können . – „ Darf ich fragen , wer der junge Benedictiner dort hinter dem Sessel des Herrn Prälaten ist ? “ wandte sich Günther auf einmal an den Baron Brankow , als dieser zufällig in seine Nähe kam . „ Sie meinen Pater Benedict ? Einer der Geistlichen unseres Stiftes , ein junger , erst kürzlich geweihter Priester , auf den seine Oberen , so viel ich weiß , große Hoffnungen setzen . “ „ So ? “ Günther ’ s Auge hing so fest an den Zügen des eben Genannten , als wolle er jede Linie darin studiren . „ Er scheint sehr vertraut mit dem Grafen Rhaneck , steht er vielleicht in irgend einer verwandtschaftlichen Beziehung zu ihm ? “ „ Nicht doch ! “ sagte der Baron ruhig , „ nicht im geringsten . Er stammt im Gegentheil von – mein Gott , der Name ist mir entfallen , die Rhanecks haben so zahlreiche Besitzungen – von einem der Güter des Grafen , der den talentvollen , aber gänzlich mittellosen Knaben erziehen ließ und für das Kloster bestimmte . Er hat ein gutes Werk an ihm gethan , weiter nichts . “ „ Gewiß , ein sehr gutes Werk ! “ [ 69 ] Brankow blickte überrascht auf , es war ihm gewesen , als ob ein gewisser Hohn in der Bemerkung Günther ’ s läge , aber er mußte sich wohl geirrt haben . Günther ’ s Gesicht zeigte sich unbeweglich , während sein Blick noch immer nicht den Gegenstand des Gespräches verließ . „ Sie scheinen sich für Pater Benedict zu interessiren , “ sagte der Baron artig , „ wünschen Sie vielleicht näher mit ihm – “ „ Ich danke ! “ fiel ihm Günther rasch in ’ s Wort . „ Ich stehe in gar keiner Beziehung zu den Herren des Stiftes , wie Sie ja wissen . Mir fiel nur dieser interessante Kopf auf , und dann eine flüchtige Aehnlichkeit – bemühen Sie sich nicht , Herr Baron ! “ Er überließ Brankow einem so eben herantretenden Gaste und kehrte zu seiner Schwester zurück . „ Also in ’ s Kloster haben sie den Knaben gesteckt ! “ murmelte er bitter , „ und dem Anschein nach einen vollständigen Fanatiker aus ihm gemacht . Ein meisterhafter Schluß des ganzen hochgräflichen Schurkenstreiches ! “ – Der Prälat und Graf Rhaneck mit seiner Familie brachen jetzt gleichzeitig auf , was wie gewöhnlich mit ziemlichem Geräusch und Aufsehen vor sich ging . Als die Brüder zusammen durch das Vorzimmer schritten , konnte der Graf nicht umhin , seinem lang verhaltenen Aerger wenigstens in einigen Worten Luft zu machen . „ Nun , Dein Schützling ist ja heut , Dank Deiner Auszeichnung und Deinem Beispiel , nichts mehr und nichts weniger gewesen , als der Held des Abends ! Hast Du denn wirklich aus diesen plumpen , nichtssagenden Zügen irgend eine Gefährlichkeit herausgelesen ? “ „ Ja ! “ sagte der Prälat kalt . „ Der Mann ist gefährlich , ist es um so mehr , weil er unbedeutend erscheinen will . Er wird uns noch zu schaffen machen , verlaß Dich darauf ! “ Die Gräfin , welche nur halb hingehört und nicht viel mehr verstanden hatte , als daß es sich um Günther handelte , verzog die schmalen Lippen . „ Mein Gott , es ist und bleibt doch ein entsetzlicher horreur , daß dieser Mensch , wie man sagt der Sohn eines Unterförsters , in unseren Kreisen erscheinen durfte ! “ Der Prälat verneigte sich Abschied nehmend vor seiner Schwägerin , ohne ihr eine Antwort zu geben . Zu Gründen und Erklärungen ließ er sich ihr gegenüber nie herab , die Gräfin war in seinen Augen eine eben solche Null , wie in denen ihres Gemahls , eine Null , die man allerdings respectiren mußte , weil auch sie den Namen Rhaneck trug und ihm durch ihren Reichthum einen noch größeren Glanz verlieh . Auch hier mußte die äußere Form der Achtung alles ersetzen . Kurz nach der Entfernung der gräflichen Familie verabschiedete sich auch Günther mit seiner Schwester . Die Fahrt nach Dobra ward meist schweigend zurückgelegt , Bernhard schien nicht zum Reden gestimmt , und Lucie , die sonst immer etwas zu fragen und zu plaudern hatte , war heut ausnahmsweise mit dieser Schweigsamkeit einverstanden . Tief in die Ecke des Wagens geschmiegt , zerdrückte sie achtlos den Flor und die Blumen ihres Anzuges , und fuhr verwundert empor , als sie in den Hof von Dobra einrollten , die Fahrt hatte ihr so kurz geschienen . Zu Haus angelangt wollte das junge Mädchen dem Bruder gute Nacht sagen , als dieser sie mit einem kurzen „ Ich habe mit Dir zu sprechen , Lucie ! “ zurückhielt . Er nahm dem alten Diener , der ihnen folgte , das Licht aus der Hand und gab ihm einen Wink sich zu entfernen . Lucie stand erstaunt und befremdet da , aber sie sollte nicht lange in Zweifel bleiben , um was es sich handelte . Bernhard trat an den Tisch , zog sie zu sich heran und wendete ihr Gesicht dem Lichte zu , so daß dessen voller Schein darauf fiel . „ Was ist zwischen Dir und dem Grafen Rhaneck vorgefallen ? “ fragte er plötzlich . Luciens Antlitz glühte wieder dunkel auf , wie vorhin im Ballsaal , als der Bruder ihr entgegentrat , und diesmal ergoß sich die heiße Röthe tief herab bis über Hals und Schultern ; sie sah , daß sie dem gefürchteten Examen doch nicht mehr entrinnen konnte . Sie hob daher keck den Lockenkopf empor , setzte ihr Füßchen energisch um einen Schritt vorwärts und erklärte sehr determinirt : „ Er hat mir gesagt , daß er mich anbete ! “ „ Nach zweistündiger Bekanntschaft ? Was man doch nicht alles wagt , einem sechszehnjährigen Mädchen gegenüber ! Darf ich fragen , wo er Dir diese interessante Eröffnung gemacht hat ? “ Das