, die schwerste Last aber fiel jetzt auf des Mannes Schulter . An Sonntagnachmittagen , oft auch nach Feierabend , saß Hauke mit einem tüchtigen Feldmesser zusammen , vertieft in Rechenaufgaben , Zeichnungen und Rissen ; war er allein , dann ging es ebenso und endete oft weit nach Mitternacht . Dann schlich er in die gemeinsame Schlafkammer – denn die dumpfen Wandbetten im Wohngemach wurden in Haukes Wirtschaft nicht mehr gebraucht – , und sein Weib , damit er endlich nur zur Ruhe komme , lag wie schlafend mit geschlossenen Augen , obgleich sie mit klopfendem Herzen nur auf ihn gewartet hatte ; dann küßte er mitunter ihre Stirn und sprach ein leises Liebeswort dabei , und legte sich selbst zum Schlafe , der ihm oft nur beim ersten Hahnenkraht zu Willen war . Im Wintersturm lief er auf den Deich hinaus , mit Bleistift und Papier in der Hand , und stand und zeichnete und notierte , während ein Windstoß ihm die Mütze vom Kopf riß und das lange , fahle Haar ihm um sein heißes Antlitz flog ; bald fuhr er , solange nur das Eis ihm nicht den Weg versperrte , mit einem Knecht zu Boot ins Wattenmeer hinaus und maß dort mit Lot und Stange die Tiefen der Ströme , über die er noch nicht sicher war . Elke zitterte oft genug für ihn ; aber war er wieder da , so hätte er das nur aus ihrem festen Händedruck oder dem leuchtenden Blitz aus ihren sonst so stillen Augen merken können . » Geduld , Elke « , sagte er , da ihm einmal war , als ob sein Weib ihn nicht lassen könne ; » ich muß erst selbst im reinen sein , bevor ich meinen Antrag stelle ! « Da nickte sie und ließ ihn gehen . Der Ritte in die Stadt zum Oberdeichgrafen wurden auch nicht wenige , und allem diesen und den Mühen in Hausund Landwirtschaft folgten immer wieder die Arbeiten in die Nacht hinein . Sein Verkehr mit anderen Menschen außer in Arbeit und Geschäft verschwand fast ganz ; selbst der mit seinem Weibe wurde immer weniger . › Es sind schlimme Zeiten , und sie werden noch lange dauern ‹ , sprach Elke bei sich selber und ging an ihre Arbeit . Endlich , Sonne und Frühlingswinde hatten schon überall das Eis gebrochen , war auch die letzte Vorarbeit getan ; die Eingabe an den Oberdeichgrafen zu Befürwortung an höherem Orte , enthaltend den Vorschlag einer Bedeichung des erwähnten Vorlandes , zur Förderung des öffentlichen Besten , insonders des Kooges wie nicht weniger der Herrschaftlichen Kasse , da höchstderselben in kurzen Jahren die Abgabe von zirka tausend Demat daraus erwachsen würden – war sauber abgeschrieben und nebst anliegenden Rissen und Zeichnungen aller Lokalitäten , jetzt und künftig , der Schleusen und Siele und was noch sonst dazu gehörte , in ein festes Konvolut gepackt und mit dem deichgräflichen Amtssiegel versehen worden . » Da ist es , Elke « , sagte der junge Deichgraf , » nun gib ihm deinen Segen ! « Elke legte ihre Hand in seine . » Wir wollen fest zusammenhalten « , sagte sie . – » Das wollen wir . « Dann wurde die Eingabe durch einen reitenden Boten in die Stadt gesandt . " Sie wollen bemerken , lieber Herr " , unterbrach der Schulmeister seine Erzählung , mich freundlich mit seinen feinen Augen fixierend , " daß ich das bisher Berichtete während meiner fast vierzigjährigen Wirksamkeit in diesem Kooge aus den Überlieferungen verständiger Leute oder aus Erzählungen der Enkel und Urenkel solcher zusammengefunden habe ; was ich , damit Sie dieses mit dem endlichen Verlauf in Einklang zu bringen vermögen , Ihnen jetzt vorzutragen habe , das war derzeit und ist auch jetzt noch das Geschwätz des ganzen Marschdorfes , sobald nur um Allerheiligen die Spinnräder an zu schnurren fangen . Von der Hofstelle des Deichgrafen , etwa fünf- bis sechshundert Schritte weiter nordwärts , sah man derzeit , wenn man auf dem Deiche stand , ein paar tausend Schritt ins Wattenmeer hinaus und etwas weiter von dem gegenüberliegenden Marschufer entfernt eine kleine Hallig , die sie › Jeverssand ‹ , auch › Jevershallig ‹ nannten . Von den derzeitigen Großvätern war sie noch zur Schafweide benutzt worden , denn Gras war damals noch darauf gewachsen ; aber auch das hatte aufgehört , weil die niedrige Hallig ein paarmal , und just im Hochsommer , unter Seewasser gekommen und der Graswuchs dadurch verkümmert und auch zur Schafweide unnutzbar geworden war . So kam es denn , daß außer von Möwen und den andern Vögeln , die am Strande fliegen , und etwa einmal von einem Fischadler , dort kein Besuch mehr stattfand ; und an mondhellen Abenden sah man vom Deiche aus nur die Nebeldünste leichter oder schwerer darüber hinziehen . Ein paar weißgebleichte Knochengerüste ertrunkener Schafe und das Gerippe eines Pferdes , von dem freilich niemand begriff , wie es dort hingekommen sei , wollte man , wenn der Mond von Osten auf die Hallig schien , dort auch erkennen können . Es war zu Ende März , als an dieser Stelle nach Feierabend der Tagelöhner aus dem Tede Haienschen Hause und Iven Johns , der Knecht des jungen Deichgrafen , nebeneinanderstanden und unbeweglich nach der im trüben Mondduft kaum erkennbaren Hallig hinüberstarrten ; etwas Auffälliges schien sie dort so festzuhalten . Der Tagelöhner steckte die Hände in die Tasche und schüttelte sich . » Komm , Iven « , sagte er , » das ist nichts Gutes ; laß uns nach Haus gehen ! « Der andere lachte , wenn auch ein Grauen bei ihm hindurchklang : » Ei was , es ist eine lebige Kreatur , eine große ! Wer , zum Teufel , hat sie nach dem Schlickstück hinaufgejagt ! Sieh nur , nun reckt ' s den Hals zu uns hinüber ! Nein , es senkt den Kopf ; es frißt ! Ich dächt ,