erhoben und war vor sie hingetreten . „ Also , das ist Aenne , die liebe lustige Aenne als Braut ? “ Sie ging darauf ein . „ Und das ist Heinz von Kerkow als Bräutigam ? “ „ Ja ! “ sagte er kurz und nickte ihr ernsthaft zu . „ Wie freue ich mich , Aenne , daß Sie so glücklich sind , “ sprach er dann herzlich . „ Sehr bin ich es , sehr ! “ versicherte sie eifrig . „ Und so ernsten Pflichten gegenüber - drei Stiefkinder ? Arme kleine Aenne ! “ „ Darauf freue ich mich gerade ganz unbändig , “ rief sie fröhlich . Er sah sie lange und forschend an , blieb aber stumm . Sie ward ein wenig rot unter der Lüge , sprach dann aber hastig weiter : „ Heinz - ach pardon ! - Herr von Kerkow , ich muß Ihnen noch etwas sagen . Vorhin , als von Ihrer Schwester die Rede war , wurden Sie so traurig - bitte , bitte , schreiben Sie ihr , daß wir sie mit offenen Armen aufnehmen wollen , ich kann für meine Eltern einstehen . Lassen Sie sie zu uns kommen , lassen Sie sie nicht so allein jetzt ! Sehen Sie , “ fuhr sie erregt fort , in den Fehler aller Leute fallend , die einen andern um jeden Preis etwas glauben machen wollen , den Fehler der Uebertreibung , „ sehen Sie , Heinz , wenn Ihre Braut sich ein wenig sperrt in dieser Angelegenheit , so kann man ihr das nicht verdenken - sie fürchtet eben den dritten im Bunde , den Jemand , mit dem sie Ihr Herz ein wenig teilen müßte . Ich aber , Heinz , bin nicht Ihre Braut und infolgedessen auch nicht eifersüchtig , ich würde mich so unbeschreiblich freuen , die Schwester meines Jugendfreundes bei mir zu haben ! “ Er sah ganz starr zu ihr hinüber . Was war denn das ? Was sollte das heißen ? Glaubte sie nötig zu haben , ihm mit klaren Worten zu sagen , daß sie ihn nie geliebt ? Mein Gott , davon mußte er wohl auch so überzeugt sein ! „ Ich danke Ihnen , Fräulein Aenne , ich glaube auch alles , was Sie mir da sagen , glaube es gern , “ antwortete er , „ seien Sie versichert , es thut mir jedes Wort wohl , befreit mich von Sorgen , die ich mir arroganterweise gemacht hatte ! Was nun aber Hedwig anbetrifft , so muß ich leider für jetzt Ihre Freundlichkeit ablehnen , ein solcher Trauergast würde in Ihr frohes Haus nicht passen - Später , wenn Sie als junge Frau Oberförsterin drüben wohnen und Hedwig in unserem Hause ein Heim gefunden hat , dann nehmen Sie sich ihrer , bitte , ein wenig an ich werde Ihnen sehr dankbar dafür sein ! “ Sie hatte ihn recht verstanden , denn sie fühlte , wie ihr das Blut in die Wangen stieg , . also - er war doch in Sorgen um sie gewesen ! Ob er jetzt sich überzeugt hat , daß sie ihn niemals geliebt hat ? Weiterlügen , mehr lügen ! stürmte es in ihr , sie suchte nach einer Antwort und fand keine . Wie erlöst eilte sie gleich darauf der Thüre zu , an der sich der Drücker bewegte , ohne daß jene aufging . Sie öffnete , und ihr fröhliches „ Ei ! ei ! Was kommt denn da ? “ ließ den jungen Offizier in seiner Wanderung durch das Zimmer einhalten . Drei Kinder kamen über die Schwelle , das jüngste , ein Mädel mit krauser blonder Lockenfülle , dick und pummelig wie der Apfel , den es in der Hand hielt , nahm Aenne gleich auf den Arm und küßte es . Der Bub im Sammetkittelchen mit Lederschurzfell , Papierhelm und hölzernem Säbel war die Miniaturausgabe des Oberförsters , derb , untersetzt , mit trotzigen blauen Kinderaugen , die verwundert von Aenne zu Heinz schauten . Die Aelteste , ein mageres Kind von sieben Jahren mit spitzem altklugen Gesicht und straff zurückgekämmtem weißblondem Haar , hielt in jedem Arm eine Puppe , sie machte einen Knix vor dem fremden Herrn und sah ihn ebenfalls mit unverhohlener Neugier aus hellen wimperlosen Augen an . Aenne hatte sich mit ihrer Last auf den Fenstertritt gesetzt und barg ihr Gesicht in das krause Blondhaar des Kindesköpfchens . Der Junge stand ihr zugewandt und beobachtete sie stumm . Heinz , den in diesem Augenblick der ganze große Schmerz seiner verlorenen Liebe überfiel , betrachtete irgend eins der Bilder an der Wand . Er konnte sie nicht tändeln sehen mit dem Kinde dieses andern , er konnte sie überhaupt nicht mehr sehen , es ging über seine Kräfte . Mehr als ein bestimmtes Maß von Elend kann der Mensch nicht ertragen ! Sie hatte ihn nie geliebt , nun gut , aber er liebte sie desto mehr , wie sehr , das fühlte er in diesem Augenblick erst . Und Aenne spielte ihre Komödie weiter und hatte ein Gefühl dabei , als müßte irgend etwas in ihrem Herzen zerreißen , als müßte sie schreien . „ Glaube mir , glaube mir ! Du mußt mir glauben ! Siehst du denn nicht , daß ich beinahe sterbe an den Lügen ? “ Da klang auf einmal eine Kinderstimme durch das stille Zimmer , eine grollende freche Jungenstimme : „ Warum küßt du denn heute Mariechen immerzu ? “ Aennes Gesicht tauchte erschreckt empor . „ Was meinst du damit , Hermänne , “ fragte sie streng , „ ich küsse das Mariechen doch alle Tage ? “ „ Das ist ja gar nicht wahr ! “ rief der Junge , „ und wenn sie auf deinen Schoß will , setzt du sie immer wieder auf den Boden . “ „ Du bist ein ganz ungezogenes Kind , Hermann ! Agnes , bitte ,