hier absteigen und mich ihnen heimlich nähern ; bis jetzt haben sie mich noch nicht gesehen . « In ihrem Eifer , die guten Alten zu überraschen , duldete sie es unbefangen , daß ich sie wie ein Kind aus dem Sattel hob ; sie nahm sogar meinen Arm an , als ich ihr versprach , sie auf einem Umwege unbemerkt bis dicht vor ihren Onkel hinzuführen , und nachdem sie den Besitzer des Thieres angewiesen , auf weitere Befehle zu harren , traten wir unfern Weg an . Wenn ich von einem Umwege gesprochen hatte , so war ich in meiner Versicherung zu weit gegangen . Einen Umweg kannte ich nicht , es war mir eben nur darum zu thun , überhaupt mit seiner Nichte am Arm von meinem Vormunde gesehen zu werden . Zwar hielt ich so viel wie möglich die äußerste Grenze des freien Platzes , doch schritt ich so wenig vorsichtig einher , daß meine liebliche Begleiterin sich nicht enthalten konnte , im Eifer mich mehrfach zurückzuziehen und mir warnend : » leise , leise ! « zuzuflüstern . So gelangten wir denn auch bis auf etwa fünfundzwanzig Schritte unentdeckt an die beiden alten Leute heran , jedoch weniger in Folge unserer behutsamen Bewegungen , als weil jene nicht auf die sich ihnen nähernden Personen achteten . Die Tante hatte nämlich ihre Blicke auf den in ihren Händen befindlichen Strickstrumpf gerichtet und lauschte , anscheinend sehr aufmerksam , den Worten ihres Gatten , während dieser mit seinem Krückstock ein Kanonenrohr und darüber einen Kavalleriesäbel vor sich in den Sand zeichnete , dabei abwechselnd sprach und einige Züge aus seiner schweren , silberbeschlagenen Meerschaumpfeife that . Der laute Schall meiner Schritte veranlaßte ihn endlich aufzuschauen , und zugleich schlug auch seine Gattin die Augen empor . Eine Sekunde lang starrte er uns erstaunt an . Wahrscheinlich glaubte er seinem einzigen Auge nicht trauen zu dürfen , als er seine Nichte an meinem Arme sah , denn er hob mit einer hastigen Bewegung die dunkelgrüne Klappe , welche über sein blindes Auge niederhing , empor , dann über dieselbe wieder sinken lassend und seinen Stock heftig auf die Erde stoßend , brach er in ein lautes , herzliches Lachen aus . » Johann ! « rief er aus – in welche Form er den Namen seiner Nichte Johanna abgekürzt hatte – » Johann ! Blitzmädel ! Bei allen Graben und Bomben , die jemals ein preußisches Geschützrohr verließen , wo in aller Welt hast Du den da aufgegabelt ? « » Lieber Onkel , « stotterte Johanna , ihre Hand von meinem Arm zurückziehend und vor Verlegenheit tief erröthend , » der fremde Herr war so gütig – er ist ein Freund Deines vortrefflichen Gustav – und er wünschte – ich glaubte – « Was sie weiter sagen wollte , erstarb in einem erschütternden Gelächter ihres Onkels , der sogleich irgend einen meiner hinterlistigen Streiche vermuthete und durch seine ausgelassene Heiterkeit sogar seine ehrsame Gattin so weit fortriß , daß dieser der Strickstrumpf entfiel und sie , die Hände zusammenschlagend , mit in das Lachen einstimmte . » Blitzmädel ! – Junge ! – Donnerwetter ! – Sieht Dir ganz ähnlich ! « waren die nächsten Worte , welche zwischen dem Ausbruch der Fröhlichkeit des alten Herrn hervorklangen , während Johanna vor Verwirrung glaubte , in die Erde sinken zu müssen und es ängstlich vermied , mir in die Augen zu schauen , wo sie sogleich eine Lösung des Räthsels gefunden hätte . » Also der saubere Musje , den Du mir da bringst , ist ein Freund meines vortrefflichen Gustav ? « fragte der Oberstlieutenant endlich , als wir vor ihm stehen blieben ; » hast Du ' s gehört , Lisette ? « wendete er sich sodann an seine Gattin , » der beste Freund meines vortrefflichen Gustav , der lieber zehnmal commerschirt , als daß er sich einmal nach seinem Taugenichts von Vormund umsieht ! Lisette ! Frau ! Ist Dir je so etwas vorgekommen ? Ein Freund meines vortrefflichen Gustav ! hahaha ! « » Vergeben Sie mir meine kleine Unredlichkeit , « wendete ich mich jetzt an Johanna , um die peinliche Lage , in welcher sie sich befand , zum Abschluß zu bringen , » ich konnte nicht widerstehen , es lag ein so außerordentlicher Reiz – « » Das war grausam , ungroßmüthig von Ihnen , Herr Wandel , « unterbrach mich Johanna stotternd , während ihre Wangen sich wieder mit der kreisförmigen brennenden Röthe bedeckten . Im nächsten Augenblick aber saß sie neben ihrer Tante , ihr holdes Gesichtchen verschämt auf deren Schulter verbergend . » Ist es denn wahr , hat sie Dich nicht erkannt ? « fragte der Oberstlieutenant , als ich , die Pause benutzend , zuerst ihm und demnächst seiner Frau grüßend die Hand reichte . » Bitte , lieber Herr Oberstlieutenant , « sagte ich in stehendem Tone , mit einem verstohlenen Wink auf Johanna , » lassen Sie es jetzt ruhen , es war ein leichtsinniger Streich von mir , der Strafe verdient . « » Ach was , leichtsinniger Streich ; « fiel mir der alte Herr wieder lachend in die Rede , indem er mich neben sich auf die Bank zog , » der beste Streich , den Du hättest ausführen können ; aber ich muß Alles wissen , wo , wann und wie Ihr Euch getroffen habt und wie es Dir gelungen ist , sie zu erkennen , ohne Dich selbst zu verrathen – aber Johann ! hierher ! Kopf in die Höh ' ! Brust heraus , zum Donnerwetter ! Augen rechts ! « commandirte er zu Johanna gewendet , die , gehorsam den an sie ergehenden Befehlen , aufgestanden und vor ihn hingetreten war , und nur dem Commando : Augen rechts ! nicht Folge gab , weil sie mich dann hätte ansehen müssen . » Augen rechts ! « donnerte abermals der Oberstlieutenant . Johanna sah mich an