, klagte sie . Der Geheimrat ging auf eine geöffnete Tür zu , die in ein zweites größeres Gemach führte . Hier war die Luft rein , die Einrichtung anständiger und ein bequemes Bett stand aufgedeckt da . „ Dies ist Ihr Zimmer ? “ sagte der Geheimrat scharf und streng . „ Zu dienen , Herr Geheimrat , ich bekam es so von meiner Vorgängerin überliefert . “ „ Beziehen Sie das Bett augenblicklich mit frischer Wäsche . “ Frau Gedike sah ihn groß an . „ Augenblicklich ! “ wiederholte der Geheimrat mit einer Miene , die keinen Widerspruch zuließ , und setzte sich , um seine Arme unter der immer schwerer werdenden Last zu stützen . Frau Gedike holte das Verlangte herbei und rüstete das Bett . „ Wo soll ich denn schlafen ? “ fragte sie mit unterdrückter Wut ; „ es ist ja sonst keine Schlafstätte im ganzen Hause ! “ „ Sie können sich ja in Ernestinchens Bett dort drinnen legen und spüren , wie sich ’ s ruht , wenn man zusammengekrümmt liegen muß , wie auf der Folter ! “ erwiderte der alte Herr mit trockenem Humor . Dann aber zog er wieder die grauen , buschigen Augenbrauen drohend zusammen und fuhr fort : „ Ich zweifle übrigens , daß Sie noch ein Lager hier bedürfen , denn was mich betrifft , so werde ich dafür sorgen , daß Sie noch vor Nacht dieses Haus verlassen ! “ „ Ei Herr Jesus ! Herr Geheimrat , was hab ’ ich denn verschuldet ? Was können Sie mir vorwerfen ? “ jammerte Frau Gedike , während sie die Kissen glättete . Heim erhob sich und legte den leblosen Körper nun behutsam auf das Bett , dann sagte er ruhig : „ Betrachten Sie doch nur die Kammer , in welcher Sie das schwächliche Kind verkümmern , das Lager , in dem Sie es fast ver ­ krüppeln ließen und fragen Sie sich dann , ob Ihnen ein ehrlicher Mann zu viel tut , wenn er Sie eine Kanaille nennt ! “ Damit ließ er sie stehen und rief den Chirurgen , um mit seiner Hilfe die nötigen Vorkehrungen zu Ernestinens Verpflegung zu treffen . Frau Gedike lief weinend und schreiend hinaus und der Geheimrat schaltete und waltete nun bei dem Kinde mit der Ruhe und Umsicht eines erfahrenen Arztes und mit der Milde eines wahren Menschenfreundes . Nach einer halben Stunde begann Ernestine Lebens ­ zeichen zu geben . Das Bewußtsein jedoch kehrte nicht zurück . Mit irren gebrochenen Blicken schaute sie umher , schloß aber sogleich die Augen wieder und murmelte ab ­ gerissene unverständliche Worte . Endlich versank sie von Neuem in eine schlummerähnliche Abspannung . Der Geheimrat ließ den Chirurgen bei dem Kinde und ging zu Hartwich hinüber , der einstweilen einen Beistand an Leuthold gefunden hatte . Leuthold war von der ungewöhnlichen Unruhe im Hause endlich auch erwacht und hatte sich von seiner schnarchenden Ehehälfte weggestohlen , um zu sehen , ob vielleicht sein Bruder am Sterben sei , und seiner Gattin die frohe Botschaft als Morgengruß zu bringen . Leider fand er , daß er sich getäuscht , doch war wenigstens das Gute an der Sache , daß die Auf ­ regung , in der sich Hartwich befand , notwendiger Weise seinen Tod beschleunigen mußte ; Ernestinens Schicksal war ihm gleichgültig , aber höchst unangenehm berührte ihn die Nachricht , daß man Heim geholt hatte . Dieser Mann war ihm sehr unheimlich und frischte , wie mit einer chemischen Flüssigkeit , alle alten scheinbar verblichenen Flecken an seinem Namen wieder auf . Er beschloß daher , sich die nächsten Tage über entfernt zu halten , um eine Begegnung mit dem Zeugen seiner Schande zu meiden , dagegen wollte er seine Gattin als Wächterin anstellen ; sie sollte sich von nun an im unteren Stocke aufhalten , unter dem Vorwand , „ Ernestinen pflegen zu helfen “ — natürlich aber durch ihre Gegenwart bei den Besuchen des Arztes verhindern , daß dieser sich gegen Hartwich mißliebig über Leuthold äußere . Er schlich hinauf um seine Gattin eiligst aufstehen zu heißen , doch brauchte die träge Frau hierzu länger , als Leuthold lieb , — und seinen Zwecken gut war . Unmittelbar nachdem er Hartwich verlassen , trat Heim in dessen Zimmer . „ Was bringen Sie mir für Nachricht ? “ rief ihm Hartwich entgegen . „ Noch nichts Gutes . “ Die Kleine gab einige Lebenszeichen , als wir ihr Eisumschläge machten . Doch ist die Lethargie , in welche sie gleich wieder verfiel , beunruhigend . Ich kann Ihnen nicht die geringste Hoffnung geben , bevor nicht wenigstens drei Tage überstanden sind . “ Hartwich schlug die feuchte Stirn in Verzweiflung an die Wand . „ Das bringt mich um , das bringt mich um ! “ Der Geheimerat setzte sich an sein Bett , nahm eine Prise aus einer , mit dem Bilde des Königs ge ­ schmückten goldenen Dose und beobachtete ruhig den jammernden Mann . „ Nun sagen Sie mir ’ mal , Herr von Hartwich , wie ging denn die Geschichte eigentlich zu ? Darf ich das nicht wissen ? Das Kind hat außer der Kopfwunde einige blaue Flecken an Schultern und Armen , die jedoch nicht erst von gestern sind . Es scheint demnach überhaupt sehr hart behandelt worden zu sein ! “ Der Kranke hatte eine Weile geschwiegen , dann aber sagte er : „ Ja — ach ja , wir haben es Alle zu hart gezüchtigt , aber diese furchtbare Verletzung wollte ich ihm nicht zufügen , bei Gott nicht ! Ich hatte gestern Abend schon fest geschlafen , als Ernestine heimkam , sich zu mir schlich und mich durch Schluchzen weckte ! “ „ Das arme Kind , es hatte Ursache zu weinen “ , unterbrach ihn der Geheimerat . „ Ja , ja — aber ich sah es gestern noch nicht ein . Da ich nun einmal wach