was ist heimlich überhaupt ? › Ist auch noch so fein gesponnen , muß doch alles an die Son nen . ‹ Und ist auch ein Trost und ein Glück , daß es so ist . Denn alles Unrecht muß heraus . Und was ein rechtes Unrecht ist , das will auch heraus und kann die Verborgenheit nicht aushalten . Und eines Tages tritt es selber vor und sagt : hier bin ich . Ja , Kinder , so hab ich ' s immer gefunden , auch bei den Soldaten schon , und ich entsinne mich ... Aber ich sehe wohl , ich hab es schon erzählt und bin noch nicht alt genug , um immer bloß fürs Alte zu sein und am wenigsten für alte Geschichten . Aber für ein Altes bin ich , und am End ihr auch – wenigstens unsere Grissel hier , denn die hat eine feine Zung und eine spitze dazu , nicht wahr ? Aber das tut nichts , wenn ' s hier nur stimmt und der Katechismus in Ordnung ist und der Wandel und die gute Sitt – aber was ich sagen wollte , für ein Altes bin ich . Und hier ist der Schlüssel , Martin , und nun geh und hol eine von den weißgesiegelten , ohne Zettel . Bah , Zettel ! Zettel hin , Zettel her ! Der Zettel macht ' s nicht , aber was drin ist , das macht ' s. Und dafür steh ich . Also von den weißgesiegelten , Martin . Oder bringe lieber gleich zwei . Denn es wird einem wohler und wärmer ums Herz , wenn man nicht gleich mit der Angst anfängt : › Ei , du mein Mäusle , was wird ? ' s is halt schon wieder vorbei . ‹ Nein , nein , was es auch sei , man muß immer was Sicheres vor sich haben , und der freie , ruhige Blick in die Zukunft , das ist überhaupt das Beste vom Leben . Und nun geh , Martin . Aber sieh dich vor bei der drittletzten Stufe , die liegt nicht fest , und zerschlage mir nichts , denn ich bin abergläubisch . Und an meinem Geburtstage soll mir kein Glas in Scherben gehen . Und auch keine Flasche . « Martin ging und kam wieder und stellte die Flaschen auf den Tisch . Und mit einem langen Pfropfenzieher , an dessen Griff eine Bürste war , zog jetzt der Heidereiter den Kork aus der ersten Flasche , putzte die Lackkrümelchen sorgfältig weg und goß unter Schmunzeln und doch zugleich mit einer gewissen Feierlichkeit in alle vier Gläser ein . Und nun nahm er seins , hielt es gegen das Licht und freute sich , daß es wie kleine Geister darin auf- und niederstieg . » Auf ein glückliches Jahr ! « Alle Gläser klangen zusammen , und alle tranken aus . Nur Hilde nicht . Aber darin versah sie ' s , und der Alte sagte : » Wer nicht austrinkt , meint es nicht gut . Und du hast bloß genippt , Hilde . Wer mein Liebling sein will , muß austrinken ; werde nur nicht rot , der Martin gönnt dir ' s und die Grissel auch . Nicht wahr , Grissel ... ? Und wißt ihr , wo der Wein herstammt ? Der stammt drüben vom Schloß und ist noch vom seligen Grafen , von meinem gnädigen alten Herrn , der nun auch drüben unterm Stein liegt , lange vor der Zeit . Ja , daß ich ' s sagen muß , lange vor der Zeit . Aber das mit dem jungen , das war ihm zuviel . « Er wollte behaglich weiterplaudern , aber er unterbrach sich plötzlich , weil ihm einfiel , daß er sich selber vorgesetzt hatte , von dem Tode des jungen Grafen und überhaupt von dem jungen Grafen in Hildes Gegenwart nie sprechen zu wollen . Als er diese jedoch völlig unbefangen bleiben und nur neugierig Augen machen sah , fuhr er auch seinerseits in wiedergewonnener Unbefangenheit fort : » Ja , das mit dem jungen , das war ihm zuviel . Und als ihn die Halberstädter anbrachten , immer mit Trommeln und Pfeifen – denn anderes hatten sie nicht , weil die richtige Musik mit zu Felde war – , und es immer so wirbelte durch ganz Emmerode hin , an dem Kirchhof und dem Stachelginster vorbei , bis an die Kirche , die schwarz ausgeschlagen war , und brannten alle Lichter , aber keine Gesangbuchsnummer an der Tafel und bloß die Orgel spielte – da war es dem Alten doch zuviel , und er hat ' s nicht lange mehr gemacht . Aber das sag ich euch , das war ein Mann , der hätte das nicht geduldet mit dem Kamm-Melcher und mit dem Katholischtun , und hatte für jeden ein Herz und eine Hand , und als mein Ehrentag war mit deiner Mutter , Martin , die nun auch drüben schläft und vor Gott bestehen wird , weil sie Gott im Herzen hatte , da war er noch frisch und gut bei Weg , und ich dachte : der wird achtzig . Und eben den Tag war es , da kam auch ein Flaschenkorb mit Wein herüber und ein Zettel dran , auf dem war zu lesen : › Für den Hochzeiter und Heidereiter ‹ , und darunter stand : › Auf gute Nachbarschaft . ‹ Ja , › Auf gute Nachbarschaft ‹ hatte der gute gnädige Herr geschrieben , und alles eigene Handschrift . Und von dem Wein ist dieser . Damals , an demselben Tage noch , hab ich den weißen Lack von der ersten Flasche geklopft und heute von dieser zweiten , und ich denke , Kinder , es soll nicht die letzte gewesen sein . « Und Baltzer Bocholt , der , als er so sprach , ohne Wissen und Wollen aufgestanden war , setzte sich jetzt wieder und strich sich