von Städten oder auf dem flachen Lande , wo die Parkwege auf weite Ackerflächen mündeten und der Wald so fern begann , daß er nur wie ein dunkler Pinselstrich den Horizont säumte . Die Vorfahren hatten die sonnige Ebene geliebt und wenn die meisten auch leidenschaftliche Jäger gewesen und um der Pirsch willen oft wochenlang in den Forsten verblieben waren , so hatten doch einige da und dort verstreute , anspruchslose kleine Jagdhäuser für Nachtquartier und ein einfach zubereitetes warmes Essen genügt . Da war nun freilich der Altensteiner Geroldshof mit seiner Waldnähe und kräftigen Bergluft eine kostbare Erwerbung des Herzogs , der man im Lande allgemein zustimmte . Für die drei jungen , zarten Prinzen , die Söhnchen des Regierenden , und die äußerst schwache Gesundheit seiner Gemahlin war ein solch stärkender Aufenthalt im heißen Sommer nur zu wünschen , und deshalb begriff man auch vollkommen den Feuerreifer , mit welchem der Geroldshof zur Aufnahme seiner fürstlichen Bewohner hergerichtet wurde . Die junge Herzogin selbst trieb mit leidenschaftlicher Heftigkeit zur Eile . Kein Bad , kein Klimawechsel hatten ihre sinkende Kraft neu zu beleben vermocht , nun erhoffte sie alles von dem Aufenthalt im Walde . Deshalb wurden auch auf Befehl des Herzogs sämtliche Baulichkeiten nur äußerlich aufgefrischt , kein Mauerstein durfte verrückt , keine Gartenanlage verändert werden , und als man Seiner Hoheit einen Entwurf zu einem stilvollen Brunnenbecken an Stelle des zwar schön gearbeiteten , aber doch zu » dorfmäßigen « Steintroges im Hofe vorgelegt , da hatte er ihn stirnrunzelnd verworfen und befohlen , daß der Brunnen bleibe wie er sei . Geradezu erzürnt aber war er gewesen , als er erfahren hatte , daß man das Goldregen- und Syringengesträuch in den Hofwinkeln mit Stumpf und Stiel ausgerissen habe , um für die verdüsterten Zimmer der Hofdamen Licht zu schaffen , und scheele Gesichter gab es unter den Hofbediensteten auch , als der Herzog den alten Friedrich Kern , der zuletzt Kutscher , Gärtner und Diener in einer Person bei dem letzten Altensteiner Herrn gewesen war , zum Kastellan auf dem Geroldshofe ernannte . Seine Hoheit meinte mit Recht , daß solch ein treuer Diener der beste Hüter seines neuen Besitzes sei . So war dem Geroldshofe sein Äußeres nahezu verblieben und auch im Innern war so manches wertvolle Einrichtungsstück , welches der Herzog durch dritte Hand hatte ankaufen lassen , wieder an seinen alten Platz gekommen , so die alte prachtvolle Meißener Porzellangarnitur mit ihren Armleuchtern , ihrem vielbewunderten Kronleuchter in einem der schönen Salons , so die Rokokomöbel , welche die Initialen und das Wappen der Altensteiner , in Perlmutter und Silber reich ausgeführt , auf ihren Platten und Flächen tragen . Tag und Nacht war fieberhaft auf dem Geroldshofe gearbeitet worden , und die Bahnzüge hatten pünktlich gebracht , was Paris und Wien an Möbeln und Ausschmückungsgegenständen lieferten . So war es möglich geworden , daß der Hof zu Ende Juli in das Paulinental übersiedeln konnte . Im Eulenhaus ging inzwischen auch so manche Veränderung vor sich . Heinemann hatte ausgezeichnete Geschäfte gemacht , und eines Tages hielt ein Wagen vor der Gartentür , und das , was Bienen- und Nonnenfleiß zusammengetragen , stieg aus der Nacht der Erdentiefe an Gottes freies Sonnenlicht und ging hinaus in die Welt , um der Menschheit dienstbar zu werden . Und als danach Heinemann eine hübsche Anzahl großer Banknoten auf den Tisch vor seiner jungen Herrin niederlegte , da meinte er mit seinem treuherzigen Augenblinzeln , nun dürfe man auch die Butter auf die Bemmchen zum Tee ein bißchen dicker streichen und ein größeres Stück Fleisch in den Kochtopf tun , von den neuen Vorhängen gar nicht zu reden , die doch nun angeschafft werden müßten , weil ja jetzt so viele Augen von der Straße her nach der guten Eckstube guckten . Die drei kleinen Prinzen waren mit Gefolge und Dienerschaft zuerst nach dem Geroldshofe übergesiedelt , und der Weg an dem Eulenhaus hin mußte ihnen wohl ganz besonders gefallen ; denn täglich kamen sie vorüber . Das war nun freilich eine unbezahlbare Augenweide für das strickende alte Mamsellchen am Eckfenster , dies junge fürstliche Blut , auf schmucken Ponnys dahertrabend ; und fast ebenso schön war es , wenn die prachtvolle Kutsche aus Neuhaus in Sicht kam ; die konnte man sich doch in aller Ruhe und Bequemlichkeit ansehen , denn sie fuhr langsam , ganz langsam . Im Rücksitz saß die schöne Frau von Berg und hatte das arme , kleine Gespenstchen , das hinterlassene Töchterchen der Prinzessin Katharina , auf dem Schöße , und Baron Lothar fuhr sein krankes Kind selber . Heinemann dagegen war stets eifrig mit seinen Rosenbäumen beschäftigt , wenn der Wagen sichtbar wurde ; dann hörte und sah er nicht und wendete der Straße beharrlich den Rücken , denn das korpulente Frauenzimmer , das sich da auf die Seidenkissen » hinprätzelte « , als sei sie die Prinzessin selber , war ihm ein Greuel . Hatte er doch mit eigenen Augen gesehen , daß sie , als seine Herrin im weißen » Sonntagskleide « , schön wie ein Engel , am Geländer droben gestanden , den Kopf so schnell weggedreht hatte , als sei ihr eine giftige Kröte in das dicke Milchgesicht gesprungen . Und hatte sie nicht gleich beim Vorüberkommen das liebe , alte Haus da im Garten mit dem Augenglas höhnisch beguckt und ihn , den alten Heinemann , von oben bis unten hochmütig gemessen , als solle und müsse er gleich auf der Stelle seinen alleruntertänigsten Kratzfuß vor ihr machen ? Ja , da konnte sie warten ! Etwas ganz anderes war ' s freilich , wenn der Neuhäuser auf seinem schönen Fuchs dahergeritten kam . Da wurde die schönste Rose am Stock erbarmungslos abgeschnitten und dem Reiter , der sie stets in sein Knopfloch steckte , über den Zaun hingereicht . Und Heinemann bekannte ehrlich , er begreife seinen eigenen , alten Dickkopf nicht mehr ; aber mit dem besten Willen könne er gar