entschieden und vollendet glaubte , kam die Ruhe des Abends über ihn . Er blieb unter seiner Arve , bis die Sonne niederging und der Tag ihr folgte . Und wie sie mit gebrochenen Speeren sich legte und ihr Blut am Himmel verströmte , erlosch er mit ihr und sah sich die Schwester , wie das Spätlicht , im grünen Gewande und auf stillen Sohlen nachschreiten . Das aufgegebene Schwert reute ihn nicht . » Sie werden drüben einen Krieger brauchen « , sagte er sich und wandelte schon unter den seligen Helden . Wie es Nacht war und der Mond leuchtete , ging er sachte bergab , denn er gedachte ein Seitental zu gewinnen und seinen Kaiser zu erreichen , ohne daß er Malmort und die Stapfen der Schwester berühre . Beide wollte er nur am Gerichtstage wiedersehen . Er gelangte an den Strom , der hier ohne Gewalt und Sturz Klippen und Felsen breit überflutete . Das Mondlicht verlockte ihn , sich auf ein Felsstück zu lagern und wunsch- und schmerzlos mit den Wellen dahinzufließen . Er wurde sich selbst zum Traume . Da sah er Elb oder Elbin tauchen . Es schwamm weiß im Strome , ein Nacken schimmerte und jetzt hob der blanke Arm ein Hifthorn in die Höhe , das der Mond versilberte . Er erkannte sein entwendetes Erbteil und trat ohne Hast und Erstaunen dem freundlichen Wunder nahe . » Herr Wulfrin « , jubelte eine Knabenstimme , » freue dich ! Glück über dir ! Ich halte dein Horn ! « und Gabriel , der sein Hirtenhemde wieder umgeworfen hatte , sprang zu ihm empor . » Schon heute mittag « , erzählte er , » sah ich es beim Fischen auf dem Grunde . Ich kannte es gleich , doch war ich nicht allein und mußte die Nacht erwarten . Hat es schon lange gelegen ? « Er schüttelte das Horn und ließ das Wasser sorgfältig aus der Bauchung abtropfen . » Wenn es nur nicht verdorben ist ! « Er hob es an den Mund und stieß darein , daß die Berge widerhallten . » Hier , Herr ! « sagte er . » Wahrhaftig , es hat ihm nichts getan . Ein wackeres Schlachthorn ! « Wulfrin ergriff es und hing es sich um . Als er sich aber einen Goldring – irgendein Beutestück – von der Hand ziehen wollte , um den Knaben abzulohnen , wehrte Gabriel . » Nein , Herr , lege lieber ein Wort für mich ein , daß mich der Kaiser mitreiten läßt ! Doch jetzt muß ich heim ! Ich habe noch in den Ställen zu tun . Kommst du mit ? Ich weiß Stapfen an dem Felsen empor und wir gelangen durch ein Hinterpförtchen noch einmal so rasch in den Hof als auf dem Burgwege . « Und Wulfrin folgte . Die Handlichkeit und Herzlichkeit des Buben hatte seine Sinne und Geister erwärmt . Der Wiedergewinn seines Erbes weckte das Bild des Vaters und die kindliche Gesinnung auf . Und obwohl aus dem Elben ein Menschenknabe geworden war , zitterte doch über dem Strom ein Schimmer von Geisterhilfe . » Am Ende ist es der Vater « , sagte er sich , » und er wird mir beistehen , wenn er kann . Wenn er noch irgend da ist , läßt er mich nicht elend umkommen . Ich will ihn rufen . Vielleicht antwortet er . Es ist ein Glaube , daß der Tote aus dem Grabmal mit seinen Kindern redet . Ich wage es ! Ich blase ihn wach ! Dann frage ich nichts als : Vater , ist Palma dein Kind ? Redet er nicht , so nickt er wohl , oder schüttelt das Haupt . « Obschon der Höfling an Stemma nicht zweifelte , deren Wesen über ihn Gewalt hatte , focht ihn doch der Widerspruch zwischen dem Glauben an die Lebendige und der Frage an den Toten wenig an . Er fühlte einfach , daß er den Vater – wenn dieser zu erreichen sei – befragen und beraten müsse , ehe er sich anklage und sich richten lasse . Aber seine Ruhe war weg , sein Geist gespannt und er hörte kein Wort von dem , was der Knabe unterwegs plauderte . Ebenso unruhig schritt Stemma hinter dem erhellten Fenster , das der Emporklimmende über dem Burgfelsen aufsteigen sah . Aus der Ferne und Tiefe war ein Ton zu ihr hergedrungen , den sie haßte und den sie vernichtet zu haben glaubte . Während ihr Kind auf dem Lager schlummerte , ging sie rastlos auf und nieder . Sie vergegenwärtigte sich Wulfrin , wie er vor Kaiser und Volk eines seltenen , ja unglaublichen Frevels sich beschuldigte , und ihr wurde bange , daß sie und wie sie über ihn richten werde . War es denkbar , daß sich die Natur so verirrte ? daß ein so lauterer Mensch in eine solche Sünde verfiel ? War es nicht wahrscheinlicher , daß hier Irrtum oder Lüge Bruder und Schwester gemacht hatte ? So hätte die Richterin ohne Zweifel geforscht und untersucht , wäre sie nicht Stemma und Palma nicht ihr Kind gewesen . Aber sie durfte nicht untersuchen , denn sie hätte etwas Vergrabenes aufgedeckt , eine zerstörte Tatsache hergestellt , ein Glied wieder einsetzen müssen , das sie selbst aus der Kette des Geschehenen gerissen hatte . Jetzt begann es mit einem Male vor ihr aufzutauchen , die Sünde des Unschuldigen sei das gegen sie selbst heranschreitende Verhängnis . » Gilt es mir ? Wird ein Plan gegen mich geschmiedet ? Ist eine Verschwörung im Werke ? « rief sie ins Dunkel hinein . Da hatte sie ein Gesicht . Sie erblickte mit den Augen des Geistes durch die dämmernde Wand , weit in der Ferne und doch ganz nahe , ein gewaltiges Weib von furchtbarer Schönheit . Diese saß in langen blauen Gewanden , eine Tafel auf das übergelegte Knie gestützt , einen Griffel in der Hand ,