , und er war sich trotz aller persönlichen Bescheidenheit doch zu sehr seiner Kraft und seines Werthes bewußt , um nicht die zuversichtliche Hoffnung zu hegen , daß diese Kluft sich einst ganz ausfüllen werde . Seine Collegen , die sich meist auf ihre pflichtmäßigen Leistungen in den Bureaustunden beschränkten , wußten kaum von dieser stillen , angestrengten Thätigkeit des Assessors , der nie darüber sprach ; nur das durchdringende Auge seines Chefs hatte herausgefunden , welch eine Summe von Arbeitskraft und Begabung in dem jungen Beamten lag , so wenig dieser auch bisher Gelegenheit gefunden hatte , sie nach außen hin zu bethätigen . Georg benutzte mit Vorliebe die Morgenstunden zum Arbeiten ; auch heute saß er über ein juristisches Werk gebeugt und hatte sich so darin vertieft , daß er das Oeffnen der Thür im vorderen Zimmer vollständig überhörte . Erst als eine bekannte Stimme sagte : „ Bemühen Sie sich nicht ! Ich finde schon allein den Weg zu dem Herrn Assessor , “ fuhr er auf . In dem gleichen Augenblicke trat der Ankömmling auch schon ein . „ Guten Morgen , Georg ! Da bin ich . “ „ Max ! Ist es möglich ? Wie kommst Du nach R. ? “ rief Georg freudig überrascht , dem Freunde entgegeneilend . [ 210 ] „ Geradeswegs von zu Hause , “ versetzte dieser , die Begrüßung ebenso herzlich erwidernd . „ Ich bin erst vor einer halben Stunde im Gasthofe angelangt und habe mich sogleich auf den Weg zu Dir gemacht . “ „ Aber weshalb schriebst Du mir denn nicht einige Zeilen ? Wolltest Du mich überraschen ? “ „ Das nicht , die Reise war vielmehr eine Art Ueberraschung für mich , denn es sind durchaus keine idealen Freundschaftsgefühle , die mich herführen , wie Du Dir vielleicht schmeichelst , sondern eine höchst reale Erbschaftsangelegenheit . Aber vor allen Dingen – wie geht es Dir