ihm bei der langen Reise etwas zustoßen können . Bei den verschiedenen Zwangsvorstellungen , die mich plagen , kam es mir äußerst wahrscheinlich vor . Er hat mir nun weitläufig erklärt , was alles noch geschehen müsse , bis es an die hiesige Bank überwiesen wird . Die erste Frau hat sich mit einer mäßigen Summe abfinden lassen und die Beschlagnahme zurückgezogen . Im übrigen war er anfangs etwas verstimmt gegen mich . Es scheint aus hinterlassenen Briefen hervorzugehen , daß er auch ohne Heirat hätte Universalerbe werden können und ohne den verhängnisvollen Kontrakt jedenfalls nicht wäre gepflichtteilt worden . Er fühlt sich nachträglich wieder solidarisch mit dem toten Vater und hätte jetzt lieber mit ihm gegen mich intrigiert , wie er vorher mit mir gegen ihn intrigierte . Wenigstens glaubt Baumann seine Gefühle für mich in dieser Richtung auslegen zu dürfen . Natürlich ist es aber jetzt zu spät , und in Anbetracht dessen entwickelt sich eine durchaus friedliche Beziehung zwischen uns . Ich finde ihn sogar in seiner ganzen Art ganz sympathisch , ein wenig Balailoff der Zweite , nur wirkt er noch russischer , obwohl er kein Russe ist und nur die Stammgüter seiner Familie in Finnland liegen . Balailoff war nur spleenig und trank , ohne daß es ihm oder anderen Freude schuf . Dieser trinkt auch , aber seine Räusche sind produktiver , und er weiß sie glückhafter auszugestalten . Er wohnt im Hotel drunten am Marktplatz , hat , da die Ankunft des Pflichtteils jetzt auch dem Laien außer Frage steht , unbeschränkten Kredit , hält sich ein Mietauto , mit dem er den ganzen Tag herumsaust , und läßt abends eine italienische Musikbande kommen , die ihm bis nach Mitternacht vorspielen muß . Ferner kauft er sich alle möglichen Schießgewehre - er braucht die nicht , denn er ist kein Jäger , aber sie machen ihm Vergnügen , ebenso wie seine Tiere , drei Bernhardiner und ein Wolfshund . Tagelang ist er mit dem Auto unterwegs gewesen , bis er diese Meute zusammengebracht hat . Die Bernhardiner sitzen oder liegen dekorativ vor dem Hotel herum und verursachten anfangs Volksaufläufe , da man hier noch nie dergleichen Tiere gesehen hatte . Der Wolfshund dagegen zeichnet sich durch unbändiges Temperament aus und richtet allnächtlich ein Hotelzimmer zugrunde , er zerreißt die Betten , beißt die elektrischen Drähte ab und ähnliches . Aber mein rauher Gatte lacht sich vor Vergnügen halbtot , wenn man ihm die Rechnung dafür präsentiert , und fordert alle auf , das Benehmen dieses Teufelskerls zu bewundern . Um ihn nicht zu kränken , stimme ich aus vollem Herzen bei - solange er ihn nicht ins Sanatorium bringt . Der Hotelbesitzer ist ebenfalls Feuer und Flamme für das Tier wie für seinen Herrn , weil er auf diese Weise sämtliche Zimmer neu hergerichtet bekommt . Man weiß natürlich in der Stadt , daß wir verheiratet sind und daß große finanzielle Ereignisse uns umwittern . Da hier sonst wenig Sensationelles passiert , sind wir mythische Persönlichkeiten und ungeheuer populär . Allzu oft lasse ich mich zwar nicht blicken , aber es kommt doch manchmal vor , daß ich an der Seite meines Gemahls mich dem erstaunten Volk zeige . Mit den anderen habe ich ihn nicht erst bekannt gemacht , er paßt nicht zu ihnen und ist ausgesprochen menschenscheu . Er ist überhaupt sehr merkwürdig und spricht wenig . Was andere sagen , pflegt er zu überhören und reagiert nur selten darauf . Will ich also etwas von ihm wissen - er zitiert mich manchmal zu einer wichtigen Besprechung - , so heißt es ruhig dasitzen und abwarten , bis er davon anfängt . Er läßt Wein bringen , die Musikanten warten immer schon an der nächsten Straßenecke , bis man sie herbeiwinkt . Dann stehen sie auf der Piazza vor dem Hotel und spielen , er wirft ihnen Geld zu und läßt ihnen zu trinken geben . Ich spende ihnen hier und da ein huldvolles Lächeln und warte darauf , daß er mit der Besprechung beginnen wird . Irgendwann kommt denn auch der Moment , wo er sich daran erinnert und mit der Hand unter seine Lederjacke fährt - er hat einen merkwürdigen Kleidungskomplex , denn ich habe ihn noch nie in einem anderen Kostüm gesehen als : Schaftstiefel , Kniehosen und lederne Jacke - er sucht eine Zeitlang , fördert ein arg zerknittertes Schreiben oder Aktenstück zutage und teilt mir das Wissenswerte daraus mit . Das Wissenswerte ist immer nur eine neue Verzögerung oder Schwierigkeit . Ich äußere meine Besorgnis , daß immer noch und immer noch ... Er hört kaum darauf hin und sagt mit gewaltiger Stimme : » Ich verstehe den Krempel ja auch nicht ... ich verstehe überhaupt nichts von Geldgeschichten ... aber seien Sie nur ruhig , gnädige Frau , es wird schon alles gut werden . « Dann vertieft er sich wieder in die Vorzüge seiner Hunde , fragt mich , ob die Leute gut spielen , zeigt mir einen neuen Revolver , den er für besser hält als den vorigen , trinkt ein Glas nach dem anderen , und man hat den Eindruck , als ob er sich recht glücklich fühle . Selten , selten gelingt es mir , ihn etwas redseliger zu machen - ich bin jetzt auch selbst so konstelliert , meine Gedanken kreisen wieder einmal wie in einem monotonen , betäubenden Wirbel immer um dasselbe : wann kommt das Geld ? So ist dieser Mann zweifellos die gegebene Gesellschaft für mich . Aber wie gesagt , es kommt auch vor , daß er ein wenig mehr auftaut , Fragmente von sich selbst erzählt oder fragmentarische Ansichten über Menschen und Dinge äußert . Die über Menschen sind kurz und bündig . Von Männern läßt er nur den Typus Teufelskerl gelten , der ungeheuer trinken , spielen oder sonst etwas kann . Die anderen interessieren ihn nicht . Findet er einen solchen , so bewundert und protegiert er ihn , stopft ihm die Taschen