lebhafter interessiert , wenn es verstanden , durch Maskierung des Gesichts meine Wißbegierde rege zu machen ... Heute lassen Sie die Sonne ungehindert Ihre Stirn bescheinen und haben somit keine Ursache , mir aus dem Wege zu gehen , wie einem Bilderstürmer oder Gott weiß was für einem Missetäter ... Übrigens möchte ich wohl wissen , was Sie in Ihrer späteren Stellung mit Ihrem angeflogenen vornehmen Gebaren anfangen wollen ? « Sie war stehen geblieben , und so gereizt sie auch sein mochte , jetzt unterdrückte sie ein Lächeln . » Lassen Sie das meine Sorge sein – gute Lebensart schadet auch einer Dienenden nicht ... Meine spätere Stellung ? « Sie zuckte die Achseln und sah mit einem ruhigen Blick zu ihm auf . » Ich meine , seinen Lebensgang macht doch wohl ein jedes auch ein wenig von innen heraus , nicht allein wie es vom Schicksal geschoben und gestoßen wird ; das wird mir den Mut nicht so leicht sinken lassen – dazu bin ich jung und gesund und für mich selbst innerlich völlig gefaßt auf den Augenblick , wo wir da hinaus « – sie zeigte über den Zaun hinweg nach dem Tor in der Hofmauer – » mit dem Stab in der Hand ziehen müssen – « » Um ins Forstwärterhäuschen überzusiedeln , wo die Stellung der Hausfrau winkt , « setzte er im stillen tiefergrimmt hinzu und ballte in der Erinnerung an den unausstehlichen Grünrock die Rechte . Vielleicht wäre er auch so boshaft gewesen , diese Bemerkung auszusprechen , wenn nicht ein plötzlicher Lärm im Hofe das Gespräch unterbrochen hätte . Der Hund bellte wie toll . Tauben flogen erschrocken und geräuschvoll auf die Dächer , und eine tiefe , starke Männerstimme rief wiederholt : » Holla , Kind ! « und schalt dann ärgerlich : » Wo sie nur stecken mag ? « Das Mädchen war bereits nach der Gittertür geflogen und stieß sie auf . » Ach so – hast etwas für deine Küche geholt ! « beruhigte sich die Stimme drüben . » Hör mal , Kind – da draußen vor dem Tor treibt sich seit mindestens fünf Minuten ein fremder Strolch herum – der Kerl mit seinem polizeiwidrigen Bart stört mich ! Schneide ihm doch ein Stück Brot ab und gib ihm diese zwei Pfennig da – mehr wird auf dem Vorwerk in der jetzigen schlechten Zeit nicht verabreicht ; das sage ihm , damit er sich endlich trollt ! « Der Gutsherr hatte sich inzwischen auch der Tür im Zaun genähert , war aber doch zögernd für einen Augenblick in dem dunkelnden Himbeergebüsch stehen geblieben . Er konnte seitwärts die schiefeingesunkene Vorderseite des Wohnhauses mit ihren blinden , glanzlosen Fensterscheiben übersehen . Wie entsetzlich und hoffnungslos mußte der Zusammensturz der Franzschen Vermögensverhältnisse gewesen sein , daß diese klägliche Behausung als rettender Hafen hatte gelten können , und heute erst recht mit einem wahren Verzweiflungstrotz als letzte Unterkunft berechtigten Ansprüchen gegenüber behauptet wurde ! Auf der Schwelle der Haustür stand ein hochgewachsener , hagerer , alter Herr . In der Rechten hielt er eine lange Pfeife , und mit der linken Hand stützte er sich auf einen Gehstock . Er hatte ein kräftig gezeichnetes , edles Gesicht und mußte als jüngerer Mann auffallend schön gewesen sein . Jetzt freilich legte sich eine faltige , gelbe Haut über das Knochengerüst des Gesichts , und die dunklen Augen lagen wie ausgeglühte Kohlen in den weiten Höhlen . Das mußte er sein , der offenkundige Spieler und Schlemmer ; die verwüstende innere Arbeit der Leidenschaften trat in diesen Zügen klar zutage . Er blieb unter der Tür stehen , während das Mädchen an ihm vorüber in das Haus huschte , um Brot für den Bettler abzuschneiden . Dann und wann tat er einen Zug aus seiner Pfeife und blies dicke Rauchwolken in die würzige Morgenluft , während er nach dem Verbleib des » Strolches « forschte , der sich einstweilen einem Verhör des polternden alten Herrn entzogen zu haben schien . Unter einer aufdämmernden Vermutung suchte auch Herr Markus nach dem Verdächtigen . Das der Haustür gegenüberliegende Hoftor stand nur zur Hälfte offen ; der Gutsherr konnte von seinem Platze aus ganz gut sehen , wie sich hinter dem einen geschlossenen Torflügel draußen ein Mensch niederduckte und , das Gesicht an die Bretter gedrückt , unverwandt durch eine der breitklaffenden Spalten des wackeligen Gefüges in den Hof lugte . – Diesen verschabten ärmlichen Rock , den zerknitterten Hut und die karierten Beinkleider hatte Herr Markus gestern schon gesehen , und als eben das Mädchen mit einem Stück Brot in der Hand wieder aus dem Hause trat , da fuhr auch der Kopf hinter dem Torflügel empor , der junge Männerkopf mit dem mächtigen , rötlichblonden Vollbart und der kranken Gesichtsfarbe , den er gestern selbst mit auf das weiche Kopfkissen in der gastlichen Soldatenkammer des Gutshauses gebettet hatte . Der unglückliche Mensch sah heute noch erbarmungswürdiger aus – er schien sich kaum auf den Füßen halten zu können . Sein Entkommen durch das Fenster mußte eine Riesenanstrengung für ihn gewesen sein , und angesichts dieser augenscheinlichen Schwäche und Hilflosigkeit war es geradezu lächerlich , anzunehmen , der Flüchtende habe noch als Dieb die Wohnräume durchstöbert und den Henkeldukaten aus der weitabliegenden Stube geholt . Es war seltsam , daß dieser Verkommene auf alle , die ihm näher in das Gesicht sahen , denselben erschütternden Eindruck machte . Das Mädchen hatte rasch den Hof durchschritten und war mit suchendem Blick aus dem Tor getreten – in demselben Augenblick aber fuhr sie auch zurück , das Brotstück in ihrer Hand flog weit über den draußen vorbeilaufenden Weg hin , und es war ersichtlich , die » Prüde « streckte ebenfalls unbedenklich wie Luise , die hübsche , kleine barmherzige Schwester von gestern , die schönen , jungfräulichen Arme aus , um den Schwankenden zu stützen . Jetzt ärgerte sich Herr Markus ebenso über diesen » fremden Burschen « , der sich so interessant in