lutherische Zelotismus drückte und peinigte , neigte er sich dem glatteren und mehr weltmännischen Calvinismus zu , als umgekehrt die Reformierten Gewissenszwang zu üben begannen , stellte er sich wieder – nicht der Dogmen halber , sondern als freier Mann – auf die lutherische Seite . Es gebrach ihm an dogmatischer Strenge , das wird zuzugeben sein , aber er hatte die schönsten Seiten des Christentums : die Liebe und die Freiheit . Wäre er eine schwache oder gar eine zweideutige Natur gewesen , hätte er sein irdisches Wohl über sein ewiges gesetzt , so hätten wir die Wandlung , die ihn wieder zu den Lutherischen zurückführte , sich nie an ihm vollziehen sehen . Seine Briefe an Stosch hatten ihn bereits halb in das Lager der Calvinisten hinübergeführt , und er brauchte auf dem betretenen Wege nur einfach weiter zu schreiten , um einer glänzenden Laufbahn sicher zu sein . Die Reformierten hätten ihn freudig begrüßt und die Lutheraner ihn ohne Verwunderung scheiden sehen . Er tat es aber nicht und hatte den Mut , auf halbem Wege stillzustehen und sich zwischen die Parteien zu stellen . Er wußte , daß sein Schicksal in Stoschs Händen lag , aber er sprach dennoch in voller Sitzung des Konsistoriums sein » Vim patitur ecclesia Lutherana « , weil , über die Klugheit und alle Berechnung hinaus , sein Herz immer bei den Unterdrückten war . Daß er sich dem Abraham Calow auf kurze Zeit überantwortete , statt gleich den Schritt in den Ruhehafen des Katholizismus zu tun , mag man tadeln , aber die Mutter dieser ängstlich nach dem Ziele tappenden Verirrung war die – Verwirrung . Pastor Reinhart , einer von den hartköpfigsten Lutheranern jener Epoche , soll freilich , lange bevor die geschilderte Katastrophe kam , über unseren Fromm geäußert haben : » der Kerl sieht aus wie ein Jesuit und er wird auch noch einer werden « , aber aus diesem Kraftspruch , der ohne Not zu einer Art Prophezeiung gemacht worden ist , ist doch einfach nur der Schluß zu ziehen , daß unser Andreas Fromm von St. Petri ein Mann von glatteren Formen war , als Elias Sigismund Reinhart von St. Nikolai . Übrigens existiert bekanntlich auch heute noch kein Geistlicher , und wenn er an der Grenze der Lichtfreundschaft stände , dem nicht irgend einmal nachgesagt worden wäre : » er säh ' aus wie ein Jesuit und würd ' auch noch einer werden . « Andreas Fromm flüchtete in den Katholizismus . Die aus Gewissenhaftigkeit und Eigensinn , aus Überzeugungstreue und engherziger Philisterei geborenen Zänkereien jener Epoche trieben ihn an ein Ziel , an das er , in den glücklichen Jahren seines Wirkens , nicht einmal gedacht haben mochte . Konsistorialrat Martin Friedrich Seidel , Fromms besonderer Freund , schrieb über ihn : » Wollte Gott , es wäre dieser Fromm mit Glimpf und gütlichen Mitteln bei unserer lutherischen Kirche behalten und von solchen extremen Schritten abgehalten worden . Ich muß ihm das Zeugnis geben , daß ihm Gott stattliche Gaben verliehen hatte . « Und selbst Otto Schulz , der sonst eher als Ankläger denn als Verteidiger unseres Fromm auftritt , schließt mit den Worten : » Seine innerste Gesinnung war christlich ; nichts als das Gezänk im Innern der evangelischen Kirche und das Schwanken , sowohl in der Lehre als in der Verfassung , haben ihn aus der Kirche herausgetrieben . « 5. Kronprinz Friedrich in Ruppin 5. Kronprinz Friedrich in Ruppin Die Wetter waren verzogen Und die Sonne wieder schien , – Es spannt sich ein Regenbogen Auf dem dunklen Grunde Küstrin . I Das der Thronbesteigung des großen Königs vorhergehende Jahrzehnt , also der Zeitraum von 1730 – 1740 , pflegt in zwei ungleiche Hälften geteilt zu werden , in die düstern Tage von Küstrin und in die lachenden Tage von Rheinsberg . Diese Einteilung , die sich neben andrem auch durch den Reiz des Gegensatzes empfiehlt , mag der ganzen Welt ein Genüge tun , nur die Stadt Ruppin hat ein Recht dagegen zu protestieren und eine Dreiteilung in Vorschlag zu bringen . Zwischen den Tagen von Küstrin und Rheinsberg liegen eben die Tage von Ruppin . Es ist wahr , die Ruppiner Episode ist unscheinbarer , undramatischer , kein Katte tritt auf das Blutgerüst und kein Bayard-Orden wird gestiftet , aber auch diese stilleren Tage haben ihre Bedeutung . Versuch ' ich es , ihnen in nachstehendem ihre Existenz zurückzuerobern . Am 26. Februar war Kronprinz Friedrich von Küstrin in Berlin wieder eingetroffen , und zwölf Tage später ( am 10. März ) erfolgte seine Verlobung . Aller Zwiespalt schien vergessen . » Obristlieutenant Fritz « , über dessen Haupte vor nicht allzu langer Zeit das Schwert geschwebt hatte , war wieder ein » lieber Sohn « und Oberst und Chef eines Regiments . Dies Regiment , das bis dahin kompanieweis in den kleinen Städten der Priegnitz und des Havellandes , in Perleberg , Pritzwalk , Lentzen , Wittstock , Kyritz und Nauen in Garnison gelegen und nach seinem frühern Chef den Namen des von der Goltzschen Regiments geführt hatte , wurde jetzt zu größerer Bequemlichkeit für den Kronprinzen in Ruppin und Nauen konzentriert . Das Regiment selbst aber erhielt den Namen » Regiment Cronprintz « . Bratring , in seiner Geschichte Ruppins , schreibt , daß im Jahre 1732 das zweite Bataillon des Prinz von Preußen Infanterieregiments nach Ruppin verlegt worden sei . Dies ist in doppelter Beziehung nicht ganz richtig . Es gab damals noch gar kein Prinz von Preußen Infanterieregiment , weil es noch keinen Prinzen von Preußen gab . Erst 1744 wurde Prinz August Wilhelm zum Prinzen von Preußen ernannt und seinem Regiment der entsprechende Name gegeben . Sein Regiment hieß bis dahin das Prinz Wilhelmsche Regiment . Dies stand allerdings zu Neu-Ruppin in Garnison , es kam aber 1732 – und dieser Irrtum ist der gewichtigere – nicht nach Ruppin , sondern ward umgekehrt von Neu-Ruppin nach Spandau fortverlegt , um dem einrückenden